Gallery list / Galerie Boisserée, J. & W. Boisserée Gmbh

Galerie Boisserée, J. & W. Boisserée Gmbh

Drususgasse 7-11, 50667 Köln - Germany

Programm



Die Galerie Boisserée wurde im Jahre 1838 in Köln gegründet und zeigt heute auf zwei Ausstellungsebenen Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts, besonders Malerei und Graphik nach 1950 sowie zeitgenössische Kunst.



Ein besonderes Augenmerk legt die Galerie Boisserée auf die Technik der Originalgraphik sowie Arbeiten auf Papier und verbindet den Kunsthandel (mit bereits etablierten Namen) mit der Galerietätigkeit im Bereich zeitgenössischer Kunst.





Kunst nach 1950



Im Bereich der Malerei nach 1950 zeigte die Galerie Einzelausstellungen u.a. von Ackermann, Chillida, Clavé, Dahmen, Ernst, Miró, Saura, Schumacher, Soulages und Tàpies.



Internationale Beachtung genießt die Galerie auf Grund ihrer umfangreichen, cirka 300 Blatt umfassenden Sammlung mit graphischen Arbeiten von Braque, Braque, Chagall, Chillida, Ernst, Estève, Francis, Hartung, Marini, Matisse, Miró, Motherwell, Picasso, Poliakoff, Saura, Schumacher, Soulages, Tàpies, um nur die wichtigsten Künstler zu nennen. Boisserée legt im Bereich der Graphik besonderen Wert auf die Sammelwürdigkeit der einzelnen Arbeiten: So findet der Besucher nur handsignierte Originalgraphiken in tadellosem Zustand in überschaubarer Auflage.



Für jede Graphik der Sammlung, die ausführliche katalogisiert wird, übernimmt die Galerie Boisserée die volle Gewährleistung.



Die Galerie ist am Ankauf interessanter Arbeiten aus den Bereichen Malerei und Originalgraphik des 20. und 21. Jahrhunderts interessiert.





Zeitgenössische Kunst



Seit Jahren ist es der Galerie Boisserée ein Anliegen, auf Qualität in der aktuellen Kunst hinzuweisen und hier insbesondere noch nicht arrivierte Künstler zu entdecken und zu fördern, u.a. durch engagierte Ausstellungstätigkeit, die Herausgabe von Katalogen und die Teilnahme an internationalen Kunstmessen (u.a. der ART COLOGNE). Zum zeitgenössischen Programm der Galerie gehören Künstler wie Jürgen Brodwolf, Henning Kürschner, Wolfgang Troschke, Rolf Urban, Jan Voss und Franziskus Wendels.



Internationale zeitgenössische Graphik findet man von Albers, Baselitz, Hamilton, Hockney, Hughes, Indiana, Lewitt, Opie und Warhol.



  • Gallery
    Galerie Boisserée, J. & W. Boisserée Gmbh
  • Last name
    Johannes & Thomas Schilling & Weber
  • Address
    Drususgasse 7-11, 50667 Köln
  • Website
    http://www.boisseree.com
  • Country
    Germany
  • Phone number
    +49 (0) 221 2578519
  • Fax number
    +49 (0) 221 2578550

Exhibitions

2017/11/10
Von 10.11.2017 bis 04.01.2018
ACCROCHAGE
Neuankäufe und ausgewählte Exponate aus den Beständen
2017/09/08
Eduardo Chillida

Mit der Ausstellung "Eduardo Chillida“ widmet sich die Galerie Boisserée erneut einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Eduardo Chillida, 1924 in San Sebastián geboren und ebenda 2002 verstorben, hat es geschafft, eine völlig eigenständige Formensprache zu entwickeln und gilt nicht nur als einer der bedeutendsten Bildhauer unserer Zeit. Chillidas Leidenschaft für unterschiedliche Materialien (Eisen, Stahl, Alabaster, Granit, Beton, Holz, Ton, Porzellan, Filz, Papier) hat die Auseinandersetzung mit den Werkstoffen eingefordert und ein faszinierendes Werk entstehen lassen.

Über 70 ausgewählte Arbeiten – eine Skulptur aus Eisen, drei aus Schamotte, Gravitationen aus Papier und Porzellan, Zeichnungen, Collagen, Aquatintaradierungen, Radierungen, Holzschnitte, Lithographien, Mappenwerke und Bücher – sind einem Zeitraum gewidmet, der vor etwa 60 Jahren begann.

Die Papierarbeiten – Gravitationen, Zeichnungen, Collagen, druckgraphische Arbeiten – nehmen einen wichtigen und selbständigen Teil in Chillidas Gesamtwerk ein. Sie folgen denselben Prinzipien wie seine Skulpturen: ein Erkennen und Vergegenwärtigen des Ungreifbaren zu fördern.
Chillidas druckgraphische Arbeiten sind Meisterwerke zeitgenössischer Graphik. Sie sind zweidimensionale Formulierungen des Generalthemas Raum. Jedes dieser Werke nimmt in der Gesamtheit eine eigene Funktion wahr. Die zweidimensionalen Oberflächen sind weder perspektivische Darstellungen noch Gleichnis für den dreidimensionalen Raum. Die Fläche tritt als zweidimensionales Äquivalent an die Seite des Raumes. Mit unerschöpflichem Einfallsreichtum und strenger Materialgerechtigkeit nutzt Chillida die verschiedenen Techniken der Druckgraphik und deren unterschiedliche Eigenschaften. Es ist verblüffend, welch intensiv skulpturale Ausstrahlung schon kleine Prägedrucke haben und mit wie wenig Mitteln sich in diesen Werken imaginäre Räume öffnen lassen.

In den Gravitationen hat Chillida seine Synthese aus graphischem und dreidimensionalem Werk gefunden und den Dialog zwischen Raum und Form um eine dritte Größe, die Schwerkraft, erweitert. Handgeschöpfte, in der Textur unregelmäßige Papierblätter oder Filzmatten sind übereinanderlegt und werden durch eine Schnur zusammengehalten und zwar so, dass sie sich etwas voneinander abheben. Anders als alle anderen Arbeiten sind die Gravitationen an Schnüren aufgehängt und haben somit eine andere Raumwirkung als Skulpturen oder graphische Werke. Die dünnen Schnüre schaffen eine leichte, schwebende Wirkung. Sie machen auf eine Bewegung von oben nach unten aufmerksam und thematisieren auf fast schwerelose Weise den Einfluss der Schwerkraft. Ab 1987 überträgt Chillida die Technik der Gravitation auf die Bereiche der Graphik und des Porzellans. Die Porzellanarbeiten, Porcelana genannt, mit ihren unregelmäßigen Außenrändern und ihrer typischen Oberflächenstruktur wirken leicht wie Papier.

Chillida nennt seine aus Ton geschaffenen Skulpturen „Lurra“, (Mehrzahl: „Lurrak“) dem baskischen Namen für Erde. Es sind kleine kubenartige Formen mit rauer Oberfläche.
Er gestaltet die massiven Blöcke auf ganz unterschiedliche Weise. Es gibt Lurrak, bei denen zarte Linien sanfte Spuren auf der Oberfläche hinterlassen, bei anderen werden die Blöcke geöffnet und neue Räume geschaffen und bei wieder anderen lösen Einschnitte und Gravuren die homogene Oberfläche auf.

Ein umfassender Katalog mit über 100 Seiten und über 100 Abbildungen kann zum Preis von 10 Euro inkl. Versand in der BRD über die Galerie Boisserée bestellt werden, ist aber auch während der Ausstellung unter www.boisseree.com einzusehen.

Ausstellung vom 08.09.–04.11.2017

2017/04/27
Carlos Cruz-Diez, 1923 in Caracas, Venezuela geboren, ist einer der wichtigsten Vertreter der optischen und kinetischen Kunst. Für seine Farbforschung und Farblehre wurde er mit zahlreichen Auszeichnungen und Preisen geehrt.

Seit jeher bemühen sich Künstler, insbesondere Maler, um das Verständnis der Farbphänomene. Die Wirkung auf den Betrachter und die Theorien über das Zusammenspiel der Farben, der Farbtöne, der Farbdichte und die Bedeutung des Lichts stehen im Mittelpunkt der Überlegungen.

Als Farbtheoretiker versteht Cruz-Diez die Farbe als eigenständige Realität, frei von Form und Beiwerk. „In einem realen Raum und einer realen Zeit entwickelt sie [die Farbe] sich in einer ewigen Gegenwart ohne Vergangenheit und Zukunft.“

Seine Arbeiten basieren auf den vier chromatischen Grundsätzen - dem Subtraktiven, dem Additiven, dem Induktiven, dem Gedachten und ermöglichen eine kognitive Annäherung an das Phänomen Farbe, die das eigene Wahrnehmungsfeld nachhaltig verändert.

Im Rahmen seiner Farbforschung lassen sich acht Farbgruppen differenzieren: Couleur Additive (Caracas 1959), Physichromie (Caracas 1959), Induction Chromatique (Paris 1963), Chromointerférence (Paris 1964), Transchromie (Paris 1965), Chromosaturation (Paris 1965), Chromoscope (Paris 1968), Couleur à l'Espace (Paris 1995).

Cruz-Diez‘ Werk umfasst Malerei, Arbeiten auf Papier, Graphik, raumgreifende Lichtinstallationen und großformatige Projekte im öffentlichen Raum. Seine Arbeiten sind in den Sammlungen wichtiger Institutionen wie dem Museum Ludwig, Köln l dem Museum of Modern Art (MoMA), New York l der Tate Gallery, London l dem Musée d ́Art Moderne de la Ville de Paris l dem Centre Pompidou, Paris l der Neuen Pinakothek, München und dem Museum of Fine Arts (MFHA), Houston zu sehen.

Carlos Cruz-Diez lebt und arbeitet seit 1960 in Paris.

2017/03/15
Ralph Fleck – neue Arbeiten

Nach seiner ersten musealen Retrospektive im Museum Küppersmühle Duisburg im Frühjahr 2015 zeigt die Galerie Boisserée zum zweiten Mal in einer umfangreichen Einzelausstellung Arbeiten des 1951 in Freiburg/Breisgau geborenen Künstlers Ralph Fleck. Im Jahr 2014 holte Boisserée nach einer langen Pause – Ralph Fleck wurde zuletzt in Köln von Bogislav von Wentzel (1988 und 1990) und Jeane von Oppenheim (1992) ausgestellt – wieder eine Ausstellung des Künstlers in die rheinische Metropole.
Die Exponate können während der Ausstellung unter www.boisseree.com angesehen werden.

Ausstellung vom 15. März – 29. April 2017
Eröffnung am Mittwoch, den 15. März 2017 um 18:30 Uhr in Anwesenheit des Künstlers.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (Hardcover, 64 Seiten, 52 farbige Abbildungen).
Er wird zu Euro 10 im Inland versandfrei zugeschickt.
2017/01/25
Robert Motherwell
Arbeiten aus dem graphischen Œuvre und Arbeiten auf Papier

Zum Jahresanfang widmet die Galerie Boisserée dem großen amerikanischen Maler und Graphiker Robert Motherwell eine umfangreiche Einzelausstellung. Über 70 graphische Arbeiten aus den letzten 20 Jahren seines Schaffens, ergänzt um einige Arbeiten auf Papier, bieten einen beeindruckenden Einblick in sein Werk.

„Das Einmalige, Unverwechselbare ist die Auszeichnung eines Künstlers und seiner Kunst, die Widerspiegelung seiner Individualität.“ (Frank Schablewski) Robert Motherwells Werke haben die Kunstgeschichte der Gegenwart geprägt.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit meist ganzseitigen farbigen Abbildungen aller Exponate und einem Text von Frank Schablewski. Er wird zu Euro 10 im Inland versandfrei zugeschickt.

Ausstellung vom 25. Januar – 4. März 2017

Eröffnung am Mittwoch, den 25. Januar 2015 um 18:30 Uhr
2016/11/26
Georges Braque und Pablo Picasso

Zwei Bildwelten
Arbeiten aus dem graphischen Œuvre


„Wie Mond und Sonne waren sie gewesen. Mild der eine – strahlend der andere“
(Daniel-Henry Kahnweiler)


Braque und Picasso – mit ihren unterschiedlichen Temperamenten – verbindet der Kubismus, als deren Begründer sie gelten und in dessen Zeit sie nicht nur stilistisch sehr ähnlich gearbeitet haben, sondern auch befreundet waren: der stille, reflektierende, 1882 in Argenteuil-sur-Seine geborene Franzose Georges Braque und der impulsive, spontane, 1881 in Málaga geborene Spanier Pablo Picasso. Doch bereits im ersten Weltkrieg nimmt ihre Malerei eine recht unterschiedliche Entwicklung. Das, was die Künstler weiterhin gemeinsam haben, ist ihre große Liebe zur Graphik und – aus dieser resultierend – ihr viel beachtetes graphisches Œuvre, welches sie in ganz unterschiedlichen Bildwelten geschaffen haben. Die Ausstellung versucht, diese Bildwelten mit ausgesuchten graphischen Arbeiten nachzuzeichnen.

Von Braque wird vornehmlich das graphische Spätwerk nach dem 2. Weltkrieg vorgestellt, das sich der klassischen graphischen Drucktechniken wie Radierung, Lithographie und Holzschnitt bedient. Braque lässt in seinen Blättern alles Nebensächliche weg und schafft mit seinen Graphiken ein sinnenhaftes Er- und Begreifen der Wirklichkeit. Gerade die Selbstverständlichkeit, mit der er in zunehmender Abstraktion Stillleben, Vogeldarstellungen oder Motive der griechischen Mythologie kraftvoll umsetzt, zeichnet sein spätes graphisches Schaffen aus. Dessen Betrachtung macht Harmonie, stilistische Sicherheit, Erfahrung, Klarheit, Würde und Weisheit eines großen „peintre-graveurs“ des 20. Jahrhunderts erfahrbar.
Sein handwerkliches Können im Umgang mit der Radiertechnik, der Aquatintaradierung, dem Holzschnitt und der Farblithographie, aber auch seine Kreativität in der Anwendung ungewohnter Techniken (z.B. die nachträgliche Verformung einer Lithographie durch eine speziell dafür geschaffene Prägeplatte, Kat. Nr. 54) unterstreichen die faszinierende Wirkung, die von seinen Blättern ausgeht. Seine meist farbigen Graphiken wirken im Gegensatz zu den Arbeiten von Picasso nicht spontan entstanden, sondern eher konstruiert und geplant. 1960 wird die erste vollständige graphische Retrospektive in Genf und danach in der Bibliothèque nationale de France in Paris gezeigt, drei Jahre danach stirbt Georges Braque am 31. August in seiner Pariser Wohnung.


Kaum ein Maler des 20. Jahrhunderts hat die Graphik als künstlerisches Medium mehr geschätzt als Pablo Picasso. Seine Liebe zur Radierung, zur Lithographie oder zum Linolschnitt drückt sich in seinem umfangreichen graphischen Œuvre aus. Im Gegensatz zu Braque schafft es Picasso,
die Spontanität und Impulsivität seines Charakters in sein graphisches Œuvre einfließen zu lassen (z.B. Kat. Nrn. 14 und 40). Das direkte Zeichnen mit der Nadel im Wachs, der auf der zu ätzenden Kupferplatte liegt, oder mit der Lithotusche auf der Steinplatte, bewirkt Lebendigkeit, Unmittelbarkeit und Authentizität.

Schwerpunkt der ausgestellten Arbeiten sind Lithographien, die Picasso unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg zusammen mit den Brüdern Mourlot schuf. Darunter finden sich verschiedenste Themenkreise wie der weibliche Akt, Porträts, Liebespaare, Stillleben, Stierkampf, Vögel und Tiere, Faune und Fabelwesen.

Als Besonderheit für den bibliophilen Sammler werden zwei kostbare, illustrierte Bücher von Picasso ausgestellt: ein vollständiges Exemplar der "La Tauromaquia o Arte de torear", Picassos schönstem Buch zum Stierkampf mit insgesamt 26 Aquatintaradierungen (Kat. Nr. 50), und "El entierro del Conde de Orgaz", einem Buch mit 12 Radierungen aus dem graphischen Spätwerk, das zum 88. Geburtstag des Künstlers am 25. Oktober 1969 erschien (Kat. Nr. 79).

Begleitend zu der Ausstellung liegen ein kleiner illustrierter Katalog mit allen Exponaten vor, außerdem die gebundenen Kataloge (Hardcover) der letzten beiden Einzelausstellungen von Braque und Picasso in der der Städtischen Galerie/Paderborn, Schloss Neuhaus.

2016/09/02
Jan Voss
Arbeiten auf Leinwand und Papier

Ausstellung vom 2. September – 22. Oktober 2016
Eröffnung am Freitag, 2. September um 18.30 Uhr in Anwesenheit des Künstlers

Jan Voss ist gebürtiger Hamburger und lebt seit 1960 in Paris, was dazu geführt hat, dass er in der zeitgenössischen französischen Kunstszene wesentlich präsenter ist als in der deutschen. Über Jahrzehnte hat er sich in ganz unterschiedlichen Werkgruppen als auch Medien mit Ordnung und Chaos, Aufbau und Zerfall eines in der Schwebe befindlichen Zustandes auseinandergesetzt, vergleichbar mit unserem alltäglichen Leben als vielschichtiger manchmal auch chaotisch wirkender Zeitverlauf. Dieser Zustand ist in unserer heutigen medialen Zeit überhäuft von einer Summe von Zeichen, die wir tagtäglich aufzunehmen und zu verarbeiten haben – und die in seiner Kunst ebenfalls eine große Rolle spielen.

Sein künstlerisches Werk wird in der im letzten Jahr von Anne Tronche verfassten Monographie gewürdigt und auf über 300 Seiten mit meist farbigen Abbildungen chronologisch vorgestellt. Das Buch begleitet die Ausstellung und vermittelt einen Überblick über die künstlerische Entwicklung des Gesamtwerks von Jan Voss, beginnend bei den ersten Zeichnungen und Leinwänden aus den frühen 60er Jahren bis hin zu den aktuellen Arbeiten der letzten fünf Jahre, denen sich die Kölner Ausstellung widmet. Das Buch beinhaltet ebenso zahlreiche Fotos mit den Jan Voss in den 60er Jahren umgebenden Künstlern (darunter z.B. Christo, Niki de Sainte Phalle oder Tinguely).

Die in den letzten Jahren entstandenen Leinwände und Papierarbeiten von Jan Voss wirken jung, spontan und sind von einer intensiven und kraftvollen Farbigkeit gekennzeichnet. Zitat Jan Voss: "Die Farbe ist das Physische des Bildes, zugleich aber auch sein Geist und seine Seele... " Geist und Seele eines erfahrenen und kein bisschen müde gewordenen Malers manifestieren sich in bis zu drei Meter großen Leinwänden und scheinen einen neuen Höhepunkt in seiner Malerei anzukündigen.

Neben den Leinwänden widmet sich die Ausstellung auch seinen oft dreidimensional anmutenden
Collagen oder Objekten aus bemaltem Papier oder Karton. Die Arbeiten aus der Werkgruppe "Figurant" haben eine eher konstruktive Anmutung und setzen sich mit dem immer wiederkehrenden Thema von Gleichgewicht und Balance auseinander; ebenso die wesentlich sensibler wirkenden Papierarbeiten aus der Werkgruppe "Site", die aus Resten verworfener Aquarelle durch Zusammenschnüren mit einem kaum sichtbaren Faden entstanden sind.


Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit farbigen Abbildungen aller Exponate.
Er wird zu Euro 10 im Inland versandfrei zugeschickt.

Besondere Öffnungszeiten zu den "DÜSSELDORF COLOGNE OPEN GALLERIES 2016":
Freitag 2.9. 10–22 Uhr, Samstag 3.9. 10–20 Uhr und Sonntag 4.9. 12–18 Uhr
2016/06/08
Made in Britain - Michael Craig-Martin, David Hockney, Patrick Hughes und Julian Opie

Gemeinsam ist den ausgestellten Arbeiten die unmittelbare Präsenz. Alles ist einfach und lesbar geordnet und steckt voller komplexer Wechselwirkung zwischen Realität und Illusion. Die Bilder begreifen das Wesen der Dinge und Figuren in ihrer einfachsten Form und eignen sich dennoch nicht, einfache Aussagen über unsere Gegenwart zu machen. Und immer wieder bleibt es dem Betrachter vorbehalten, das im Werk Angelegte zu ergänzen und zu vollenden. Es ist ein Wechselspiel von Wahrgenommenem und eigener Erfahrung und auch Aufforderung, das Vorgefundene um das Dazu-Gedachte zu erweitern.

Michael Craig-Martin, 1941 in Dublin geboren, ist einer der wichtigsten Künstler der englischen und irischen Kunstszene. Er entschied sich, reale Objekte zum Gegenstand seiner Kunst zu machen. Es handelt sich um schlichte Anordnungen alltäglicher Gegenstände, die in der Absicht ausgesucht wurden, über eindimensionale Interpretationen hinauszugehen. In seinem Werk finden sich immer wieder auch Bezüge zu Designobjekten und kunsthistorischen Vorlagen. Die in der Ausstellung gezeigte Computeranimation "Deconstructing Seurat" zeigt Georges Seurats "Badende bei Asnières" (1884). Durch seine bildnerische Methode verdichtet Craig-Martin Seurats Dualität von Linie und Farbe und reduziert das Abbild auf die Umrisslinie und eine monochrome Farbgebung. In den graphischen Folgen "Art & Design" und "Objects of our time" sind in einfacher Linienführung (seinem Markenzeichen) und Popart-Farben Designklassiker, Kunstwerke und Alltagsgegenstände zu sehen.

David Hockney zählt zu den einflussreichsten europäischen Künstlern der Gegenwart. Berühmt wurde er vor allem durch seine "Swimming Pool"-Gemälde der 1960er Jahre, seine einfühlsamen Porträts von Freunden und seiner Eltern, seine Stillleben oder Landschaftsbilder, seine Fotocollagen und Bühnenbilder. Die Landschaftsmalerei, eher ein Stiefkind der Gegenwartskunst, ist in den zurückliegenden Jahren geradezu ins Zentrum seines Schaffens gerückt, wie eine bemerkenswerte Ausstellung im Museum Ludwig Köln zeigte. Was auf den Besucher einstürmte, war ein wahres Farbenfestival. Hockney war stets für neue Techniken aufgeschlossen. Früh verwendete er für seine Arbeit Polaroid-Bilder oder nutzte Farbkopierer und Faxgeräte. Neben der traditionellen Malerei experimentiert er seit Jahren mit Bildschirm-Zeichnungen. Mit iPhone und iPad schafft er Bilder, die eine starke, farbige Lebendigkeit ausstrahlen. Die großformatigen tintenstrahlgedruckten Computerzeichnungen der Ausstellung belegen dies. Die "Lillies" (Farblithographie von 1971) und die anderen druckgraphischen Arbeiten zeigen wie meisterhaft er die druckgraphischen Techniken beherrscht.


Wahrnehmung von Illusion und Wirklichkeit ist ein Hauptthema der Kunst von Patrick Hughes. Als Maler des Paradoxen hat sich der englische Künstler, 1939 in Birmingham geboren, einen internationalen Ruf geschaffen.

Seine gemalten Reliefs sind "sich bewegende" Bilder, die die umgekehrte Perspektive ("Reverspective") als Mittel einsetzen. In illusionistischen Kompositionen konfrontiert er den Betrachter mit dem Spiel sich ständig verändernder Perspektiven. Die Umkehrung der herkömmlichen soll dem Betrachter zeigen, wie festgefahren unsere Sehgewohnheiten sind - die perspektivische Prägung des Menschen ist so stark, dass sie alle anderen Raumerfahrungen negiert.

Patrick Hughes' Methoden erscheinen paradox und sind dabei dennoch von bestechender Konsequenz. Seine Werke sollen überraschen, irritieren und anregen, nachzudenken; das Bewusstsein für Raum und Bewegung sensibilisieren.

Die bevorzugten Motive seiner Gemälde und Multiples sind Architekturansichten, wobei eine Vorliebe für Gemäldegalerien und Kombinationen von Türen und Landschaftsansichten zu erkennen ist. Neben den auf Holz gemalten Unikaten gibt es in der Galerie zahlreiche Multiples zu sehen.

Julian Opie, 1958 in London geboren, gehört seit fast drei Jahrzehnten zu den bedeutendsten Vertretern der englischen Gegenwartskunst. Opies unverkennbare Bildsprache besteht in der Reduktion individueller Merkmale der menschlichen Figur auf wenige Linien. Das Subjekt wird auf charakteristische Eigenarten der Physiognomie reduziert. "Für jede Person, die ich zeichne, versuche ich ein universelles Symbol zu schaffen", prägnanter hätte Julian Opie das eigene Schaffen nicht charakterisieren können. In seinen Arbeiten lotet er ganz bewusst die Grenzen der Stilisierung aus, was vor allem in den "bewegten" Lentikularobjekten deutlich wird. Hier werden hoch aufgelöste Bilder im Rechner in einem komplexen Prozess miteinander kombiniert. Die so erzeugte Bildstruktur wird nun mit extrem hoher Passgenauigkeit spiegelverkehrt von hinten auf das Lentikularmaterial gedruckt. In seinen neuen Arbeiten bringt Opie in diese reduzierten Personendarstellungen als neues Moment die Bewegung ein. Hierfür arbeitet er mit Flachbildschirmen oder Displays, auf denen die computergesteuerten Animationen eine permanente fließende Bewegung zeigen. Ein surrealistischer Effekt ergibt sich aus der Raumlosigkeit der Darstellung, die als einzigen räumlichen Bezug die Einfassung der Displays hat. In der Ausstellungen sind Farbsiebdrucke, Lentikularobjekte, Tintenstrahldrucke, ein C-print auf Kunststofffolie sowie Computeranimationen zu sehen.

In all den in der Ausstellung gezeigten Arbeiten vereinen sich meisterhafte Perfektion und technisches Können sowie der Genuss des Sehens, des Wissens und des Denkens.

2016/04/14
Max Neumann (geb. 1949 in Saarbrücken)
– Arbeiten auf Leinwand und Papier
Eröffnung am Donnerstag, den 14.04.16 um 19 Uhr i.A.d.K
(anlässlich der ART COLOGNE bis 22 Uhr geöffnet)


Max Neumann
Arbeiten auf Leinwand und Papier

Max Neumann, 1949 in Saarbrücken geboren, studiert bildende Künste in Saarbrücken, Karlsruhe und in Berlin. Seinen Durchbruch gelang ihm in der Berliner Kunstszene Ende der 1970er Jahre. Auch außerhalb Deutschlands stößt sein Werk auf Interesse – davon zeugen zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in diversen Ländern, wie etwa in Frankreich, Spanien, Italien, in den USA oder in Japan.

Max Neumanns Bilder zeichnet eine mystische und zugleich kontemplative Grundstimmung aus. Sehr bewusst gibt Neumann seinen Bildern selten einen Titel: Nichts soll dem Betrachter als Vorlage für eine mögliche Interpretation dienen. Die auf den ersten Blick figurativen Bilder – deren Motiv-Repertoire aus bestimmten Formen, Figuren und Dingen, sich in seinem Gesamtwerk stets wiederholt – entziehen sich jedoch bei einer näheren Betrachtung einer „narrativen Bedeutung“(1). Charakteristisch für seine Arbeiten sind dabei vor allem seine anonymisierten, wie Schattenspiele wirkenden Menschen und Köpfe – oft ohne Nase, Augen oder Mund – wie sie in unserer Ausstellung in verschiedenen Versionen zu sehen sind. Dieses 'Dunkle', das Neumanns Bilder ausmacht, wird jedoch weniger durch den Inhalt oder deren Sinn(gehalt) evoziert, sondern vielmehr durch das „WIE“(2), das heißt durch die Technik, die Form und die Komposition der Bilder.

Eine wesentliche Rolle spielt dabei auch die Wahl der meist gedeckten Farben: Schwarz, Beige, Ocker, Braun, Grau, oft ein dunkles, aggressives Rot und manchmal ein stumpfes Grün. Insbesondere das Schwarz ist in fast allen seinen Werken präsent. Ein „tiefes und üppiges Schwarz, unverständlich und beruhigend zugleich. […] Versteht man die Schwärze richtig, so erfasst man sehr viel leichter die Ambiguität eines Universums, in dem in der Zärtlichkeit Kraft steckt, in der Angst ein Lachen, in der Düsternis Poesie.“(3) In seinen neueren Arbeiten mischt sich unter dieser Schwerfälligkeit eine ausgleichende Leichtigkeit, die sich insbesondere durch die Wahl der Farben und des Farbauftrages kenntlich macht. Hier finden wir z.B. ein helles Blau, leichtes Rosa, helle Grüntöne, Flieder oder ein blasses Gelb – alle samt nahezu transparent aufgetragen. Sie stehen im Kontrast zu den noch immer präsenten und dominierenden dunklen Tönen, die eine melancholische Stimmung auslösen.

Bestimmend für die Wirkung seiner Bilder ist zudem der gewählte Bildaufbau, in dem die Zuordnung der Farbflächen, Figuren und Formen zueinander ein Gleichgewicht erzeugen. Max Neumann tastet sich im Schaffensprozess zunächst völlig unbedarft an die Leinwand ran; er lässt sich von der wässrig aufgetragenen Farbe leiten und die Hand ihren Weg finden. Erst wenn eine erste klare Linie zu erkennen ist, setzt der intellektuelle und bewusste Prozess ein, der zu jenem Gleichgewicht führt.(4) Diese Ausgewogenheit in der Komposition steht im Kontrast zu der Unruhe in der Oberfläche, die zuweilen partiell schraffiert oder gerastert ist.

Durch diese Gegensätze in Form, Farbe, Bildaufbau und Oberflächengestaltung wirken die Bilder oft ambivalent, zugleich ruhig und unruhig, zart und kräftig. In dieser Schwierigkeit sie zu ‚fassen’, sie zu interpretieren, liegt eben auch ihr Reiz und ihre Stärke, denn wie Joachim Sartorius konstatiert, werden sie zu „inneren Orten“(5), in denen jeder Betrachter durch seine eigene Deutung sein eigenes Ich wiedererkennt. In diesem 'WIE' steckt aber eben auch die Tiefe, das Intellektuelle, die Dichtung und die Musik, die Max Neumann in sich aufgezogen hat und in seinen Bildern verarbeitet, und die seinen Werken dieses spürbare Kontemplative geben.

Die Ausstellung zeigt insgesamt ca. 25 Arbeiten auf Leinwand und Papier, überwiegend aus den letzten Jahren. Einige frühere Arbeiten aus den Jahren 2004-2005 machen die oben beschriebene Entwicklung der Farbgestaltung deutlich. Und auch Neumanns Intention, seinen Bildern jegliche Interpretationsgrundlage zu entziehen, wird in dieser Ausstellung eingelöst: Keine der hier gezeigten Werke haben Titel. Sie laden dazu ein, in sie einzutauchen und mit ihnen in einen Dialog zu treten.

(1), (2), (3) (4) Heinz Peter Schwerfel: „Max und die Seelenwanderer“, in: Carnets de Voyage, "Max Neumann, Peintures et gravures", Maeght Editeur, Paris 1995; zu (2) Vgl. auch Joachim Sartorius, "Engführung, Intensität - Zu neuen Werken von Max Neumann", in: catalogue "Max Neumann - Peintures et Dessins", Musée d´Ixelles, Brussels 2004
(5) Sartorius, Joachim: „Die inneren Orte des Max Neumann“, in: Ausstellungskatalog „Max Neuman“ der Fundación Antonio Pérez/ Diputación de Cuenca, Cuenca 2010
2016/04/14
Joan Miró (Barcelona 1893 – 1983 Palma de Mallorca) Bronzeplastiken und Arbeiten auf Papier (im Studio)
2016/01/30
Georg Baselitz (geb. 1938 in Deutschbaselitz)
Arbeiten aus dem graphischen Œuvre und Arbeiten auf Papier

Georg Baselitz gehört zu den großen „peintres-graveurs“ der zeitgenössischen Kunst. Zum Jahresanfang widmet ihm die Galerie Boisserée eine umfangreiche Ausstellung mit über 50 graphischen Arbeiten aus den letzten 25 Jahren, ergänzt durch einige Arbeiten auf Papier.

Georg Baselitz, am 23.1.1938 in Deutschbaselitz geboren (eigentlich Hans-Georg Kern, seit 1961 Georg Baselitz), lebt heute am Ammersee und in Salzburg. Sein Studium in der DDR muss wegen „gesellschaftlicher Unreife“ bereits nach zwei Semestern abgebrochen werden. 1957 setzt er es in Westberlin, wohin er 1958 auch endgültig umzieht, bei Hann Trier fort.
Schon früh sucht Baselitz nach einem eigenen Auftritt. Er gilt als eigenwilliger und radikaler Künstler, als unbequemer Zeitgenosse von großer Singularität, der Disharmonie liebt und mit Konventionen bricht – ein Rebell, der provozieren will. Bereits im Jahr 1972 kennzeichnet ihn Herbert Peé als „eigensinnigen, zu Zeiten schwerflüssigen Mann, der mit ungeheurer Intensität seine Aussagen hervorbringt und aus einer extremen Außenseiterposition auf den ihm zukommenden Platz in der neueren deutschen Kunst vorrückt“(1).

Bereits im Jahr 1962/63 führt sein Bild „Die große Nacht im Eimer“, welches einen masturbierenden Jungen darstellt, im Museum Ludwig in Köln zu einem Eklat. 1969 entsteht sein erstes Bild in der Motivumkehr „Der Wald auf dem Kopf“. Ab den 1970er Jahren wird er mit seinen „umgekehrten Bildern“ weltweit bekannt. Seine Arbeiten befinden sich heute in zahlreichen internationalen Sammlungen.

Durch die Inversion seiner Motive befreit er den Gegenstand von seiner ursprünglichen Wertigkeit und nimmt dem Bild den konventionell gedachten Inhalt. Zudem befreit er sich von der Abhängigkeit des Motivs, um sich auf das Erarbeiten autonomer bildnerischer Systeme einer gegenstandslosen Malerei konzentrieren zu können. Baselitz erklärt mit seiner Kunst seine „Haltung gegenüber seiner Zeit, der Gesellschaft und der übrigen ihn umgebenden zeitgenössischen Kunst“(2). Seine Kunst entspringt einer intellektuellen Analyse, sie ist energiegeladen, aber weder expressiv noch illustrativ. Seine Motive haben meist biographische Bezüge.

Baselitz gilt als leidenschaftlicher Graphiker, dem es fern liegt, bereits formulierte Bildideen graphisch zu reproduzieren. Vielmehr will er in seinem graphischen Œuvre mit den verschiedenen Techniken des Hoch- und Tiefdrucks schöpferisch experimentieren. Mit seinen Radierungen, Kaltnadelarbeiten sowie den Holz- und Linolschnitten auf Papier erreicht er eine ganz eigene Materialität und Oberflächenpräsenz, die sein graphisches Œuvre auszeichnen.
Museale Einzelausstellungen widmen sich nur selten ausschließlich dem druckgraphischen Werk eines zeitgenössischen Künstlers. Bereits 1979 zeigte Siegfried Gohr in der Kölner Kunsthalle die zwischen 1977 und 1979 entstandenen großformatigen Linolschnitte. Im Jahr 2008 zeigte die Pinakothek der Moderne, München, die Druckgraphiken von Baselitz aus den Jahren 1964 bis 1983.
Gerade die Radierungen von Georg Baselitz sind vergleichbar mit Selbstbeschreibungen oder Selbstreflexion – wie Tagebuchblätter, aber nicht geschrieben, sondern direkt in die Kupferplatte oder in den Wachsgrund gezeichnet. Bei der Graphik wird die Bildfindung durch den graphischen Prozess, das Einbringen der Zeichnung in die Druckplatte, bedingt durch den Widerstand des Druckträgers (Holz, Kupfer oder Linoleum) verlangsamt. Das führt dazu, dass der Prozess des Malens als Erfahrung lesbar wird. Das Ergebnis der Arbeit kann erst nach dem Druck begutachtet werden.

(1) (2): Siegfried Gohr: „Georg Baselitz, Druckgraphik, Prints, Estampes 1963 – 1983“, erschienen 1984 im Prestel-Verlag München

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit meist ganzseitigen farbigen Abbildungen aller Exponate und einem Text von Heinrich Heil. Er wird zu Euro 10 im Inland versandfrei zugeschickt.

Ausstellung vom 30. Januar – 19. März 2016

Eröffnung am Samstag, den 30. Januar 2015 um 11 Uhr.
Es spricht: Dr. Fritz Emslander, stellv. Direktor und Leiter Grafische Sammlung Museum Morsbroich Leverkusen
2015/12/12
IAN DAVENPORT

GREY LAVENDER | YELLOW ORANGE | BLUE PINK | PURPLE GREEN
Studioausstellung vom 12. Dezember 2015 bis 23. Januar 2016

1966 in Kent geboren, studierte Ian Davenport u.a. am Goldsmith College of Art in London, wurde 1991 für den Turner Prize nominiert und nahm an der gleichnamigen Ausstellung in der Tate Gallery London teil. Sein Werk wird seitdem in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert und ist im In- und Ausland in öffentlichen Sammlungen wie dem Arts Council of Great Britain, London; dem Dallas Museums of Art, Texas; der Tate Gallery London; der Werkkunst Collection Zürich; dem Von der Heydt Museum, Wuppertal etc. vertreten.

Sein Markenzeichen sind seine „Poured Lines“ und „Puddle Paintings“ (Pfützenbilder), mit denen er international erfolgreich wurde und seine künstlerische Eigenständigkeit entwickelte. Internationale Aufmerksamkeit fand seine 50 Meter lange Farbwand „Poured Lines“ unter einer Eisenbahnbrücke im Süden Londons.

Auf der Suche nach einer neuen künstlerischen Richtung beobachtete Davenport eines Tages fasziniert das Fließen eines Farbtropfens. Die Schwerkraft, die ihn abwärts fließen lässt, und die Zufälligkeit des Weges, den er sich bahnt, inspirierten Davenport, damit zu experimentieren.

Davenport trägt die Farben mit einer Spritze am oberen Bildrand auf und lässt sie auf dünnen Stahlblechen abwärts fließen. Anfangs lässt er die Tropfen sich ihren Weg selbst suchen. Es entstehen unregelmäßige Linien, der Tropfen bewegt sich leicht kurvig nach unten, der Zufall bestimmt das Bild. Dann beginnt Davenport die Bahnen des Tropfens zu lenken. Sie werden gerader, linear. Die frühe Zufälligkeit verschwindet mehr und mehr.

Für die „Puddle Paintings“ unterbricht er den Fluss der Farbe, indem er den unteren Teil der Blechplatte zu einer waagerechten Ebene biegt, auf der die Farbenlinien zu „Pfützen“ auslaufen.

Die 4 ausgestellten großformatigen druckgraphischen Arbeiten gehören zu den aufwendigen Farbradierungen. Um den Fluss der Farben auf die Kupferplatten zu bringen, malt er Studien, die er fotografiert. Auf Grundlage der digitalisierten Fotos entstehen die Druckvorlagen. Eine für die Farbbahnen 1, 4, 7; eine mit den Farblinien 2, 5, 8 und die dritte mit den Farbreihen 3, 6, 9 usw. Die Druckplatten werden nacheinander abgezogen. Arbeiten mit exakten, überschneidungsfreien Druckbildern kontrastieren mit solchen mit weichen, malerischen Übergängen.

Im Studio der Galerie ist die oben abgebildete komplette Folge der 4 großformatigen Duplex Farbradierungen GREY LAVENDER | YELLOW ORANGE | BLUE PINK | PURPLE GREEN, jeweils 116 x 112,5 cm, aus dem Jahr 2014 bis zum 23. Januar 2016 ausgestellt.
2015/10/28
"Hommage à Gerhard F. Reinz"
(12. November 1930 Berlin – 24. Mai 2013 Warendorf)
Ausstellung zum 85. Geburtstag


Selten widmet eine Galerie einem verstorbenen Kollegen eine Ausstellung. Die Kölner Galeristen Johannes Schilling und Thomas Weber machen hier eine Ausnahme, indem sie mit einer Ausstellung an ihren verstorbenen Kölner Kollegen Gerhard F. Reinz erinnern, der am 12. November dieses Jahres 85 Jahre alt geworden wäre.
4 Jahre nachdem die Galerie Boisserée ihre jetzigen Räume in der Kölner Drususgasse bezogen hatte, eröffnete Gerhard F. Reinz 1959 seine Galerie in Köln, die er unter dem Namen Galerie Orangerie-Reinz 54 Jahre mit großem Erfolg führte. Der 1930 geborene Berliner glänzte in dieser Zeit mit seinen viel beachtetem Ausstellungen und Katalogen sowie seinen Messeständen auf den internationalen Kunstmessen im In- und Ausland. Seine Liebe und sein großes Engagement für die Druckgraphik, seine profunde kunsthändlerische Arbeit im Bereich der Kunst nach 1945, sein Einsatz für zeitgenössische Künstler wie Alain Clément, Dietrich Klinge oder Walter Stöhrer sowie sein einzigartiges berufspolitisches Engagement haben ihn als kompetente und liebenswerte Persönlichkeit des deutschen Kunsthandels für viele unvergesslich werden lassen.

Für die Galerie Boisserée und ihre Galeristen Johannes Schilling und Thomas Weber als nachfolgende Generationen, war Gerhard F. Reinz in vielen Dingen Vorbild und Ansporn zugleich. Es gab nicht nur viele Überschneidungen in der Kunst nach 1945, sondern beide Galerien entwickelten sich zu den wichtigsten Ansprechpartnern für Originalgraphik in Deutschland. Dieses Miteinander, welches trotz der unterschiedlichen Generationen im Fachlichen, Menschlichen und Berufspolitischen einen positiven bleibenden Eindruck hinterlassen hat, hat den Anstoß gegeben, eine Ausstellung als „Hommage à Gerhard F. Reinz“ mit den Künstlern zu konzipieren, für die er sich jahrzehntelang eingesetzt hat. Die Liste der Exponate beginnt bei Max Ackermann (1887 – 1975) und endet bei Fred Thieler (1916 – 1999). Viele Werke stammen unmittelbar aus dem Nachlass des verstorbenen Kölner Galeristen, die Ausstellung wurde von ausgesuchten Exponaten aus den Beständen der Galerie Boisserée ergänzt.

Highlights dieser ausgefallenen Ausstellung sind Leinwände von Ernst Wilhelm Nay ("Chorisch Grau", 1960 und ohne Titel, 1934/35), Emil Schumacher ("Ankh", 1987) und Antoni Tàpies ("Mocador negre", 2008), des Weiteren ein kleines Ölbild von Willi Baumeister („Formen auf Grün“, 1949) sowie eine Tuschezeichnung von Pablo Picasso ("Les masques", 1954). Der Besucher stößt zudem auf zahlreiche ausgesuchte Arbeiten auf Papier u.a. von Max Ackermann, Fernando Botero, Eduardo Chillida, Salvador Dalí, Max Ernst, Hans Hartung, Marino Marini, Joan Miró, Ernst Wilhelm Nay, Emil Schumacher und Fred Thieler. Zu den zeitgenössischen Künstlern, die Gerhard F. Reinz in Köln vertreten hat, gehören Walter Stöhrer, vertreten mit einer großformatigen Leinwand aus den 1970er Jahren ("Janusköpfig"). Der in Südfrankreich lebende Maler Alain Clément ist mit Papierarbeiten, Skulpturen und Leinwänden vertreten, der 1954 in Heiligenstadt geborene süddeutsche Bildhauer Dietrich Klinge zeigt Bronzeskulpturen aus den letzten 6 Jahren. Beide Künstler wollen zur Eröffnung der Ausstellung kommen.
Ausgesuchte graphische Arbeiten u.a. von Braque, Chagall, Dalí, Miró, Poliakoff, Tàpies und Picasso runden die Ausstellung ab, die mit ihren (allen) verkäuflichen Exponaten einen breit gefächerten Eindruck von der Arbeit einer der großen Persönlichkeiten des deutschen Kunsthandels vermittelt.

Alle Exponate sind in einem farbigen, 156 Seiten umfassenden Ausstellungskatalog, der zum Preis von Euro 15 (inklusive Versand) bestellt werden kann, meist ganzseitig abgebildet. Ebenfalls können sie zeitgleich zur Ausstellung auf der Homepage der Galerie Boisserée angesehen werden.


Ausstellung vom 28. Oktober bis 23. Dezember 2015
Die Eröffnung der Ausstellung findet am Mittwoch, den 28. Oktober 2015 um 18.30 Uhr statt.
2015/09/04
Zwei Ausstellungen anlässlich der Düsseldorf Cologne Open Galleries 2015
vom 4. September bis 17.Oktober 2015


Franziskus Wendels – "ZEITNAH" – Neue Arbeiten

"Ahnung zu haben, scheint mir ein sehr wichtiger Aspekt unseres Lebens zu sein. Darin steckt die Offenheit für Neues, eine Neugier für das, was unsere bisherige Erfahrung übersteigt. Das Nähren von Ahnungen ist vielleicht die vornehmste Aufgabe der Kunst."
Franziskus Wendels

Zeitnah zu einer Präsentation in der Neuen Galerie des Osthaus Museums Hagen vom 12.11.15–10.01.16, zu der auch ein neuer Katalog erscheint, zeigt die Galerie Boisserée neue Arbeiten auf Leinwand aus den letzten Jahren. Deren Unschärfe evoziert Geheimnisvolles, das Gegenständliche des Bildes wird nur angedeutet und vieles der dargestellten Thematik bleibt offen. Eine Bildaussage kann zwischen Klarheit und Eindeutigkeit des gegenständlichen Inhaltes und deren vollkommenen Auflösung in der Abstraktion angesiedelt werden. Wendels große Aufmerksamkeit gilt dem Licht im (meist) urbanen Umfeld. Zwangsläufig werden die Nacht und der dunkle Raum, in denen das Licht erst Gegenständliches erfahrbar macht, zum zentralen Thema seiner Bilder. Die Arbeiten in der aktuellen Ausstellung beschreiben sowohl den Außenraum, die nächtliche Landschaft oder Stadtlandschaft, als auch den Innenraum, zum Teil mit Blick nach draußen oder von draußen nach innen. Die Kombination von Unschärfe und nächtlicher Lichtsituation kommt der Erinnerung an einen flüchtigen Moment nahe, gleich einem Bruchteil einer Geschichte, deren weiterer Verlauf offen bleibt. Es bleibt dem Betrachter überlassen, die Geschichte zu deuten, welche das Bild und dessen Titel ihm vorgibt.

Zur Ausstellung liegt ein neuer Katalog mit ca. 96 Seiten und meist farbigen Abbildungen sowie einem Text von Tayfun Belgin, Direktor am Osthaus Museums Hagen, vor, zu Euro 15. Er vermittelt einen repräsentativen Überblick über das derzeitige künstlerische Schaffen von Franziskus Wendels und enthält neben einer kurzen Biographie eine Übersicht über wichtige Einzelausstellungen oder Ausstellungsbeteiligungen des Künstlers.


Jannis Kounellis – Multiples (Ausstellung im Studio)
"Ich bin ein Maler, der nicht malt."
Jannis Kounellis

Ein alter schwarzer Mantel, ein Fleischermesser, Jutesäcke, eine schwarze Nähmaschine, alte Zeitungen, Kohlebrocken, Stahl, schwarze Schuhe, ein Kreuz, eine Mandoline und schwarz gedruckte Lithographien ... sind Materialien, mit denen Jannis Kounellis seine namenlosen Objektkästen bestückt, die die Galerie Boisserée in einer kleinen Studioausstellung zeigt.

Kounellis ist eine Schlüsselfigur der zeitgenössischen Modernen. 1936 in Piraeus, dem Hafenviertel von Athen, geboren, ging er 20-jährig nach Rom, um Künstler zu werden und blieb. Er studierte an der Accademia di Belle Arti in Rom. Seit 1960 stellt er international aus, nahm 1972, 1977 und 1982 an der documenta in Kassel sowie mehrfach an der Biennale in Venedig teil. Von 1993 bis 2001 war er Professor an der Kunsthochschule Düsseldorf. Weltweit ist er in renommierten Museen und Sammlungen vertreten.

Als Mitbegründer der italienischen Arte Povera, einer Bewegung, die auf die wachsende Technisierung der 1960er Jahre reagierte, benutzt er für seine Kunst gewöhnliche Dinge des Alltags und der Natur: Eisen, Blei- und Stahlplatten, Öllampen, Holz, Kohlebrocken, Steine, Stoffe, Seile, Erde, ausgediente, achtlos liegengelassene Alltagsgegenstände, abgewetzte Jutesäcke - „Es sind immer benutzte Säcke, schmutzig, staubig, löchrig und mit Öl verschmiert tragen sie die Spuren einer weiten Reise mit sich.“ (Andreas Hoffer, Essl Museum - Kunst der Gegenwart Jannis Kounellis) - und manchmal auch Tiere, wie in der Ausstellung „12 Lebende Pferde“ der Galleria L’Attico, Rom 1969. Immer sind es erst einmal kunstferne Materialien, Fundstücke, mit denen er außergewöhnliche Installationen und Assemblagen schafft. „Doch nicht alleine die Wirkung des Materials und der durch Kunst verfremdeten Zwecksetzung wird reflektiert, sondern das den Dingen und Materialien innewohnende Potential.“ (Ferdinand Ullrich, Jannis Kounellis – Kohle und Stahl, Feuer und Rauch). Kounellis gilt als geschichtsbewusster, intellektueller Künstler. Gegen die Konsumgesellschaft setzt er die Zeugnisse der Arbeit, und immer wieder wird bei ihm etwas vor dem Vergessen bewahrt. „Er sei ein Maler, der nicht malt, sagt Kounellis und unterstreicht damit seine Stellung zwischen den Gattungen und jenseits gattungsspezifischen Denkens.“ (ebd.)


Eröffnung am Freitag, den 4. September 2015 um 19 Uhr (in Anwesenheit von Franziskus Wendels)

Galerie Boisserée, Drususgasse 7-11, D - 50667 Köln
(Nähe Dom, WDR, Wallrafplatz und Museum für Angewandte Kunst)
Telefon: (+49) - (0)221 - 2578519, Telefax: (+49) - (0)221 - 2578550
galerie@boisseree.com, www.boisseree.com
DI-FR 10–18 Uhr, SA 11–15 Uhr, SO und MO geschlossen

Besondere Öffnungszeiten zu den DC-Open 2015:
Freitag, den 04.09. von 18–22 Uhr; Samstag, den 05.09. von 12–19 Uhr; Sonntag, den 06.09. von 12–18 Uhr
2015/05/06
BOISSERÉE GOES POP
Vom 06.05. – 13.06. 2015 zeigt die Galerie Boisserée in ihrer Ausstellung BOISSERÉE GOES POP vor allem Arbeiten der amerikanischen Pop Art Künstler Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Robert Indiana und Tom Wesselmann, des Weiteren einige Arbeiten der englischen Pop Art Künstler Richard Hamilton, Patrick Caulfied und David Hockney sowie in deren Nachfolge Arbeiten von Patrick Hughes und Julian Opie.
Coca Cola, Pepsi Cola, Marlboro, Brillo, Kellogg’s Cornflakes, Heinz Tomato Ketchup, Ford – die Warenwelt von damals ist uns immer noch vertraut. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung stieg auch die Kaufkraft in den westlichen Industrienationen, und die Werbebranche entwickelte sich zu einer finanzstarken Industrie. Dabei wurden nicht nur Produkte beworben, sondern auch der damit verbundene Lifestyle. Man vermarktete Emotionen und Wunschbilder. Wer dazu gehören wollte, musste konsumieren. Da viele der späteren Pop Art-Künstler vor ihrem Durchbruch bezeichnenderweise als Werbegrafiker, Reklamemaler oder Schaufenstergestalter arbeiteten, wussten sie um die Qualitäten populärer Sujets und die Möglichkeiten ihrer visuellen Darstellung. Konsequent verbanden sie Alltag und Kunst, durchschauten die Sehnsüchte und der Konsumtrieb der Menschen und die Macht der Medien.
Pop Art spiegelte das Lebensgefühl einer Epoche. Sie verbreitete sich über den gesamten Globus und stellte das konservative Kunstverständnis erneut auf den Kopf. Dem zunehmenden Hype um Produkte und Design, dem zunehmenden Warenfetischischmus setzten die Künstler ihre Auseinandersetzung mit den Chiffren und Symbolen ihrer Zeit entgegen. Einerseits griffen Sie triviale Motive auf, banale Alltagsformen, Bildformen der Konsumgesellschaft, kommerzielle Typographie, andererseits spiegeln die Arbeiten die kritische und ironische Auseinandersetzung mit der Konsumkultur, der Verwundbarkeit dieser scheinbar, perfekten, kalkulierten Wohlstandsgesellschaft, verweisen auf Probleme wie Kriege, Rassentrennung, Vereinsamung in den Großstädten, steigenden Drogenkonsum, mangelnde Individualität in der Massengesellschaft, den Starkult des Hollywoodkinos.
Schwerpunkt der Ausstellung bilden die Arbeiten Andy Warhols. Zu sehen sind u.a. die kompletten Folgen der 4 "Beethoven"-Farbvarianten sowie des Kölner Doms. Des Weiteren der "African Elephant" und der "Orangutan", aus dem Portfolio "Endangered Species" von 1983, der Farbsiebdruck "Vesuvius" von 1985 sowie ein blauer "Truck" aus der gleichnamigen Serie und ein gelber "Electric Chair". Schon zu Lebzeiten war Andy Warhol eine Legende. Er verkörperte den Star neuen Typs und war ein Virtuose der Selbstinszenierung. 1962 entstanden die ersten Serien mit "Campbells Suppendosen" und "Coca Cola Flaschen" sowie Siebdrucke mit dem Motiv der Dollarnoten, des Weiteren u.a. Porträts berühmter Persönlichkeiten und Selbstporträts. Aber kaum eines dieser Porträts entspricht den klassischen Vorbildern und Ansprüchen an das Thema. Sie sind vielmehr Werke der Inszenierung.
Roy Lichtenstein entwickelte bei seinen Kunstwerken eine Schwäche für den Archetyp schöne Frauen. Die in der Ausstellung gezeigte großformatige Arbeit "Reflections on Conversation"von 1990 lässt sich seinen sentimentalen Frauenbildern zuordnen. Die beiden Arbeiten aus dem Mappenwerk "La Nouvelle Chute de l’Amerique (The New Fall of America)" mit Gedichten Von Allen Ginsberg stammen aus dem Jahr 1992.
Robert Indianas "LOVE" zählt zu den bekanntesten Motiven der amerikanischen Pop-Art. Ursprünglich als Weihnachtskarte vom Museum of Modern Art in New York in Auftrag gegeben, avancierte die Darstellung zur Ikone 1960er Jahre. Inhaltlich reicht "LOVE" zurück in Indianas Kindheit, die geprägt war von der im 19. Jahrhundert von Mary Baker Eddy gegründeten "Christian-Science-Lehre". "God is Love" steht in jeder Kirche geschrieben. Diese besonders spezifische Form der amerikanischen Spiritualität, die Teil des besonders amerikanischen Milieus ist und letztlich die Quelle von "LOVE" wurde, hatte der Künstler in seiner Bedeutung immer unterstrichen. In der Ausstellung sind u.a. sowohl das komplette Mappenwerk "The Book of Love" mit 12 Gedichten und 12 farbigen Siebdrucken von 1996 zu sehen, als auch die vierteilige Arbeit "Four Panel Love", einer Folge von 4 Farbsiebdrucken von 1972.
Tom Wesselmanns Leitmotiv wurden Stillleben und weibliche Akte in sexueller Provokation. Die Serie der "American Nudes" datiert seit 1961. Akte oder auch nur Gesichter sind in Schlafzimmer oder Badezimmerinterieurs zu sehen. Kennzeichnend für seine Akte ist die verheißende Pose der Frauen, die sich genauso ungeniert anzubieten scheinen wie Dosenbier und Cornflakes. Sie bestehen in der Regel nur aus fleischfarben angelegten Körpersilhouetten, dem knallroten Kussmund, Brustwarzen, weißen Zähnen, plakativ eingesetzten Geschlechtsmerkmalen. Bei der in der Ausstellung zu sehende Arbeit "Embossed Nude # 1" handelt es sich um ein frühes (1965) serielles Unikat in einer Auflage von 27 Exemplaren.

2015/01/28
Ausstellung vom 28.01. - 07.03.2015
(über Karneval vom 12.-17.02.14 geschlossen)


Patrick Hughes
zum 75. Geburtstag
"Hughesual Perspective” – Malerei und Multiples

Der 1939 in Birmingham geborene Engländer Patrick Hughes ist in der zeitgenössischen Kunst zu einem Begriff für seine dreidimensionalen Bildobjekte geworden, mit denen er den Betrachter mit einer genialen optischen Irritation konfrontiert und sich mit dem zentralen Thema seiner Kunst auseinandersetzt, der Wahrnehmung von Illusion und Wirklichkeit.
In seinem künstlerischen Werk offenbart sich eine kreative, intellektuell und analytisch arbeitende Künstlerpersönlichkeit mit britischem Humor. Bereits 1978 verfasste Patrick Hughes zusammen mit George Brecht das Büchlein "Die Scheinwelt des Paradoxons - eine kommentierte Anthologie in Wort und Bild".

Anlässlich seines 75. Geburtstages zeigt die Galerie Boisserée zum vierten Mal eine Einzelausstellung in Köln. Der Titel der Ausstellung - "Hughesual Perspective" - ist ein Wortspiel, welches die Raumerfahrung andeutet, die den Betrachter erwartet. In seinen „sich bewegenden“ Bildern, die die umgekehrte Perspektive („reverspective“) als Mittel einsetzen, konfrontiert der Künstler den Betrachter in illusionistischen Kompositionen mit dem Spiel sich ständig verändernder Perspektiven. Mit der Umkehrung der Perspektive hält uns Patrick Hughes vor Augen, wie sehr unsere Wahrnehmung durch das perspektivische Sehen geprägt wird. Die bevorzugten Motive seiner Gemälde und Multiples sind Architekturansichten (wie z.B. "Venetian"), Gemäldegalerien (wie das neue Gemälde "Moving on Bauhaus" oder die Multiples "Picassos", "Moving", eine Hommage an René Magritte, oder "Handy", eine Hommage an die Pop Art) oder die Kombinationen von Türen und Landschaftsansichten (wie z.B. "Grand Tetons" oder "Shutters").

Die Bildobjekte von Patrick Hughes bestehen aus parallelen Dreiecken, deren „Spitzen“ dem Betrachter zugewandt sind. Frontal aus der Distanz betrachtet, vermitteln sie jedoch zunächst den Eindruck einer flachen Oberfläche. Sobald der Betrachter seine Position aber leicht verändert, verändert sich die räumliche Situation auf den Objekten und das Dargestellte scheint sich mit dem vorbeigehenden Betrachter zu bewegen. Diese desorientierende Wirkung der 3D-Arbeiten erzielt Patrick Hughes, indem er die in der Darstellung am weitesten entfernten Motive auf die dem Betrachter zugewandten „Spitzen“ der Dreiecke malt. Die räumliche Situation wird falsch eingeschätzt und es kommt zu Wahrnehmungsirritationen. Auch wenn der Betrachter die Täuschung bereits erkannt und verstanden hat, kann er sich der Täuschung nicht entziehen (das menschliche Auge ist (fast) nicht in der Lage, die räumliche Anordnung zu sehen. Und selbst bei wiederholter Betrachtung sieht man sie immer wieder mit Erstaunen: die Irritation der Wahrnehmung.

Die Kölner Ausstellung umfasst 11 auf Holz gemalte Bildobjekte aus den letzten Jahren (darunter 8 aktuelle Arbeiten aus 2014) sowie 33 seiner Multiples in Plexiglaskästen. Neben jüngst erschienenen
Editionen wie "Loving", eine Hommage an Robert Indiana, findet der Sammler auch zahlreiche frühere und inzwischen vergriffene Arbeiten wie "Arcadia", "Retroperspective", "Home", "Double Doors" oder "Andy", eine Hommage an Andy Warhol. Zur Ausstellung liegt der 2013 von der Galerie Boisserée publizierte Katalog „Structure of Space“ mit über 40 farbigen Abbildungen und einem Vorwort von Dr. Tayfun Belgin (Direktor Osthaus Museum Hagen) in deutscher Sprache (Euro 10) aus, zudem die von der Flowers Gallery/London im letzten Jahr in englischer Sprache verlegte Monographie „A New Perspective, Patric Hughes“ mit über 300 Abbildungen auf 240 Seiten (Euro 65). Vom 13.09. –15.11.15 zeigt das Osthaus Museum Hagen Arbeiten von Patrick Hughes zusammen mit einem Filmprojekt von Christoph Böll, welches sich ebenfalls mit dem Thema Wahrnehmung auseinandersetzt.


Galerie Boisserée, Drususgasse 7-11, D - 50667 Köln
(Nähe Dom, WDR, Wallrafplatz und Museum für Angewandte Kunst)
Telefon: 0221-2578519, Telefax: 0221-2578550
galerie@boisseree.com www.boisseree.com
SO und MO geschlossen, DI - FR 10–18 Uhr, SA 11–15 Uhr
2014/12/13
13.12.2014 - 17.01.2015
Arbeiten aus dem graphischen Œuvre von Pablo Picasso sowie Neuankäufe und ausgewählte Exponate aus den Beständen
2014/10/29


Pressetext zur honorarfreien Veröffentlichung
Alle Exponate können auf unserer Homepage angesehen und digitale Bilddaten angefordert werden.

Pablo Picasso – „Ich sehe die Dinge in anderer Art“
Arbeiten aus dem graphischen Œuvre und ausgesuchte Keramiken

Kaum ein Maler des 20. Jahrhunderts hat die Graphik als künstlerisches Medium mehr geschätzt als Pablo Picasso. Seine Liebe zur Radierung, zur Lithographie oder zum Linolschnitt drückt sich in seinem umfangreichen graphischen Oeuvre aus, von dem die Galerie Boisserée im Herbst eine umfangreiche Sammlung von über 100 ausgesuchten Arbei-ten in den Handel bringt.

Neben einigen frühen Radierungen aus den 1920er und 1930er Jahren liegt der Schwerpunkt der Ausstellung auf den zahlreichen Lithographien, die Picasso unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg zusammen mit den Brüdern Mourlot schuf. Darunter finden sich verschiedenste Themenkreise (weibliche Akte, Liebespaare, Stillleben, Stierkampf, Vögel und Tiere, Faune und Fabelwesen, meist weibliche Portraits - darunter zahlreiche seiner Frauen Françoise und Jacque-line und seiner Kinder), die sich in der Ausstellung zu einem umfassenden Überblick seines graphischen Schaffens zu-sammenfügen.
Besonders herausragend sind z.B. die beiden im Januar 1949 entstandenen Lithographien "Femme au fauteuil no. 1 und 4", die in Varianten Françoise Gilot in einem Lehnstuhl sitzend zeigen oder eine drei Jahre früher entstandene Lithogra-phie als ganz zart gehaltene Version der gesuchten, frontalen Portraits von Françoise. Eine der wenigen farbigen Gra-phiken ist der 1959 entstandene Linolschnitt "Bacchanale", der Flötenspieler und Tänzer in einer abstrahierten Land-schaft darstellt. Die Liebe Picassos zu den alten Meistern wird in einem farbigen Mädchenportrait nach Cranach deutlich ("Jeune fille inspirée par Cranach", 1949) oder das Portrait einer Italienerin nach dem Gemälde von Victor Orsel ("L'Ita-lienne", 1953/55), beides ebenfalls Lithographien.
Aufgelockert wird diese umfangreiche Schau von 17 Fotos des 1997 verstorbenen Schweizer Fotographen Edward Quinn, die Picasso in seinem privaten Umfeld mit seiner Familie und Freunden zeigen, und die den „thematischen Ur-sprung“ vieler seiner Graphiken veranschaulichen. Die von Quinn im Foto festgehaltenen beiden Kinder Claude und Paloma finden sich ebenfalls in der Lithographie "La mère et les enfants" von 1953 oder der im gleichen Jahr entstande-nen Radierung "Mère et enfants" / "Françoise, Claude, Paloma: La lecture et les jeux. II" wieder.
Die ausgestellten, überwiegend schwarz-weißen Radierungen und Lithographien, darunter zahlreiche seltene Zustands-drucke (mit Auflagen oft unter 10 Exemplaren, wie die 1953 entstandene Lithographie "Portrait de Madame X") oder sogar von unikatärem Charakter (wie ein in Braun gehaltener Probedruck eines nicht zur Auflage gekommenen Portraits der Schweizer Sammlerin Angela Rosengart), werden in der Ausstellung ergänzt durch zwei kostbare Bücher: Der bibli-ophile Sammler findet ein vollständiges Exemplar der "La Tauromaquia o Arte de torear", Picassos schönstem Buch zum Stierkampf mit insgesamt 26 Original-Aquatintaradierungen, und "El entierro del Conde de Orgaz", ein Buch mit 12 Ra-dierungen aus dem graphischen Spätwerk Picassos, welches zum 88. Geburtstag des Künstlers am 25. Oktober 1969 erschien.
Zudem findet der Besucher einige Beispiele der in Vallauris entstandenen farbigen Keramiken Picassos, die ebenfalls die Einzigartigkeit seiner Bildsprache und seines Formenvokabulars veranschaulichen.

Die Ausstellung und der begleitende gebundene Katalog (Hardcover mit 248 Seiten und ca. 200 meist farbigen Abbil-dungen aller Exponate sowie schwarzweißen Photographien des Künstlers von Edward Quinn, einem Vorwort von Dr. Andrea Wandschneider und einem einführenden Text von Dr. Bernd Apke, zum Preis von Euro 25) entstand in enger Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie in der Reithalle Paderborn, Schloss Neuhaus. Im Sommer dieses Jahres wurde die Sammlung dort zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt.
Der Katalog und alle Exponate können während der Ausstellung unter www.boisseree.com angeschaut werden. Ausge-wählte Arbeiten werden von der Galerie Boisserée zeitgleich zur Ausstellung auf der ifpda printfair New York 2014 und auf der Cologne Fine Art 2014 vorgestellt.

Ausstellung vom 29. Oktober bis 6. Dezember 2014
Die Eröffnung der Ausstellung findet am Mittwoch, den 29. Oktober 2014 um 18 Uhr statt
Es spricht: Dr. Andrea Wandschneider – Direktorin der Städtischen Museen und Galerien Paderborn

Galerie Boisserée, Drususgasse 7-11, D - 50667 Köln
(Nähe Dom, WDR, Wallrafplatz und Museum für Angewandte Kunst)
Telefon +49-(0)221-2578519, Telefax +49-(0)221-2578550
www.boisseree.com galerie@boisseree.com
SO und MO geschlossen, DI - FR 10–18 Uhr, SA 11–15 Uhr
2014/09/05
Ralph Fleck – „Farbe“

Als Vorbote einer umfangreichen Ausstellung im Museum Küppersmühle, Duisburg im Frühjahr 2015 zeigt die Galerie Boisserée anlässlich der DC Open Galleries 2014 Arbeiten des 1951 in Freiburg/Breisgau geborenen Künstlers Ralph Fleck. Boisserée holt nach einer langen Pause - Ralph Fleck wurde zuletzt in Köln von Bogislav von Wentzel (1988 und 1990) und Jeane von Oppenheim (1992) ausgestellt – wieder eine Ausstellung des Künstlers in die rheinische Metropole und zeigt primär Leinwände der letzten Jahre.

Seit Jahren nimmt Ralph Fleck in der gegenständlichen Malerei in Deutschland eine singuläre Position ein. Im Ausland wie in London, Amsterdam oder Seoul, erweckt seine Arbeit immer größeres Interesse. Werke des inzwischen 63-jährigen Künstlers befinden sich u.a. in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung München, im Kunsthaus Zürich, im Museum Schloss Moyland, im Sprengel-Museum, Hannover oder im Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg.

Zentraler Mittelpunkt der Präsentation ist eine in diesem Jahr entstandene, 330 cm breite Leinwand mit dem Titel „Love Parade 19/V“, die eine bunte Menschenmenge darstellt. Ebenfalls großformatig ist eine aus dem letzten Jahr stammende Leinwand mit dem Titel „Centre Pompidou 25/VII.12“, die einen auf einem Stuhl sitzenden Museumswächter im gleichnamigen Museum in Paris zeigt, der über ein kleines Bild an einer großen weißen Wand zu wachen scheint. Zu Flecks „Fassadenbildern“ gehören die großformatige Arbeit „Montparnasse 3/III“ (200 x 200 cm) als auch zwei kleinere Leinwände („Fassade 9 und 10/XII“, 80 x 70 cm) aus dem Jahr 2011. Ähnlich wie die Fotos von Gursky zeigen sie die gerasterte Gleichförmigkeit einer Betonfassade mit vielen Fenstern und das in ihr enthaltene farbige „Innenleben“ der einzusehenden Räume eines Hochhauses. Aber auch ganz simple Bildinhalte wie ein von der Seite gesehener Stapel liegender Bücher (Stapel 28/V (Paris) von 2009) finden in der Malerei Flecks ihren Platz. Bekannt sind seine „Buchstilleben“, in denen er die linear gefächerte Farbigkeit von nebeneinander stehenden Buchrücken thematisiert, wie in der 120 x 100 cm großen Leinwand „Stillleben 14/IV“ von 2009.
Eine Vogelschauansicht im Detail auf einen Marktplatz („Rastro 8/IV“ von 2009 oder „Feira 18/VIII“ von 2005) regen den Maler an, die graphisch anmutende, farbige Kompositorik des gewählten Bildausschnittes gegenständlicher Thematik mit Pinsel und Farbe auf Leinwand zu bändigen und dabei eine Symbiose von Gegenständlichkeit und Abstraktion zu schaffen. Bekannt sind Ralph Flecks, oft ebenfalls aus der Vogelschau gesehenen, Städtebilder („Stadtbild 3/III (Roma)“ und "Stadtbild 25/VI (Paris)"), die in ihrer speziellen Malweise und dem zoomartigen Bildausschnitt eine magisch anziehende Ausstrahlung besitzen. Die Materialhaftigkeit von gewöhnlichen Dingen des Alltages, wie z.B. der Schale einer geschlossenen Auster, steigert Fleck zu einem pastosen Stillleben auf Leinwand, in der Ausstellung vertreten durch drei aktuelle Arbeiten aus diesem Jahr. Ralph Fleck reizt die Farbigkeit banaler Alltagsthemen, um sie in einer singulären, sehr pastos aufgetragenen und unverdünnten Malerei mit Ölfarbe dem Betrachter in einem neuen Gewand – der gemalten Leinwand – vor Augen zu führen.

Die meisten zitierten Exponate der Ausstellung können während der Ausstellung zeitgleich unter www.boisseree.com angesehen werden.

Ausstellung in Köln vom 5. September bis zum 18. Oktober 2014
Besondere Öffnungszeiten zu den "DÜSSELDORF COLOGNE OPEN GALLERIES 2014“:
Freitag 5.9. 10–22 Uhr und Samstag 6.9. 11–19 Uhr
2014/06/25
Accrochage - Neuankäufe und ausgewählte Exponate aus den Beständen unter anderem mit Arbeiten von folgenden Künstlern:

Eduardo Chillida, Christo & Jeanne-Claude, Xenia Hausner, Joan Miró, Antonio Saura, Emil Schumacher, Walter Stöhrer, Andy Warhol
2014/05/07
Jürgen Brodwolf – Der Figurist
Frühe und aktuelle Arbeiten

Zum wiederholten Mal zeigt die Galerie Boisserée eine umfangreiche Einzelausstellung des 1932 in Dübendorf bei Zürich geborenen Künstlers Jürgen Brodwolf zum Thema „Figuren“.
Der ehemalige documenta-Teilnehmer (1977) und Professor für Bildhauerei an der Staatli-chen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart (1982-1994) zählt mit seinen inzwischen 82 Lebensjahren zu den Klassikern der deutschen Kunstszene, seine Arbeiten befinden sich in über 40 öffentlichen Sammlungen (z.B. im Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg oder im Kunsthaus Zürich) und wurden in über 200 Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt (z.B. im Sprengel-Museum, Hannover oder der Kunsthalle Mannheim).

Im Zentrum von Jürgen Brodwolfs Werk steht die Beschäftigung mit der menschlichen Figur. Ausgehend von seinen ersten Tubenfiguren im Jahr 1959 aus ausgedrückten, leeren Farb-tuben entstand für Brodwolf ein Ur- und Vorbild einer „inneren Figur“, die sich thematisch durch sein gesamtes künstlerisches Werk zieht. Die wahre Identität des Künstlers äußert sich über die Figur als Medium – sei es als Collage, Objekt, Malerei, Plastik oder Installation. Die Ausstellung versucht an Hand verschiedener Objekte aus unterschiedlichen Werkgrup-pen den Evolutionsprozess ständig neuer Figurentypen nachzuzeichnen.
Brodwolfs Figuren leiden, sie sind verletzt, manchmal sogar tot – doch sie tanzen, lieben und träumen auch und verkörpern essenziell menschliche Erfahrungen. Brodwolfs Figuren sind nicht schön – so wie der erlebende, erleidende oder gar geschundene Mensch nie schön ist. Seine Figuren haben jedoch die Schönheit der Wahrheit, des Wissens, der Summe des Da-seins in sich geborgen. Das Werk dieses außergewöhnlichen Künstlers überzeugt durch sei-ne Konsequenz und Geschlossenheit – seine Figuren sind aus einer inneren Notwendigkeit entstanden.

Die Ausstellung zeigt verschiedenste Beispiele seines künstlerischen Schaffens. Neben frü-hen Objektkästen aus den 1970er Jahren, kleinformatigen Papierarbeiten (darunter der Zyk-lus „Das letzte Bildnis der Meret Oppenheim“), sind auch aktuelle Arbeiten prominent vertre-ten , wie die „Embryo-Figur“ von 2011 (Titel der Einladung) oder die großformatigen Arbeiten „Große Figur“ von 1982/91 oder „Schlafende mit Idolfigur“ von 1990-2010.
Der aus 22 Papierarbeiten bestehende Zyklus „Cato lebt weiter“ wird komplett im Studio der Galerie gezeigt und widmet sich dem Leben und dem Tod einer Widerstandskämpferin ge-gen den Nationalsozialismus – der jungen Frau Cato Bontjes van Beek.

Die Ausstellung öffnet dem Besucher einen Raum, öffnet die Tür in eine künstlerische Welt, die in ihrer Sensibilität, ihrer Sprödheit, Unverwechselbarkeit und Eigenwilligkeit einen nach-haltigen Eindruck hinterlässt – der Welt des „Figuristen“ Jürgen Brodwolf.
2014/02/21
Pierre Soulages in Köln

Pierre Soulages (geboren am 24. Dezember 1919 in Rodez) gehört als Klassiker der europäischen abstrakten Malerei zu den bekanntesten und wichtigsten lebenden französischen Künstlern der Gegenwart. Bereits in den Jahren 1993 und 2010 zeigte die Galerie Boisserée Einzelausstellungen des Künstlers und legte dabei, neben einigen Arbeiten auf Papier und Leinwand, den Schwerpunkt der Ausstellungen auf das graphische Œuvre. Pierre Soulages hat nicht nur mit seiner Malerei, sondern auch mit seinem ca. 120 Arbeiten umfassenden graphischen Werk eine singuläre Stellung in der internationalen Kunstwelt eingenommen. Besonders die Aquatintaradierung hat für Soulages als künstlerisches Medium eine hohe Bedeutung und dementsprechend sind auch Substanz und Ausdrucksstärke seiner radierten Blätter. Im Gegensatz zu anderen Radierern seiner Generation entwickelt Soulages bereits in den 1950er Jahren radikale Schritte. Er verformt zum Beispiel die ursprünglich rechteckige Radierplatte mit Hilfe der ätzenden Säure und schafft so unregelmäßige, skulptural wirkende Formen. Zudem hat er zum Erreichen eines möglichst intensiven Schwarztones die Kupferplatten zum Teil so tief geätzt, dass Löcher entstanden sind. An diesen Stellen bleibt im Druckprozess die weiße ursprüngliche Papieroberfläche erhalten, „welche – gleichsam einem Licht – über das Braun und das Schwarz der radierten und gedruckten Fläche triumphiert“. Glänzende Beispiele aus der Kölner Ausstellung für diese ausgefallenen und einzigartigen Radierungen von Soulages sind die frühen Arbeiten "Eau-forte VIII, Xa, XI, XII, XIII, XVI, XVII“ aus den Jahren 1957-1961 oder die zwei späteren Radierungen "Eau-forte XX“ und "XXV“ aus den frühen 1970er Jahren.
Die Graphik von Pierre Soulages, der bereits im Jahr 1957 die Pariser Galerie Berggruen eine erste Einzelausstellung widmete, war immer wieder Gegenstand musealer Ausstellungen und wird in dem im Mai 2014 seine Pforten eröffnenden Musée Soulages seiner Heimatstadt Rodez (Südfrankreich) in der Präsentation gebührend hervorgehoben werden. Ein Text des Direktors des zukünftigen Soulages Museums, Benoît Decron, über die Radierungen und das Museum wird im Ausstellungskatalog der Kölner Ausstellung zweisprachig abgedruckt sein.
Anlässlich des soeben vollendeten 94. Geburtstages von Pierre Soulages zeigt die Galerie Boisserée neben drei Beispielen aus dem malerischen Werk (Nussbeizen auf Papier auf Leinwand aufgezogen aus den Jahren 2001-2004) insgesamt 46 verschiedene Arbeiten aus dem graphischen Œuvre des Künstlers. Die umfassende graphische Sammlung mit Beispielen aus fünf Jahrzehnten umfasst 21 Radierungen, 16 Lithographien, 8 Serigraphien und einen
Reliefdruck. Nach den großen Retrospektiven seines malerischen Werks im Centre Georges Pompidou, Paris (2009/2010) oder im Martin-Gropius Bau, Berlin (2010/2011) öffnet die Ausstellung mit Arbeiten auf Papier dem Besucher einen Einblick in einen vielleicht weniger bekannten, aber umso interessanteren Bereich der Kunst von Pierre Soulages – sein graphisches Schaffen. Alle Exponate der Ausstellung sind verkäuflich.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit 92 Seiten, farbigen Abbildungen von 49 Exponaten, je 2 Portraits des Künstlers und dem neuen Museum in Rodez, sowie einem Text von Benoît Decron in Deutsch und Französisch zum Preis von Euro 10.
Ausstellung vom 21. Februar bis 26. April 2014
2013/07/10
175 Jahre Galerie Boisserée
Ausgesuchte Arbeiten aus den Beständen der Galerie
anlässlich des 175jährigen Firmenjubiläums
Zur Ausstellung erscheint ein illustrierter Katalog
Eröffnung am Mittwoch, den 10.7. um 19 Uhr

Ausstellung geht vom 10.07.–31.08.13
2013/03/20
"STRUCTURE OF SPACE, Paintings and Multiples by Patrick Hughes

Zeitgleich zur ART COLOGNE 2013 stellt die Galerie Boisserée zum dritten Mal dreidimensionale Bildobjekte des 1939 in Birmingham geborenen Patrick Hughes aus. Beschäftigt man sich mit seinem Werk, so offenbart sich eine kreative, intellektuell und analytisch arbeitende Künstlerpersönlichkeit mit britischem Humor. Bereits 1978 verfasste Patrick Hughes zusammen mit George Brecht das Büchlein "Die Scheinwelt des Paradoxons - eine kommentierte Anthologie in Wort und Bild". Gerade in den letzten 10 Jahren hat er sich als Maler des Paradoxen einen internationalen Ruf geschaffen, seine Arbeiten befinden sich in bekannten Sammlungen wie die der Tate Gallery, London oder der Sammlung Würth in Künzelsau.
Wahrnehmung von Illusion und Wirklichkeit sowie optische Irritationen sind Hauptthemen seiner gemalten Reliefs. Es sind „sich bewegende“ Bilder, die die umgekehrte Perspektive („Reverspective“) als Mittel einsetzen. In illusionistischen Kompositionen konfrontiert er den Betrachter mit dem Spiel sich ständig verändernder Perspektiven. Die bevorzugten Motive seiner Gemälde und Multiples sind Architekturansichten, wobei auch eine Vorliebe für Gemäldegalerien oder die Kombinationen von Türen und Landschaftsansichten (z. B. "Cloudy" von 2008) zu erkennen ist.
„Da meine Türen perspektivisch gemacht und gemalt sind, wodurch die Dinge auf natürliche Weise zu verschwinden scheinen, wenn sie weiter entfernt sind, verwirren sie uns. Und da sie so konstruiert sind, dass die Außenseite nach innen und die Innenseite nach außen gekehrt sind, nimmt der Betrachter sie so wahr, als würden sie sich bewegen. Wenn Sie sich nach rechts bewegen, scheinen sie sich nach links zu bewegen und sich zu öffnen und geben den Blick auf die Natur frei, und wenn Sie sich nach links bewegen, schließen sie sich und verstellen die Sicht.“
Frontal betrachtet, vermitteln die Arbeiten zunächst den Eindruck einer flachen Oberfläche. Sobald der Betrachter seine Position nur leicht verändert, verstärkt der reliefartige Bildgrund den Eindruck der Raumtiefe auf eine rational nicht mehr nachvollziehbare Weise. Die Bildobjekte von Patrick Hughes bestehen aus parallelen Dreiecken, deren Spitzen dem Betrachter zugewandt sind. Die desorientierende Wirkung der 3-D-Gemälde erzielt der Künstler, indem er die in der Darstellung am weitesten entfernten Motive auf die dem Betrachter zugewandten Spitzen der Dreiecke malt. Wird die räumliche Situation falsch eingeschätzt, kommt es zu Wahrnehmungsirritationen. Der falsch gesehene Körper scheint sich mit dem vorbeigehenden Betrachter zu bewegen. (Da unser perspektivisches Sehen sehr stark ausgeprägt ist, sind wir (fast) nicht in der Lage, die räumliche Anordnung richtig zu sehen.).
Die Umkehrung der herkömmlichen Perspektive soll dem Betrachter zeigen, wie festgefahren unsere Sehgewohnheiten sind – die perspektivische Prägung des Menschen ist so stark, dass sie alle anderen Raumerfahrungen negiert. Sie soll überraschen, irritieren und anregen, nachzudenken; das Bewusstsein für Raum und Bewegung sensibilisieren. Was ist ein Bild, wie wird es wahrgenommen, wie hängen Wirklichkeit und unsere Vorstellung von ihr miteinander zusammen, sind Patrick Hughes’ zentrale Themen. Seine Mittel und Methoden erscheinen paradox und sind dabei dennoch von bestechender Konsequenz. Wissen ersetzt nicht das Sehen: Wir sehen die Täuschung auch dann noch, wenn wir sie bereits erkannt haben. Und selbst bei wiederholter Betrachtung sieht man sie immer wieder mit Erstaunen: die Irritation der Wahrnehmung.
Die Kölner Ausstellung umfasst ca. 10 neue auf Holz gemalte Bildobjekte aus den letzten Jahren sowie eine umfangreiche Sammlung seiner Multiples in Plexiglaskästen, darunter auch zahlreiche frühere und inzwischen vergriffene Arbeiten. Einige Arbeiten von Patrick Hughes werden ebenfalls auf unserem diesjährigen Stand auf der ART COLOGNE vom 16.–22.04.2013 zu sehen sein.
Zu Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog mit über 40 farbigen Abbildungen und einem Vorwort von Dr. Tayfun Belgin, Direktor Osthaus Museum Hagen.
2013/01/30
Antonio Saura – Arbeiten auf Papier und Leinwand

Ausstellung vom 30. Januar bis zum 9. März 2013

Parallel zu der umfassenden Retrospektive von Antonio Saura im Museum Wiesbaden (bis zum 7. April 2013) zeigt die Galerie Boisserée zum vierten Mal eine Einzelausstellung des 1998 verstorbenen Malers, der nach Pablo Picasso und Antoni Tàpies zu den wichtigsten in-ternational arrivierten spanischen Künstlern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählt und dessen Arbeiten sich in bedeutenden Sammlungen der ganzen Welt befinden (u.a. Museum of Modern Art, New York; Centre Georges Pompidou, Paris; Stedelijk Museum, Amsterdam, Pinakothek der Moderne, München). Den Schwerpunkt der Ausstellung bilden 46 Arbeiten auf Papier unter anderem aus den Werkgruppen "Damas", "Tête", " Le Chien de Goya", "Port-rait", "Montage", 'Manière", "Autodafé" sowie eine Sammlung übermalter Postkarten aus den 1970er Jahren.
Ausgangspunkt für die künstlerische Umsetzung einer Idee auf Papier bildet Sauras Archiv, eine Sammlung von Tausenden von Abbildungen aus Büchern, Fotos, Postkarten und Repro-duktionen von Gemälden, die Saura mit einer ungeheueren Sammelleidenschaft zusammen-getragen hat. Aus diesen Bildelementen entwickelt Saura eine Vorstellung, die er dann wie-derum auf Papier oder Karton überträgt. Einzelne Motive beschäftigen ihn über Jahre hinweg und auf diese greift er immer wieder zurück. Er selbst nennt diesen Prozess "Wiederherstel-lungen. Rekonstruktionen". Zentrales Motiv dabei ist die menschliche Figur, die durch die Malweise, einem schnellen und expressiven Pinselstrich mit pastosem Farbauftrag, und durch die übertriebenen, karikaturhaften Formen, auf den Betrachter ausdrucksstark und emotions-geladen wirkt.
Zur Ausstellung werden drei neu erschienene Bücher des Künstlers vorgestellt: Das umfang-reiche Buch "Über mich selbst" enthält primär autobiographische Texte des Künstlers. Dort äußert sich der Künstler u.a. in dem Kapitel "Damas" über das erotische Begehren als Trieb-kraft des Malens, aber auch über sein künstlerisches Verhältnis zum nackten Körper und zur Aktmalerei. Die Ausstellung steuert zu diesem Thema nicht nur zwei sehr reizvolle und frühe "Damas" als Papierarbeiten aus den 1960er Jahren (Kat. Nr. 1 und 2) bei. sondern auch eine großformatige Chinatusche von 1976 aus der Werkgruppe der "Sesselfrauen" (Kat. Nr. 3), denen in der Wiesbadener Museumsausstellung ein ganzer Saal gewidmet ist. Das kleinfor-matige Papierarbeit "Portrait imaginaire de Phiilippe II" von 1987 (Kat. Nr. 32). sowie die ein-zige Leinwand aus dem Jahr 1996 ("Retrato 4-96", Kat. Nr. 46) zeigen imaginäre Portraits und sind Beispiele für das reduzierte, ausdruckstarke Spätwerk der Malerei Antonio Sauras.
Die Kölner Ausstellung belegt mit repräsentativen Bildbeispielen die geniale zeichnerische Qualität eines Künstlers, dessen Radikalität jeglichen Begriff des Schönen und Gefälligen sprengt und der Genese von Kreativität nachspürt. Der Schock des Betrachters vor der (ver-meintlichen) Deformation weicht bei intensiver Betrachtung dem Staunen vor der Kunst Anto-nio Sauras. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Vorwort von Alexander Klar (Mu-seum Wiesbaden) mit ca. 60 Seiten und ca. 50 meist farbigen Abbildungen (Euro 10), zusätz-lich liegen die Neuerscheinungen "über mich selbst", "Die Retrospektive", "Die Mauer" und "Pinocchio" in der Galerie aus.
2012/12/15
15.12.12–19.01.13
ACCROCHAGE
Neuankäufe und ausgewählte Exponate aus den Beständen

im Studio parallel zur Ausstellung im Museum Ludwig (vom 27. Oktober 2012 bis 3. Februar 2013)
David Hockney (geb. 1937 Bradford, Yorkshire) - selected prints

2012/10/24
Joan Miró
Graphische Werke, Mischtechniken und bibliophile Bücher aus fünf Jahrzehnten Ausstellung vom 24. Oktober – 8. Dezember 2012

Eine umfangreiche Sammlung ausgesuchter Originalgraphik sowie zwölf Arbeiten auf Papier Joan Mirós werden in Köln ab dem 24. Oktober in der Galerie Boisserée zu sehen sein. Die Ausstellung umfasst über 120 Exponate des 1983 in Palma de Mallorca verstorbenen Künstlers und wurde zuvor in der Städtischen Galerie in Paderborn – Schloß Neuhaus bereits zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt.
Unter den Arbeiten auf Papier befinden sich zwei zarte kleinformatige Aquarelle aus den 60er Jahren (Nr. 8/9) sowie zwei Mischtechniken aus den 70er Jahren (Nr. 11/12). Von besonderem Reiz sind eine frühe Arbeit ohne Titel von 1957 (Tusche und Wachskreide, Nr. 5) sowie eine strengere, 56 cm hohe Mischtechnik aus dem Jahr 1950 (Nr. 1).
Zu den frühesten Arbeiten gehören – noch aus der surrealen Periode des Künstlers – fünf seltene schwarzweiße Radierungen aus den Jahren 1933–38 (Nr.15–19) sowie eine Folge weiterer Radierungen, die alle Ende der 40er Jahre während des ersten Aufenthaltes Mirós in New York entstanden sind (Nr. 21–35).
Glanzpunkte der Ausstellung sind zwei über 230 cm große Farblithographien aus dem Jahr 1975, die mit ihrer kleinen Auflage von nur 35 Exemplaren auf dem Kunstmarkt kaum noch auftauchen (Nr. 108/109). Mit 160 cm Breite ebenso beeindruckend ist die farbintensive Farbaquatintaradierung "Le bagnard et sa compagne" (Der Sträfling und seine Gefährtin, Nr. 100) sowie die beiden nur gering kleineren, farbigen Radierungen "Danseuse créole" (Kreolische Tänzerin, Nr. 116) und "Galathée" (Galateia, Nr. 111).
Unter den bibliophilen Büchern findet man das frühe, 1950 entstandene Buch "Mavena" mit im Papier integrierten Blütenblättern, Grashalmen und Farnspitzen sowie einer Farblithographie (Nr.58), oder ein äußerst seltenes Mappenwerk mit 14 Farb- und 12 Aquatintaradierungen von Miró mit dem Titel "Héraclite d'Éphèse" (Heraklit von Ephesus, Nr. 72). Zu den schönsten illustrierten kleinformatigen Büchern gehört "La bague d'aurore" aus dem Jahr 1957, oder Mirós allererstes Buch aus dem Jahr 1927 mit dem Titel "Il était une petite pie" (Es war eine kleine Elster, Nr. 15).

Die komplett zum Verkauf stehende Sammlung, die Johannes Schilling und Thomas Weber in den letzten Jahren zusammengetragen haben, verzichtet bewusst auf häufig reproduzierte, eher plakativ wirkende Miró-Motive, sondern zeichnet sich vielmehr durch die Vielzahl der kleinformatigen, zarten und sensiblen Arbeiten des Künstlers aus. Beispiele hierfür sind drei Farbradierungen aus der Serie "Feuilles éparses" (Verstreute Blätter) aus dem Jahre 1965 (Nr. 68–70), oder eine Folge von sieben farbigen Radierungen aus der Serie "Fusées" von 1959 (Nr. 55). Erwähnenswert sind auch fünf farbige Radierungen aus der späten Serie „Gaudí“, die dem gleichnamigen katalanischen Architekten gewidmet ist (Nr.117–121).

Zur Ausstellung erscheint ein 243 Seiten umfassender, gebundener Katalog mit ca. 200 meist farbigen Abbildungen sowie Fotos des Künstlers bei der Arbeit an seinen Graphiken. Die Fotos stammen von dem 1923 in Rorschach (Schweiz) geborenen Fotografen Ernst Scheidegger. Das Vorwort im Katalog schrieb Dr. Andrea Wandschneider, Leiterin der Städtischen Museen und Galerien Paderborn, der einführende Text stammt von Dr. Norbert Nobis (bis 2010 Leiter der Graphischen Sammlung des Sprengel Museums Hannover). Der Katalog mit allen Abbildungen kann über die Homepage der Galerie Boisserée virtuell durchgeblättert werden. Er kostet Euro 25 und wird gegen Zusendung eines Betrages von Euro 30 im Inland auch per Post zugeschickt.
2012/08/31
Emil Schumacher (1912–1999)
zum 100. Geburtstag

Malerei und Graphik


Anlässlich der Ausstellung des Emil Schumacher Museums in Hagen "Malerei ist gesteigertes Leben
– Emil Schumacher im internationalen Kontext" und anlässlich seines 100. Geburtstages zeigt die Köl-ner Galerie Boisserée zum dritten Mal eine umfassende Einzelausstellung des deutschen Informellen.
Dem Programmschwerpunkt der Galerie folgend, umfasst die Ausstellung neben einer großformatigen Leinwand aus dem Jahr 1959 ("Helle Landschaft") über 20 Gouachen auf Papier vorwiegend aus den 1980er und 1990er Jahren. Zur Ausstellung wird auch die im August erscheinende Monographie des Künstlers von Ernst-Gerhard Güse ausliegen, die einen umfassenden Einblick in seine Malerei vermit-telt. Einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung bilden über 30 Radierungen aus vier Jahrzehnten.

Schumacher hat als einer der großen deutschen Nachkriegskünstler die "Stunde Null" und den Neuan-fang nach Faschismus und Krieg wörtlich genommen. Mehr als vier Jahrzehnte trieb er die Fortentwick-lung der abstrakt-expressionistischen Bildsprache voran. Dabei war sein malerisches Werk von Anfang an von großer Intensität und Energie geprägt. Auch in den letzten zehn Jahren erfuhr das Werk Emil Schumachers eine große Wertschätzung, zudem wurde dem Künstler in seiner Heimatstadt Hagen am 28.8.2009 ein eigenes Museum eröffnet.

Sein graphisches Œuvre zeichnet sich dadurch aus, dass es Schumacher wie kaum einem anderen Zeitgenossen gelungen ist, seine Kunst so unmittelbar und kraftvoll auch über die Radiertechnik zu vermitteln. Die Graphik als Medium hat ihn von seinen künstlerischen Anfängen an begleitet. Sie ist für ihn genauso selbstverständlich wie die Malerei – seine Malerei ist graphisch geprägt, seine Graphik ist malerisch bestimmt. Die Technik der Aquatintaradierung kommt in der künstlerischen Intention der des Malens am nächsten. Aufgrund der zum Teil tiefen Ätzung der Druckplatten weisen seine Radierungen eine stoffliche, haptisch wahrnehmbare Darstellungsqualität auf, die Emil Schumacher sehr geschätzt hat. Zwischen einem meist dominierenden formalen Gerüst in Schwarz nutzt er alle Zwischentöne der Aquatintatechnik aus, arbeitet zudem mit der "kalten Nadel" und entwickelt im Laufe der Jahre eine sehr unkonventionelle, spontane Bearbeitung der Radierplatten. Schumacher ist es in seinen Radierungen gelungen, Authentizität und Materialhaftigkeit in den künstlerischen Prozess des Radierens zu legen, die in der abstrakten Graphik des 20. Jahrhunderts in dieser Ausdruckskraft nur selten anzutreffen sind.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit 72 Seiten und 60 meist farbigen Abbildungen zum Preis von Euro 10.

Ausstellung vom 31. August bis 6. Oktober 2012

Besondere Öffnungszeiten zu den "DÜSSELDORF COLOGNE OPEN GALLERIES 2012":
Freitag 7.9. 9–22 Uhr, Samstag 8.9. 10–20 Uhr, Sonntag 9.9. 12–18 Uhr

Galerie Boisserée, Drususgasse 7–11, D – 50667 Köln
(Nähe Dom, WDR, Wallrafplatz und Museum für Angewandte Kunst)
Telefon 0221–2578519, Telefax 0221–2578550
galerie@boisseree.com, www.boisseree.com
SO und MO geschlossen, DI–FR 10–14 Uhr / 15–18 Uhr, SA 11–15 Uhr
2012/08/31
José María Mellado
Photographie

Anlässlich der "PHOTOKINA 2012" und der "21. Internationale Photoszene Köln 2012" zeigt die Galerie Boisserée zum zweiten Mal Arbeiten des 1966 in Almería geborenen Spaniers José María Mellado.
Die als kleine Studioausstellung konzipierte Präsentation konzentriert sich auf vier ausgesuchte großformatige Digigraphien (pigmentierte Tintendrucke) aus den Jahren 2006–2010.
“ICEBERG I” zeigt eine 290 cm breite, auf Island entstandene, in kühlen Grau- und Weißtönen gehaltene Eislandschaft. "FROM HEAVEN TO EARTH v2" – ein ebenfalls ein Jahr später auf Island entstandenes Meisterwerk – zeigt einen von Wolken verhangenen Berg. Der Kontrast der warmen Farbe des erdverbundenen Bereiches und der kühlen Farbigkeit des Himmels macht die besondere Faszination aus. Der Reiz des dritten Photos mit dem Titel "LA CABAÑA Y LA MONTAÑA QUE GRITA“ (The Hut and the Howling Mountains) liegt in der Gegenüberstellung eines winzigen Häuschens vor der bedrohlich wirkenden Kulisse einer jungen Gebirgsformation, ebenfalls vor zwei Jahren auf Island entstanden. Die vierte Arbeit entstand 2008 in Kolumbien und vermittelt einen faszinierenden "Raumklang" der "SALTO DEL TEQUENDAMA" (Tequendama Falls), ein eigenwilliger Blick in das wolkenverhangene Flusstal mit seitlichen Ruinen eines verlassenen Hotels.

Mellado entdeckt bereits im Alter von 14 Jahren seine Leidenschaft für die Photographie, studiert zunächst Computerwissenschaften und erhält Auszeichnungen für seine ersten photojournalistischen Arbeiten. Doch seine Meisterschaft im Umgang mit dem Medium zeigt sich, als er sich vom Dokumentarischen dem Künstlerischen zuwendet und mittels digitaler Technik beginnt, Landschaft, Architektur und Industrie virtuos in Szene zu setzen. Gewürdigt wurden seine Arbeiten bereits mit über 100 Preisen, zahlreichen Ausstellungen und Ankäufen für internationale Sammlungen, u. a. für das Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid oder das Chazen Museum of Art in Wisconsin.
Diese kleine zweite Einzelausstellung in Deutschland bietet dem Besucher die Möglichkeit, in seine Bildwelten unwirklicher, konstruierter Schönheit von Natur und gebauter Umwelt einzutauchen. Die Farbphotographien entfalten ihre intensive und poetische Strahlkraft aufgrund der meisterhaft aufgespürten geometrischen Kompositionsstrukturen und der Manipulationen sowie einer Intensivierung von künstlichem und natürlichem Licht und einer partiellen Verstärkung oder Schwächung der Farben. Mellado schafft aus einer uns topographisch bekannten Umgebung Szenerien, die einerseits eine frappierende Ruhe und Stille ausstrahlen, andererseits dem Betrachter aber auch rätselhaft erscheinen. Atmosphärisch aufgeladen, spüren wir sehr wohl das Unnatürliche dieser Bilder – können es dennoch nicht greifen. Auch wenn jede photographische Aufnahme bereits eine subjektive Äußerung des Autors ist, schöpft Mellado ganz besonders die Möglichkeiten der digitalen Technik aus. So findet er in dieser überhöhten Schönheit und faszinierenden Befremdlichkeit seinen unverwechselbaren künstlerischen Ausdruck. Sein Auge ist ihm Erfahrung und führt ihn beim Sehen, das Licht und die Darstellung des Sichtbaren sind für ihn der zentrale Inhalt.

Ausstellung vom 31. August bis 6. Oktober 2012

Besondere Öffnungszeiten zu den "DÜSSELDORF COLOGNE OPEN GALLERIES 2012":
Freitag 7.9. 9–22 Uhr, Samstag 8.9. 10–20 Uhr, Sonntag 9.9. 12–18 Uhr und zur
"21. Internationale Photoszene Köln 2012": Freitag 21.9. 9–20 Uhr, Samstag 22.9. 10–18 Uhr


Galerie Boisserée, Drususgasse 7–11, D – 50667 Köln
(Nähe Dom, WDR, Wallrafplatz und Museum für Angewandte Kunst)
Telefon 0221–2578519, Telefax 0221–2578550
galerie@boisseree.com, www.boisseree.com
SO und MO geschlossen, DI–FR 10–14 Uhr / 15–18 Uhr, SA 11–15 Uhr
2012/06/20
Christo & Jeanne-Claude
(geb. 1935 Gabrovo/Bulgarien)
(Casablanca, Französisch-Marokko 1935 – 2009 New York City)
Arbeiten aus dem graphischen Œuvre aus den Jahren 1969-2011

Christo und Jeanne-Claude wurden beide am 13. Juni 1935 geboren und gehören zu den populärsten Künstlerpaaren des 20. Jahrhunderts. Sie erhielten internationale Anerkennung durch ihre gemeinsam konzipierten Verhüllungsaktionen, meist von Landschaft oder Architektur. Christo übernahm den künstlerischen Part, Jeanne-Claude war eine hervorragende Organisatorin für die oft mühevolle Kleinarbeit jahrelanger Vorbereitungen. Dennoch trafen sie in beiden Bereichen die Entscheidungen stets gemeinsam.
Christo, der dem Lehrplan der kommunistischen Regierung an der Kunstakademie in Bulgarien nicht folgen wollte, floh 1957 über Wien und Genf nach Paris. Dort lebte er zunächst unter armseligen Verhältnissen und verdiente sich sein Geld durch Auftragsarbeiten von Portraits. Über eine seiner Auftraggeberinnen lernte er deren Tochter und seine zukünftige Frau Jeanne-Claude kennen.
Christo erlebte in Paris den "Verpackungs-Chic" einer kapitalistischen Welt. In diesem Umfeld begann er mit seinen ersten Verhüllungen und Verpackungen, nutze aber für diese ganz einfache und armselige Materialien und inszenierte seine Verpackungsobjekte so, dass das Verpackte nicht nur unsehbar wird, sondern der zu vermutende Gegenstand darunter zum Zentrum der Neugierde des Betrachters wird.
1961 inszeniert das Künstlerpaar sein erstes Projekt im öffentlichen Raum, eine Verhüllung von Metallfässern im Kölner Hafen. Am 27. Juni 1962 versperren Christo und Jeanne-Claude die Pariser Rue de Visconti mit großen Ölfässern und kommentieren so den soeben erfolgten Bau der Berliner Mauer. Zwei Jahre später verlegen sie ihren Hauptwohnsitz in die USA und haben wichtige Ausstellungen bei Castelli/New York und in der Düsseldorfer Galerie Schmela.
1968 nimmt Christo mit einem 5600 Kubikmeter großen, ballonartigen Objekt an der documenta IV teil. Zwei Jahre später erfolgt das spektakuläre Projekt "Valley Curtain", wo das Künstlerpaar ein ganzes Tal in den Rocky Mountains verhüllt. 1980 wird ein weiteres monumentales Projekt umgesetzt, die "Surrounded Islands", eine Verhüllung der kompletten Uferbereiche von 11 Inseln bei Miami. 1985 wird die "Pont Neuf" in Paris verhüllt, 1990 installiert das Künstlerpaar unter dem Namen "Umbrellas" tausende von überdimensionalen gelben und blauen Schirmen gleichzeitig in Japan und Kalifornien. Im Jahr 1995 erfolgt die spektakuläre Verhüllung des Reichstages in Berlin - die Aufzählung wichtiger Beispiele von Projekten könnte fortgeführt werden.
Christo und Jeanne-Claude haben mit den Verhüllungsaktionen keine bleibenden Kunstwerke geschafft, da alle Projekte nach der Fertigstellung immer wieder abgebaut worden sind. Somit sind diese Projekte, die von Kritikern gerne auch als "nutzlose Aktionen" bezeichnet wurden,
immaterielle Kunstwerke in Form bleibender Erinnerungen. Jeder, der zum Beispiel den verhüllten Reichstag life erleben konnte, wird von der unvergesslichen Faszination berichten, die ihm in der Erinnerung für immer geblieben ist.
Die Projekte wurden von Christo und Jeanne-Claude über Jahre vorbereitet und waren meist äußerst kostspielig. So verschlang das Projekt "Umbrellas" allein 26 Millionen Dollar.
Christo wollte als Künstler immer frei sein und hat seine Projekte immer selber finanziert und die Unterstützung von Sponsoren strikt abgelehnt. Die Finanzierung der Projekte erfolgte stets durch den Verkauf von Zeichnungen, Collagen, graphischen Editionen sowie Fotos oder Filmen.

Die Galerie Boisserée zeigt in der aktuellen Ausstellung neben zwei Zeichnungen zum Thema "Reichstag in Berlin" und der "Ponte Sant' Angelo, Rom" eine Sammlung von über 25 graphischen Editionen aus den Jahren 1969-2011 in signierten und nummerierten Auflagen. Diese dokumentieren die seit langem geplanten, aber bisher nicht realisierten Vorhaben. So befinden sich in der Ausstellung beide der inzwischen sehr gesuchten Graphiken des verhüllten Kölner Domes, sowie die neueste graphische Edition zu der von Christo seit Jahrzehnten geplanten Verhüllung der Ponte Sant' Angelo in Rom. Die graphischen Editionen des Künstlerpaares Christo und Jeanne-Claude faszinieren durch die häufig anzutreffende Kombination von Fotographien, technischen Konstruktionszeichnungen wie auch dreidimensional aufgebrachten Stoffcollagen, die die Blätter geradezu objektartig wirken lassen. Kurios ist die Collage-Lithographie "Wrapped Snoopy House", die die von Christo verpackte Hundehütte der bekannten Comicfigur darstellt. Ausdruckstark ist eine im Jahr 2003 entstandene Lithographie mit Collage mit dem Titel "Wrapped Building", die sich mit dem Projekt eines zu verhüllenden Hochhauses in New York auseinandersetzt.

Ausstellung vom 20. Juni bis zum 18. August 2012

Galerie Boisserée, Drususgasse 7-11, D - 50667 Köln
(Nähe Dom, WDR, Wallrafplatz und Museum für Angewandte Kunst)
Telefon: 0221-2578519, Telefax: 0221-2578550
E-mail: galerie@boisseree.com, www.boisseree.com
SO und MO geschlossen, DI - FR 10–14 / 15–18, SA 11–15 Uhr
2012/04/18
Die Galerie Boisserée zeigt bis zum 26.05.2012 in Ihrem Studio:

Roy Lichtenstein (Manhattan 1923 – 1997 Manhattan) - selected prints
2012/02/29
Eduardo Chillida
Radierungen, Lithographien, Holzschnitte und Siebdrucke,
Arbeiten auf Papier und Skulpturen

Parallel zu der Ausstellung im Kunstmuseum Pablo Picasso Münster
(bis 22.4.2012) zeigt die Galerie Boisserée zum dritten Mal eine umfangreiche Ausstellung des 2002 verstorbenen, international arrivierten spanischen Bildhauers Eduardo Chillida. Die Kölner Ausstellung beinhaltet zwei Terrakotta-Skulpturen aus den frühen 1990er Jahren aus der Werkgruppe "Lurra", einige Papierarbeiten - darunter eine weiße "Gravitation" aus dem Jahr 1987 sowie über 130 Arbeiten aus dem graphischen Œuvre. Dieses genießt mit über 700 Arbeiten einen hohen Stellenwert und erfährt von Sammlern seit langem internationale Beachtung. Boisserée ist es gelungen, fast 1/5 des gesamten graphischen Œuvres aus den letzten 40 Jahren zusammen-zustellen, was als Verkaufsausstellung im internationalen Kunsthandel derzeit einmalig sein dürfte.
Chillidas Thema ist die Auseinandersetzung mit dem Begriff des Raumes, dessen Bewegtheit durch geformte Materie, dem Verhalten von Leere, Volumen und ihren Begrenzungen. Es ist eine vollkommene Hinwendung zur abstrakten Form, die natürlich in enger Beziehung zu seinen Skulpturen steht. Bei seinen Arbeiten auf Papier findet allerdings keine Hinleitung zur Drei-dimensionalität statt, sondern eine bewusste Betonung der meist schwarz gehaltenen Flächigkeit, unterbrochen durch weiße, ausgesparte Linien und Räume. Reinhold Hohl spricht in diesem Zusammenhang vom „zweidimensionalen Raum“, also nicht perspektivisch und nicht raumillusionierend. Seine Graphiken sind keine (Ab)bilder von Skulpturen, sie wirken vielmehr für sich selbst. Seine Bildgegenstände erinnern an nichts Bekanntes, weder an etwas aus der Wirklichkeit noch an etwas aus der Geometrie. Es ist als wären sie aus einer anderen Welt. Aber trotz ihrer Fremdartigkeit werden sie dem Betrachter schnell vertraut.

Glanzpunkte der graphischen Sammlung sind das 1997 entstandene Mappenwerk "Hommage à Johann Sebastian Bach" mit 11 geprägten Siebdrucken sowie die komplette Serie der frühen 5 Holzschnitte aus der Mappe "Beltza" aus dem Jahr 1969. Bei den großformatigen Blättern seien die 160 cm hohe Aquatintaradierung "Hommage à Aimé Maeght" von 1988 sowie die 1976 entstandene Radierung "Euzkadi V" (Baskenland V) erwähnt.
Nur selten anzutreffen ist die signierte und komplette Suite der 7 Lithographien auf Japanpapier zu "Max Hölzer: Meditation in Kastilien". Der Sammler bibliophiler Bücher findet in der Ausstellung das ebenfalls seltene, in den 60er Jahren entstandene Werk "Le chemin de devins / Ménerbes" sowie ein Exemplar des Collagen enthaltenen Buches von Martin Heidegger
"Die Kunst und der Raum", vom Künstler und Autor signiert.

Ein umfassender Katalog mit allen ausgestellten Arbeiten (156 Seiten,
162 meist farbige Abbildungen) kann zum Preis von 20 Euro (inkl. Versand in der BRD) über die Galerie Boisserée bestellt werden. Er ist aber auch während der Ausstellung unter www.boisseree.com einzusehen.

Ausstellung vom 29.02.–21.04.12
Sonderschau auch auf Stand D 020 Halle 11.2 auf der ART COLOGNE 2012
Galerie Boisserée, Drususgasse 7-11, D - 50667 Köln
(Nähe Dom, WDR, Wallrafplatz und Museum für Angewandte Kunst)
Telefon: 0221-2578519, Telefax: 0221-2578550,
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SO und MO geschlossen, DI - FR 10–14 Uhr 15–18 Uhr, SA 10–15 Uhr

2011/12/10
10.12.2011 - 28.01.2012
Accrochage
Neuankäufe und ausgewählte Exponate aus den Beständen
(u.a.von Max Ackermann, Josef Albers, Jürgen Brodwolf, Marc Chagall, Eduardo Chillida, Christo, Antoni Clavé, Guillaume Corneille, Karl Fred Dahmen, Peter Doig, Max Ernst, Maurice Estève, Richard Hamilton, Hans Hartung, David Hockney, Patrick Hughes, Henning Kürschner, Sol Le Witt, Roy Lichtenstein, Marino Marini, Henri Matisse, Joan Miró, Ernst Mollenhauer, Robert Motherwell, Ernst Wilhelm Nay, Helmut Newton, Ben Nicholson, Julian Opie, Pablo Picasso, Serge Poliakoff, Antonio Saura, Emil Schumacher, Sean Scully, Pierre Soulages, Wolfgang Troschke, Raoul Ubac, Jan Voss, Andy Warhol, Franziskus Wendels)
2011/10/22
Marc Chagall
Arbeiten aus dem graphischen Œuvre und auf Papier

Marc Chagall wurde am 7. Juli 1887 in Witebsk, Weißrussland, geboren und starb am 28. März 1985 in St. Paul de Vence. Mit seinem einzigartigen Bilderkosmos gehört er nicht nur zu den be-deutenden Einzelgängern der Kunst des 20. Jahrhunderts, sondern zählt auch zu den hervorra-genden Graphikern dieser Zeit.
Beflügelte Wesen, Menschen, Tiere aber auch Gegenstände schweben durch die Lüfte. Liebes-paare, mitunter hinter oder in Blumensträußen halb versteckt, finden sich in seinen Werken. Die Kuh, der Esel, der Ziegenbock, der Hahn und das Pferd (Tiere des Stetls), die Häuserreihen von Witebsk (oft auf dem Kopf stehend), Dorfleute und Pferdewagen, die Geige, die Wanduhr, der Baum (Symbol des Lebens), farbenprächtige Blumensträuße und Früchte, Engel oder synonym dafür Vögel (Bildzeichen für Wesen, die sich zwischen den Welten hin und her bewegen), mytho-logische Tiere (der Fisch, der Löwe, der Phönix), der Maler, das Atelier, die Mutter mit Kind, die Mondsichel (Zeichen für Gott, den Namen Gottes), der Gekreuzigte, der Rabbi, die Thorarollen, die Kerze, der drei-, fünf oder siebenarmige Leuchter, Zwitterwesen, biblische Themen, die Welt des Zirkus, der Eiffelturm, die Seinebrücken, die Wahrzeichen von Paris - viele dieser mit seinem Na-men eng verbundenen Bildinhalte finden sich auch in seinen Lithographien, Radierungen und Holzschnitten wieder.
Die Ausstellung in der Galerie Boisserée umfasst mit über 80 Exponaten neben einer Monotypie und vier kleinformatigen Zeichnungen eine umfassende Sammlung zum Teil seltener Graphiken und vermittelt dem Besucher Beispiele seines graphischen Schaffens von den frühen 20erJahren bis hin zu den späten Farblithographien der frühen 80er Jahre. Chagalls Graphik ist weitläufig be-kannt durch seine zahlreichen, in Zusammenarbeit mit Fernand Mourlot und Charles Sorlier ent-standenen Farblithographien, von denen in der Ausstellung zahlreiche wichtige Beispiele (wie z.B. "Les fleurs rouges" von 1973 oder "Le bouquet de peintre" von 1967) vertreten sind. Für viele un-bekannter sind Chagalls Radierungen, die besonders die zeichnerische Qualität seiner Kunst in den Vordergrund stellen und von denen Boisserée über 20 Beispiele zeigt (z. B. "Le chemin de croix" von 1967 oder "Tombe du père" von 1922/23) . Zudem stößt der Besucher auf Chagalls sel-ten anzutreffende farbige Holzschnitte, die der Künstler als Illustration zu seinen 1968 veröffentli-chen Gedichten (Poèmes) schuf, der endgültige Zustand zum Teil ergänzt von seltenen Zustands-drucken. Aus dem Nachlass der Brüder Mourlot beinhaltet die Ausstellung einige meist unsignierte Zustandsdrucke, die in Ihrer Authentizität und bisweilen ihrem Unikatcharakter das Gesamtbild der Ausstellung abrunden (wie z.B. ein unsigniertes Ausstellungsexemplar von "Maternité rouge" von 1980 oder ein farbiger Zustandsdruck von "Le peintre sur Paris" von 1957)

Nach der letzten Einzelaufstellung von Marc Chagall in der Galerie Boisserée im Jahr 2002/2003 wird auch diese umfangreiche Verkaufsausstellung in einem Katalog mit 108 Seiten, 83 Exponaten und 140 farbigen Abbildungen dokumentiert, der im Inland gegen Zusendung von Euro 15 per Post zugesandt wird.

Ausstellung vom 22. Oktober bis 25. November 2011
Galerie Boisserée, Drususgasse 7-11, D - 50667 Köln
(Nähe Dom, WDR, Wallrafplatz und Museum für Angewandte Kunst)
Telefon +49-(0)221-2578519, Telefax +49-(0)221-2578550
SO und MO geschlossen, DI - FR 10–14 / 15–18 Uhr, SA 11–15 Uhr
Sonderschau auf der COLOGNE FINE ART & ANTIQUES 2011 vom 16.11.–20.11.11 Halle 11.2 Stand E28/F29
www.boisseree.com galerie@boisseree.com
2011/09/09
Jan Voss - neue Arbeiten

Jan Voss wurde 1936 in Hamburg geboren. Bereits 1960 zog er in seine Wahlheimat Paris und gehört heute in Frankreich zu den bekanntesten Künstlern der Gegenwart. Seit vielen Jahren vertritt die Galerie Boisserée Jan Voss in der Bundesrepublik und zeigte bereits 2002, 2005 und 2008 Einzelausstellungen. Zu den diesjährigen "DC Open" sind auf beiden Ausstellungsebenen Arbeiten aus den letzten Jahren zu sehen. Die Vitalität, Farbigkeit und Präsenz der z.T. großformatigen neuen Leinwände (wie z.B. die 5 m große Arbeit "So alleine" von 2008 oder die 3 m große Arbeit "Wo drückt der Schuh?" von 2010) bestimmen die Atmosphäre der über 30 Exponate umfassenden Show.

Ähnlich wie für seine Zeitgenossen Arman oder Villeglé aber auch Télémaque, Erro und andere Künstler des Nouveau Réalisme und der Figuration Narrative, wird für Jan Voss die künstlerische Auseinandersetzung mit der Realität seines urbanen Lebensumfeldes bestimmend. Ein zentrales Thema begleitet wie ein roter Faden das ganze Werk des Künstlers: Ordnung und Chaos, Aufbau und Zerfall eines in der Schwebe befindlichen Zustandes. Die Arbeiten von Jan Voss zeigen in seiner unverwechselbaren Handschrift unser Leben als einen vielschichtigen, oft chaotischen Zeitverlauf. In unserer medial geprägten Zeit reflektiert er die unzumutbare Summe von Zeichen, die wir täglich aufzunehmen und zu verarbeiten haben.
Aus der Umbruchsituation der 60er Jahre - Nouveau Réalisme und Figuration Narrative auf der einen Seite, auf der anderen Einflüsse der amerikanischen Pop Art - findet Jan Voss zu einem eigenen Weg. Es ist faszinierend, wie der Künstler seine Themen durch das Experimentieren mit den verschiedensten Materialien zu immer neuen Werkgruppen und Ausdrucksmöglichkeiten führt.
Da sind die kleinfigurigen, gegenständlichen, fast comicartig-narrativen Zeichnungen und Bilder der 60er Jahre, die, nach und nach abstrahiert und fragmentiert, in den frühen 70er Jahren übergehen in farblich reduzierte Liniengeflechte. Ein früheres Werk von 1994 auf Sperrholz mit dem Titel "Hindernisse" dokumentiert das bereits seit den 90er Jahren beginnende Interesse des Künstlers, haptisch wahrnehmbare Materialität durch Einbeziehung von Collagen mit Papier, Karton, Leinwand oder Holz zu erreichen. Seit den 80er Jahren bestimmt mehr und mehr die Farbe das Werk des Künstlers, die Malerei wird dichter, farbintensiv und expressiv. Ende der 90er Jahre entsteht eine Werkgruppe mit dem Titel "Wandlung", in der Jan Voss in einer raster- oder schachbrettartigen Grundordnung einzelne Zeichen oder Fragmente von Zeichen aus seinem malerischen Vokabular so einbringt, dass die Dynamik die symmetrische Grundordnung "überwuchert", ihre formale Strenge überwindet und sich dadurch ein faszinierendes Spannungsverhältnis aufbaut . Eine andere Werkgruppe "Remue ménage"
("Durcheinander") zeigt ein Netzwerk farbiger Linien, die offenbar mit Tempo auf die weiße Leinwand gezeichnet wurden. Farbige Papierreliefs wie die Arbeit "Site 78" entstehen aus einer Art Reservoir verworfener Zeichnungen und Aquarelle, die auf diese Weise zu einer neuen Bestimmung finden.
Ebenfalls entstehen Reliefs aus einem Spezialkarton, "Figurants", sowie großformatige Holzreliefs
und farbige Holz- und Keramikplastiken.

Zu dieser Ausstellung erscheint ein Katalog mit 36 farbig abgebildeten Objekten, einem Vorwort von Johannes Schilling sowie schwarz-weißen Fotos des Künstlers im Atelier des Bonner Fotografen Jürgen Eis, der zum Preis von Euro 10 im Inland kostenfrei versandt wird.

Ausstellung vom 9. September bis 15 Oktober 2011
Eröffnung am Freitag, den 9. September um 19:00 in Anwesenheit des Künstlers
Die Galerie hat anlässlich der "DÜSSELDORF COLOGNE OPEN GALLERIES" besondere Öffnungszeiten: Freitag, 09.09.2011 (bis 22:00); Samstag, 10.09.2011 (bis 20:00); Sonntag, 11.09.2011 (12:00–18:00)

Galerie Boisserée, Drususgasse 7-11, D - 50667 Köln
(Nähe Dom, WDR, Wallrafplatz und Museum für Angewandte Kunst)
Telefon *49-(0)221-2578519, Telefax *49-(0)221-2578550
galerie@boisseree.com, www.boisseree.com
SO und MO geschlossen, DI - FR 10:00–14:00 / 15:00–18:00, SA 11:00–15:00
2011/08/11
Accrochage
vom 11.08.-03.09.2011
Neuankäufe und ausgewählte Exponate aus den Beständen

u.a. von Max Ackermann, Josef Albers, Jürgen Brodwolf, Marc Chagall, Eduardo Chillida, Christo, Antoni Clavé, Guillaume Corneille, Karl Fred Dahmen, Peter Doig, Max Ernst, Maurice Estève, Richard Hamilton, Hans Hartung, David Hockney, Patrick Hughes, Henning Kürschner, Sol Le Witt, Roy Lichtenstein, Marino Marini, Henri Matisse, Joan Miró, Ernst Mollenhauer, Robert Motherwell, Ernst Wilhelm Nay, Helmut Newton, Ben Nicholson, Julian Opie, Pablo Picasso, Serge Poliakoff, Antonio Saura, Emil Schumacher, Sean Scully, Pierre Soulages, Wolfgang Troschke, Raoul Ubac, Jan Voss, Andy Warhol, Franziskus Wendels
2011/04/13
im Studio: "Die Kraft des Ursprünglichen"
Arbeiten auf Papier und Lithographien von Jean Dubuffet
(Le Havre 1901 – 1985 Paris) und eine Bochio-Schutzfigur, Benin

ACCROCHAGE
Neuankäufe und ausgewählte Exponate aus den Beständen
(u.a. mit Arbeiten von Braque, Chagall, Hartung, Léger, Lichtenstein, Miró, Opie, Picasso, Saura, Scully, Tàpies)
Zur Ausstellung erscheint ein neuer Katalog aus den Beständen
2011/02/23
Antoni Tàpies (geb. 1923 Barcelona?
Malerei und Graphik
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
(Die Ausstellung bleibt über Karneval vom 03. - 08.03.2011 geschlossen)

Arbeiten auf Holz, Leinwand und Pappe, Radierungen, Lithographien, Holzschnitte, bibliophile Bücher und Mappenwerke

Zum zweiten Mal zeigt die Galerie Boisserée auf zwei Ausstellungsebenen ihrer Kölner Galerieräume eine umfangreiche Einzelausstellung des inzwischen 87jährigen, international arrivierten katalanischen Künstlers Antoni Tàpies. Er gehört er zu den wichtigsten spanischen Künstlern der Gegenwart, und seine Arbeiten sind in den internationalen Museen vertreten. Viele kennen seine materialbetonte Malerei, die durch Auftragen dicker Farbpasten entsteht, dem Abkratzen derselben, verbunden mit Collagen verschiedenster Materialien und Fundstücken sowie an Graffiti erinnernden Übermalungen. Das in der Ausstellung gezeigte, 1988 entstandene Materialbild auf Holz mit dem Titel "Sud" (170 x 195, Nr. 5) vereint viele dieser typischen malerischen Mittel miteinander. Diese Arbeit sowie eine, ein Jahr später entstandene, großformatige und vorwiegend in Schwarz gehaltene Leinwand mit dem Titel "Negre amb corbes" (Schwarz mit Bögen, Nr. 6) gehören zu den Highlights der ausgestellten großformatigen Gemälde. Eine kleinformatige, beidseitig in einem kräftigen Orange-Rot übermalte Sperrholzplatte aus dem Jahre 1977 mit dem Titel "Rojo sobre madera" (Rot auf Sperrholz, Nr. 1) und eine Arbeit auf Wellkarton auf Leinwand aus dem Jahre 1988 mit dem Titel "Pissarra" (Schiefertafel, Nr. 4) sind ebenfalls herausragende Beispiele für die Materialhaftigkeit der Kunst von Antoni Tàpies.

Tàpies als begeisterter und renommierter "peintre-graveur" beherrscht zudem alle originalgraphischen Techniken und hat es – wie nur ganz wenige seiner Zeitgenossen - verstanden, die Kraft seiner Malerei in seiner
Druckgraphik zu fesseln. Viele seiner zum Teil mit Übermalungen versehenen farbigen Radierungen besitzen auf Grund der "Carborundumtechnik" eine plastische Qualität, die weit über das hinausgeht, was man bei Druckgraphik allgemein gewohnt ist. Beispiele hierfür sind das Blatt "Gran taca roja" (Großer roter Fleck, Nr. 29) oder "Cobert de roig" (Bedeckt mit Rot, Nr. 55) und "A 4" (Nr. 57) sowie "Forma blanca" (Nr. 73).
Seine Liebe zur Collage findet sich ebenfalls im graphischen Oeuvre wieder; so findet der Betrachter in einigen graphischen Arbeiten Papiercollagen (ohne Titel, Lithographie auf Wellkarton, Nr. 30), Stoffcollagen ("Empreinte", Nr. 40 und "Díptic", Nr. 72) oder Collagen von dünnem Sperrholz ("Empremtes – Spuren“, Nr. 90).

Die Galerie Boisserée zeigt über 80 graphische Arbeiten unterschiedlichster Formate vorwiegend aus den letzten 25 Jahren. Besonders beeindruckend sind einige Großformate wie die im Jahr 1988 entstandene, 200 x 200 cm große Farbradierung "Díptic" (Nr. 72), ein 150 x 250 cm großer Holzschnitt aus der 1992 entstandenen "Suite Erker II" (Nr. 85) oder die ebenfalls fast 200 x 200 cm große Farbradierung "Cara i mans sobre negre" (Gesicht und Hände auf Schwarz, Nr. 81) aus dem Jahr 1990. Von den bibliophilen Mappenwerken des Künstlers ist das in Format, Umfang und Komplexität des Entstehungsprozesses sicherlich außergewöhnliche Buch "Cartes per a la Teresa" (mit 62 Lithographien des Künstlers, Nr. 21) sowie das mit Gedichten von Octavio Paz von Tàpies illustrierte Buch "Petrificada petrificante" (samt Suite der 8 signierten Farbradierungen, Nr. 32) besonders erwähnenswert. Die meisten der graphischen Exponate sind in dem bisher in 4 Bänden erschienenen, von Galfetti begonnenen und von Homs fortgeführten Werkverzeichnis der Graphik von Antoni Tàpies dokumentiert. Zur Ausstellung der Galerie Boisserée erscheint ein Katalog mit einem Vorwort von Barbara Catoir mit 96 Exponaten auf 156 Seiten mit 165 meist farbigen Abbildungen (Euro 20 inklusive Versand im Inland). Alle Exponate können während der Ausstellung auf der Homepage www.boisseree.com angesehen werden.
2010/12/31
12.01. - 16.02.2011 Franziskus Wendel

"Raumdeutung" - neue Arbeiten auf Leinwand
Eröffnung am Mittwoch, den 12.1.2011 um 18 Uhr in Anwesenheit des Künstlers.
2010/11/27
27.11.2010 - 06.01.2011 Accrochage

Neuankäufe und ausgewählte Exponate aus den Beständen.
2010/10/09
09.10.2010 - 20.11.2010

Georges Braque
Arbeiten aus dem graphischen Œuvre und auf Papier

Georges Braque (1882–1963) gilt zusammen mit Pablo Picasso als Schöpfer des Kubismus und damit als Wegbereiter der Kunst des 20. Jahrhunderts.

Von Anfang an hat er dem graphischen Œuvre seine Aufmerksamkeit geschenkt und sich mit den künstlerischen Möglichkeiten der druckgraphischen Verfahren beschäftigt. „Es macht mir unsägliche Lust, auf dem Gebiete der Graphik nach einer neuen Methode, nach einer neuen Technik zu suchen, um das, was ich fühle, genau ausdrücken zu können.“

Blumen, griechisches Profil, Teekanne, Äpfel, Zitronen und Vögel sind seine bevorzugten Motive. In ihrer Reduziertheit und dem Verzicht auf alles Beschreibende und Überflüssige sind sie von hoher poetischer Ausdruckskraft.

In enger Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie in der Reithalle Paderborn – Schloss Neuhaus – entstand die Ausstellung, für die die Galerie Boisserée über 150 graphische Arbeiten und Arbeiten auf Papier zusammengetragen hat, die alle Schaffensperioden (1911–1963) und Themenkreise (kubistische Blätter, griechische Mythologie, Blumen, Stillleben, Vögel) umfassen.

Die Ausstellung begleitet ein umfassender Katalog – das erste deutschsprachige Kompendium mit 147 farbigen Abbildungen seiner graphischen Arbeiten – sowie 11 Portraits und Künstlerphotos in schwarzweiß.
2010/09/03
03.09.–02.10.10
José María Mellado - Photographie
anlässlich der "DÜSSELDORF COLOGNE OPEN GALLERIES (3.-5.9.) und der Photokina Köln (21.-26.9.2010)

José María Mellado (geb. 1966 in Almería, Spanien) entdeckt bereits im Alter von 14 Jahren seine Leidenschaft für die Fotografie. Beharrlich, auch während seines Studiums der Computerwissenschaften, verfolgt er sein Hobby – gewinnt Auszeichnungen für seine fotojournalistischen Arbeiten. Doch seine tatsächliche Genialität im Umgang mit dem Medium zeigt sich, als er sich vom Dokumentarischen dem Künstlerischen zuwendet und mittels digitaler Technik beginnt, Landschaft, Architektur und Industrie virtuos in Szene zu setzen. Gewürdigt wurden seine Arbeiten bereits mit über 100 Preisen, zahlreichen Ausstellungen und Ankäufen für internationale Sammlungen, u. a. für das Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid oder das Chazen Museum of Arts in Wisconsin.
Anlässlich der „DÜSSELDORF COLOGNE OPEN GALLERIES“ (03.-05.09.2010) und der Photokina Köln (21.-26.09.2010) präsentiert die Galerie Boisserée eine erste und umfangreiche Einzelausstellung des spanischen Fotografen in Deutschland. Hier bietet sich dem Besucher die Möglichkeit, in die Bildwelten unwirklicher, konstruierter Schönheit von Natur und gebauter Umwelt einzutauchen. Die Farbfotografien entfalten ihre intensive und poetische Strahlkraft aufgrund der meisterhaft aufgespürten geometrischen Kompositionsstrukturen und der Manipulationen, d. h. meist einer Intensivierung von künstlichem und natürlichem Licht und der partiellen Verstärkung oder Schwächung der Farben. Zudem betont Mellado häufig ganz bewusst kleine Details, die an die Wirklichkeit erinnern – inmitten einer hyperrealen Welt. Der Fotograf sucht und findet diese Traumwelten in fantastischen Landschaften auf Island, in den Städten Südamerikas, aber auch in vermeintlich banalen Ansichten riesiger Fabriken. Aus dieser, uns bekannten Umgebung zaubert er Szenerien, die einerseits eine frappierende Ruhe und Stille ausstrahlen, die andererseits den Betrachter aber auch rätselhaft erscheinen und in eine gewisse Unruhe versetzen. Atmosphärisch aufgeladen, meist dämmrig, unter einem mit dichten Wolken verhangenen Himmel und menschenleer, spüren wir sehr wohl das Unnatürliche dieser Bilder – können es dennoch nicht greifen. Auch wenn jede fotografische Aufnahme immer eine subjektive Äußerung des Autors ist, schöpft Mellado doch ganz besonders die Möglichkeiten der digitalen Technik aus. So findet er in dieser überhöhten Schönheit und faszinierenden Befremdlichkeit seinen unverwechselbaren künstlerischen Ausdruck.

Ausstellung vom 27. August bis 02. Oktober 2010
Eröffnung am Freitag, den 27. August um 18 Uhr in Anwesenheit des Künstlers
Die Galerie hat anlässlich der Düsseldorf Cologne Open Galleries besondere Öffnungszeiten: Freitag, 03.09.2010 (18–22 h); Samstag, 04.09.2010 (12–20 h); Sonntag, 05.09.2010 (12–18 h)


2010/07/14
14.07.–21.08.10

im Studio: Serge Poliakoff
Ausgewählte Arbeiten aus dem graphischen Œuvre
2010/07/10
10.07.-21.08.2010

ACCROCHAGE
Ausgewählte Malerei und Graphik aus den Beständen

Max Ackermann, Josef Albers, Jürgen Brodwolf, Marc Chagall, Eduardo Chillida, Christo , Antoni Clavé, Guillaume Corneille, Karl Fred Dahmen, Peter Doig, Max Ernst, Maurice Estève, Richard Hamilton, Hans Hartung, David Hockney, Patrick Hughes, Henning Kürschner, Sol Le Witt, Roy Lichtenstein, Marino Marini, Henri Matisse, Joan Miró, Ernst Mollenhauer, Robert Motherwell, Ernst Wilhelm Nay, Helmut Newton, Ben Nicholson, Julian Opie, Pablo Picasso, Serge Poliakoff, Antonio Saura, Emil Schumacher, Sean Scully, Pierre Soulages, Wolfgang Troschke, Raoul Ubac, Jan Voss, Andy Warhol, Franziskus Wendels
2010/05/27
Von 27.05. bis 03.07.10

Francis Bacon - the prints

"… ich bin ein sehr optimistischer Mensch." "Ich fände es schön, das Leben zu feiern, und ich denke auch immer, dass ich das tue. Aber dann kommen die Neurosen meines Jahrhunderts dazwischen, die Neurosen der Zeit, in der ich lebe." Dies sagt der irische Maler Francis Bacon (Dublin 1909 – 1992 Madrid) 1991 in einem Interview kurz vor seinem Tod. Es ist ein Statement, das die konträren psychischen als auch künstlerischen Dispositionen Bacons widerspiegelt. 1945 löst das Triptychon Drei Studien zu Figuren am Fuße einer Kreuzigung (1944) einen ersten Skandal aus und auch ein großer Teil des folgenden Œuvres zieht das Publikum aufgrund der singulären Maltechnik, aber vor allem aufgrund der unmittelbaren und oft gewalttätigen Ausdruckskraft in den Bann. Den abgründigen, erschütternden Gemälden steht der Gentleman und belesene Bacon mit seiner Korrektheit gegenüber, der keineswegs die Absicht hat, nur die dunkle Seite der menschlichen Existenz darzustellen. "Ich setze mich nur damit auseinander, wie das Leben allgemein ist." Und für Bacon ist es ein Leben mit "viel Krieg": Als Kind erlebt er den Ersten Weltkrieg, im Teenageralter leidet er unter seiner Homosexualität – die er auch später noch als "Gebrechen" bezeichnet, im Zweiten Weltkrieg birgt er als Sanitäter die Verletzten der Bombenangriffe auf London. Zweimal verliert er nach langjähriger Beziehung einen Liebespartner, erst Peter Lacy, dann George Dyer. Er lebt ein Leben im Exzess zwischen Atelier, Bar und Casino, zwischen Sadomasochismus, Drogen- und Alkoholkonsum, behält jedoch stets seinen ungewöhnlich scharfen Verstand und große Diszipliniertheit bezogen auf seine künstlerische Tätigkeit.
Francis Bacon ist Maler. Dennoch entscheidet er sich wahrscheinlich Anfang der 1970er Jahre dafür, zeitgleich oder kurz nach Entstehung Lithographien und Radierungen in limitierter Auflage von seinen Gemälden anfertigen zu lassen. Mit seiner eigenhändigen Signierung und Nummerierung dieser graphischen Arbeiten unterstreicht er seine Wertschätzung für die entstandenen Lithographien, Aquatintaradierungen und Offsetlithographien. Der Galerie Boisserée ist es gelungen, 26 der vermutlich insgesamt 54 entstandenen Graphiken zusammenzutragen. So bietet die Kölner Ausstellung einen umfassenden Einblick in die Bilderwelt von "Englands berühmtesten Maler seit William Turner" ("The Independent"), dessen Ruhm 2008 im Verkauf seines "Triptychon 1976" für 86,3 Millionen US-Dollar gipfelt.
Isoliert im Zentrum seiner Arbeiten steht entweder ein Tier oder Kadaver, ein Portrait, doch meist die menschliche Kreatur, die in ihrer häufig verkrüppelten, torsohaften und blutig-fleischigen Erscheinung zum Ausdruck extremer Gewalt, Sexualität und schicksalhaften Daseins wird. In einem nicht näher zu bestimmenden Raumgefüge entstehen Szenen voller Dynamik, Unschärfe und partieller Unkenntlichkeit, die selbst in den berühmten Triptychen selten einen narrativen Charakter haben, sondern vielmehr einzelne Fassetten der Baconschen Wirklichkeit wiedergeben.
Der überzeugte Autodidakt Bacon hat sich intensiv mit der Kunstgeschichte auseinandergesetzt. Als er 1927 in Paris eine Ausstellung von Picasso sieht, ist er tief von dessen klassischen Zeichnungen beeindruckt. Ebenso spiegeln sich Werke des Expressionismus, Surrealismus, der Romantik, des späten Goyas, Michelangelos oder Rembrandts in seinen Arbeiten wieder. Fotografien, beispielsweise die Bewegungsstudien von Muybridge, Aufnahmen von Athleten, Freunden, Geliebten oder ihm selbst, verarbeitet er ebenfalls in seinen menschlichen Studien. Trotz aller Bezüge bleibt sein Œuvre im Technischen wie Inhaltlichen singulär. Vom Beginn seiner Karriere bis heute hat sein Werk generationenübergreifend Faszination ausgelöst. Seine Arbeiten mögen viele schockieren, doch berühren sie spätestens nach genauerer Betrachtung in ihrer Schonungslosigkeit das existenziell Menschliche in uns.
2010/05/04
Von 04.05. bis 22.05.10

ACCROCHAGE
Ausgewählte Malerei und Graphik aus den Beständen

Max Ackermann
Josef Albers
Jürgen Brodwolf
Marc Chagall
Eduardo Chillida
Christo
Antoni Clavé
Guillaume Corneille
Karl Fred Dahmen
Peter Doig
Max Ernst
Maurice Estève
Richard Hamilton
Hans Hartung
David Hockney
Patrick Hughes
Robert Indiana
Henning Kürschner
Sol LeWitt
Roy Lichtenstein
Marino Marini
Henri Matisse
Joan Miró
Ernst Mollenhauer
Robert Motherwell
Ernst Wilhelm Nay
Helmut Newton
Ben Nicholson
Julian Opie
Pablo Picasso
Serge Poliakoff
Antonio Saura
Emil Schumacher
Sean Scully
Pierre Soulages
Wolfgang Troschke
Raoul Ubac
Jan Voss
Andy Warhol
Franziskus Wendels
2010/03/17
Von 17.03. bis 24.04.10

Patrick Hughes
Malerei und Multiples

Eröffnung am Mittwoch, den 17. März um 18 Uhr in Anwesenheit des Künstlers


2010/02/03
Von 03.02. bis 06.03.10

Marino Marini
"Pferd und Reiter"
Radierungen und Lithographien

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit allen Exponaten

Eröffnung am Mittwoch, den 3. Februar um 18 Uhr

11.02.–16.02.10
Die Galerie bleibt über Karneval geschlossen
2009/12/09
Von 09.12.2009 bis 23.01.2010



Pierre Soulages (geb. 1919)

Malerei und Graphik

anlässlich seines 90. Geburtstages



Zur Ausstellung erscheint ein Katalog
2009/10/17
Von 17.10.2009 bis 28.11.2009

ACCROCHAGE
Ausgewählte Malerei und Graphik aus den Beständen
2009/09/04
Von 04.09.2009 bis 10.10.2009

Emil Schumacher (1912–1999)
Radierungen und Arbeiten auf Papier
Eröffnung am 5. September um 12 Uhr durch Dr. Alexander Klar, Wissenschaftlicher Leiter Emil Schumacher Museum Hagen

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog
2009/06/17
Von 17.06.2009 bis 08.08.2009

Henri Matisse (1869–1954)
Arbeiten aus dem graphischen Œuvre und Zeichnungen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog
2009/04/22
Von 22.04.2009 bis 30.05.2009

Henning Kürschner (geb. 1941 Wernigerode)
Arbeiten auf Leinwand und Papier
2009/01/27
Von 27.01.2009 bis 28.02.2009

Josef Albers
"Homage to the Square"
u.a. mit dem kompletten Portfolio der Farbsiebdrucke aus dem Jahr 1970
2009/01/21
Von 21.01.2009 bis 28.02.2009

Antonio Saura - "Erótica"
Arbeiten auf Papier

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog

News

2017/07/12
Eduardo Chillida (San Sebastián 1924 - 2002 San Sebastián)

anlässlich der "DÜSSELDORF COLOGNE OPEN GALLERIES"

Eduardo Chillida

Mit der Ausstellung "Eduardo Chillida“ widmet sich die Galerie Boisserée erneut einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Eduardo Chillida, 1924 in San Sebastián geboren und ebenda 2002 verstorben, hat es geschafft, eine völlig eigenständige Formensprache zu entwickeln und gilt nicht nur als einer der bedeutendsten Bildhauer unserer Zeit. Chillidas Leidenschaft für unterschiedliche Materialien (Eisen, Stahl, Alabaster, Granit, Beton, Holz, Ton, Porzellan, Filz, Papier) hat die Auseinandersetzung mit den Werkstoffen eingefordert und ein faszinierendes Werk entstehen lassen.

Über 70 ausgewählte Arbeiten – eine Skulptur aus Eisen, drei aus Schamotte, Gravitationen aus Papier und Porzellan, Zeichnungen, Collagen, Aquatintaradierungen, Radierungen, Holzschnitte, Lithographien, Mappenwerke und Bücher – sind einem Zeitraum gewidmet, der vor etwa 60 Jahren begann.

Die Papierarbeiten – Gravitationen, Zeichnungen, Collagen, druckgraphische Arbeiten – nehmen einen wichtigen und selbständigen Teil in Chillidas Gesamtwerk ein. Sie folgen denselben Prinzipien wie seine Skulpturen: ein Erkennen und Vergegenwärtigen des Ungreifbaren zu fördern.
Chillidas druckgraphische Arbeiten sind Meisterwerke zeitgenössischer Graphik. Sie sind zweidimensionale Formulierungen des Generalthemas Raum. Jedes dieser Werke nimmt in der Gesamtheit eine eigene Funktion wahr. Die zweidimensionalen Oberflächen sind weder perspektivische Darstellungen noch Gleichnis für den dreidimensionalen Raum. Die Fläche tritt als zweidimensionales Äquivalent an die Seite des Raumes. Mit unerschöpflichem Einfallsreichtum und strenger Materialgerechtigkeit nutzt Chillida die verschiedenen Techniken der Druckgraphik und deren unterschiedliche Eigenschaften. Es ist verblüffend, welch intensiv skulpturale Ausstrahlung schon kleine Prägedrucke haben und mit wie wenig Mitteln sich in diesen Werken imaginäre Räume öffnen lassen.

In den Gravitationen hat Chillida seine Synthese aus graphischem und dreidimensionalem Werk gefunden und den Dialog zwischen Raum und Form um eine dritte Größe, die Schwerkraft, erweitert. Handgeschöpfte, in der Textur unregelmäßige Papierblätter oder Filzmatten sind übereinanderlegt und werden durch eine Schnur zusammengehalten und zwar so, dass sie sich etwas voneinander abheben. Anders als alle anderen Arbeiten sind die Gravitationen an Schnüren aufgehängt und haben somit eine andere Raumwirkung als Skulpturen oder graphische Werke. Die dünnen Schnüre schaffen eine leichte, schwebende Wirkung. Sie machen auf eine Bewegung von oben nach unten aufmerksam und thematisieren auf fast schwerelose Weise den Einfluss der Schwerkraft. Ab 1987 überträgt Chillida die Technik der Gravitation auf die Bereiche der Graphik und des Porzellans. Die Porzellanarbeiten, Porcelana genannt, mit ihren unregelmäßigen Außenrändern und ihrer typischen Oberflächenstruktur wirken leicht wie Papier.

Chillida nennt seine aus Ton geschaffenen Skulpturen „Lurra“, (Mehrzahl: „Lurrak“) dem baskischen Namen für Erde. Es sind kleine kubenartige Formen mit rauer Oberfläche.
Er gestaltet die massiven Blöcke auf ganz unterschiedliche Weise. Es gibt Lurrak, bei denen zarte Linien sanfte Spuren auf der Oberfläche hinterlassen, bei anderen werden die Blöcke geöffnet und neue Räume geschaffen und bei wieder anderen lösen Einschnitte und Gravuren die homogene Oberfläche auf.

Ein umfassender Katalog mit über 100 Seiten und über 100 Abbildungen kann zum Preis von 10 Euro inkl. Versand in der BRD über die Galerie Boisserée bestellt werden, ist aber auch während der Ausstellung unter www.boisseree.com einzusehen.

Ausstellung vom 08.09.–04.11.2017

2017/06/08
Roy Lichtenstein

Vom 21. Juni bis zum 19. August zeigt die Galerie Boisserée im Studio ausgewählte graphische Arbeiten Roy Lichtensteins. Am 27. Oktober 1923 in Manhattan geboren und dort am 29. September 1997 gestorben, gehört Lichtenstein zu den bedeutendsten Vertretern der amerikanischen Pop Art.

Die Beschäftigung mit den Printmedien nimmt eine herausragende Stellung in Lichtensteins Schaffen ein. Die graphischen Techniken waren ihm hervorragende Ausdrucksformen und wesentliche Grundlage, um seriell zu arbeiten. Er widmete sich dem Siebdruck, der Aquatintaradierung, dem Holzdruck, der Lithographie, dem Reliefdruck und bediente sich immer wieder der Collage- und Schablonen-Technik. Stets auf der Suche nach neuen technischen Möglichkeiten experimentierte er mit industriellen Verfahren und Materialien. Ein eindrucksvolles Beispiel für Lichtensteins Nutzung industrieller Ideen ist seine Farbgebung. Wie der kommerzielle Drucker versuchte er, so wenige Farben wie möglich einzusetzen. Während der Drucker dies aus ökonomischen Gründen entschied, wird es bei Lichtenstein zu einem künstlerischen Mittel. Große Flächen werden entweder vollständig gefüllt oder durch die charakteristischen „dots“ (Rasterpunkte) oder Streifen dargestellt.

Das Mappenwerk „La nouvelle chute de l’Amerique (The New Fall of America)“ von 1991/92 bildet einen Schwerpunkt in der Ausstellung. Anfang der 90er Jahre brachte der Verleger Jean-Claude Meyer Allen Ginsberg und Roy Lichtenstein zusammen. Entstanden ist ein außergewöhnliches 115seitiges ungebundenes Mappenwerk mit elf Gedichten von Allen Ginsberg (in Englisch und Französisch) und neun kongenialen Farbaquatintaradierungen und einer Schwarzweißradierung von Roy Lichtenstein.
Allen Ginsberg, einer der angesehensten amerikanischen Schriftsteller, wurde 1923 in der Kleinstadt Paterson, New Jersey geboren. Mit seinen Zeitgenossen Jack Kerouac, William Burroughs und Gregory Corso hob Ginsberg in den 40er Jahren die Beat-Generation aus der Taufe. Seine Texte, Platten und Fotografien prägten das Empfinden einer ganzen Generation. Schien Ginsberg zunächst ein Fall für Justiz und Geheimdienste, so wurde er in späteren Jahren in die American Academy of Arts and Letters und als Professor an verschiedene Universitäten berufen. Er starb am 5. April 1997 in New York. Sein 1956 veröffentlichtes Gedicht „Howl“ begründete seinen Ruhm und löste damals einen Skandal aus. Ginsbergs Sprache erschien vielen als obszön. Das Gedicht wurde vorübergehend verboten, und der Verleger verhaftet. Das Verbot führte zu einer Kampagne um künstlerische Freiheit; schließlich hob ein Richter das Verbot wieder auf. Von 1965 – 1971 schuf Allen Ginsberg den Gedichtband „The Fall of America: Poems of These States“, der 1973 erschien. In der Sprache von William Blake und Walt Whitman, im Geist von William Carlos Williams inspiriert, sind die Inhalte eindeutig politischer als seine bisherigen Texte.
Das vorliegende Mappenwerk enthält die frühen Texte, zum Bespiel „America“ von 1956, sowie eines von 1991. Die Texte sind Kritik an der repressiven, degenerierten Zivilgesellschaft, den Kriegen in Südostasien und dem Irak, der Unterdrückung der lateinamerikanischen Staaten, dem Ende des „American Dream“. Sie sind ein Aufschrei gegen Verschwörungsdenken und Intoleranz, beklagen die hysterischen Ängste der weißen Bevölkerung vor den schwarzen Mitbürgern und verurteilen den Verschleiß junger Männer in den Kriegen.
In der Ausstellung gezeigt werden sowohl das komplette Mappenwerk als auch einzelne Arbeiten aus diesem.

Expressionistische Holzschnitte
Lichtensteins Interesse am deutschen Expressionismus wurde 1978 in Los Angeles durch den Besuch der Ausstellung „German Expressionist graphic art“ geweckt. Ab 1979 begann er, das Vokabular zunächst für seine Malerei zu studieren. „Dots“ verwendete er hier nur sparsam, da ihre Wirkung für ihn nicht expressionistisch war. In seinen druckgraphischen Arbeiten verwendete er sie gar nicht. Aus der Serie der expressionistischen Holzschnitte sind in der Ausstellung die beiden Arbeiten „Reclining Nude“ und „Nude in the Woods“ von 1980 zu sehen.

Nudes
Roy Lichtenstein entwickelte bei seinen Kunstwerken eine Schwäche für den Archetyp schöne Frauen. Die in der Ausstellung gezeigte Arbeit „Nude Reading“ aus der Serie „Nudes“ entstand 1994. Neu an den Arbeiten der Serie ist die Verwendung der Rasterpunkte. Es geht nicht mehr darum, eine Fläche auszufüllen. Der Hell-Dunkel-Malerei (chiaroscuro, clair-obscur) ähnlich, wird sie für Lichtenstein ein Gestaltungsmittel, das sowohl der Steigerung der Räumlichkeit als auch der des Ausdrucks dient und sich durch Hell-Dunkel-Kontraste auszeichnet.

Ten Landscapes
1967 entstand Lichtensteins erstes Mappenwerk. Für „Ten Landscapes“ kombinierte Lichtenstein Siebdrucke mit Collagen aus irisierender Folie, Fotographie und Rowlux, einer mehrlinsenförmigen thermoplastischen Folie. Diese Linsen erzeugen Muster der Absorption und Reflexion von Licht, was zu bemerkenswerten optischen Eigenschaften führt. Aus dieser Serie sind die beiden Arbeiten „Landscape 7“ und „Landscape 10“ zu sehen.

Ausstellung im Studio der Galerie vom 21. Juni – 19. August 2017
Eröffnung am Mittwoch, den 21. Juni 2017 um 18.30 Uhr.
2017/04/22
Carlos Cruz-Diez, 1923 in Caracas, Venezuela geboren, ist einer der wichtigsten Vertreter der optischen und kinetischen Kunst. Für seine Farbforschung und Farblehre wurde er mit zahlreichen Auszeichnungen und Preisen geehrt.

Seit jeher bemühen sich Künstler, insbesondere Maler, um das Verständnis der Farbphänomene. Die Wirkung auf den Betrachter und die Theorien über das Zusammenspiel der Farben, der Farbtöne, der Farbdichte und die Bedeutung des Lichts stehen im Mittelpunkt der Überlegungen.

Als Farbtheoretiker versteht Cruz-Diez die Farbe als eigenständige Realität, frei von Form und Beiwerk. „In einem realen Raum und einer realen Zeit entwickelt sie [die Farbe] sich in einer ewigen Gegenwart ohne Vergangenheit und Zukunft.“

Seine Arbeiten basieren auf den vier chromatischen Grundsätzen - dem Subtraktiven, dem Additiven, dem Induktiven, dem Gedachten und ermöglichen eine kognitive Annäherung an das Phänomen Farbe, die das eigene Wahrnehmungsfeld nachhaltig verändert.

Im Rahmen seiner Farbforschung lassen sich acht Farbgruppen differenzieren: Couleur Additive (Caracas 1959), Physichromie (Caracas 1959), Induction Chromatique (Paris 1963), Chromointerférence (Paris 1964), Transchromie (Paris 1965), Chromosaturation (Paris 1965), Chromoscope (Paris 1968), Couleur à l'Espace (Paris 1995).

Cruz-Diez‘ Werk umfasst Malerei, Arbeiten auf Papier, Graphik, raumgreifende Lichtinstallationen und großformatige Projekte im öffentlichen Raum. Seine Arbeiten sind in den Sammlungen wichtiger Institutionen wie dem Museum Ludwig, Köln l dem Museum of Modern Art (MoMA), New York l der Tate Gallery, London l dem Musée d ́Art Moderne de la Ville de Paris l dem Centre Pompidou, Paris l der Neuen Pinakothek, München und dem Museum of Fine Arts (MFHA), Houston zu sehen.

Carlos Cruz-Diez lebt und arbeitet seit 1960 in Paris.

2017/03/02
Ralph Fleck – neue Arbeiten

Nach seiner ersten musealen Retrospektive im Museum Küppersmühle Duisburg im Frühjahr 2015 zeigt die Galerie Boisserée zum zweiten Mal in einer umfangreichen Einzelausstellung Arbeiten des 1951 in Freiburg/Breisgau geborenen Künstlers Ralph Fleck. Im Jahr 2014 holte Boisserée nach einer langen Pause – Ralph Fleck wurde zuletzt in Köln von Bogislav von Wentzel (1988 und 1990) und Jeane von Oppenheim (1992) ausgestellt – wieder eine Ausstellung des Künstlers in die rheinische Metropole.

Ralph Fleck nimmt in der gegenständlichen Malerei in Deutschland eine singuläre Position ein. Auch im Ausland, wie in London, Amsterdam oder Seoul, stoßen seine pastosen Leinwände auf Interesse. Werke des inzwischen 65jährigen Künstlers befinden sich u.a. in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung München, im Kunsthaus Zürich, im Museum Schloss Moyland, im Sprengel-Museum Hannover, im Lehmbruck Museum Duisburg und neuerdings auch in der Strauss Family Foundation USA.

Mittelpunkt der auf zwei Ebenen ausgerichteten Ausstellung ist eine in diesem Jahr entstandene, 250 cm breite Leinwand mit dem Titel "Stadion 7/I", die eine bunte Menschenmenge darstellt. Eine stark horizontal ausgerichtete großformatige Leinwand (80 x 400 cm) ist die ebenfalls in 2017 entstandene Landschaft mit dem Titel "Alpenstück 23/I". Neben einer Vogelschau auf einen Marktplatz ("Rastro 3/II", 2017) und einem früheren Fassadenbild ("Montparnasse 27/II", 2011) gibt es weitere Landschaften: neben drei "Alpenstücken" eine reizvolle Gruppe kleinformatiger "Seestücke" aus diesem Jahr.

Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den sogenannten "Städtebildern" des Künstlers. Fleck nutzt hier gerne die Vogelperspektive, deren graphisch anmutende Komposition durch das den Bildausschnitt bestimmende Netzwerk von Straßen von besonderem Reiz ist. Fleck gelingt es, den von ihm gewählten, oft zoomartigen Bildausschnitt gegenständlicher Thematik mit Pinsel und Farbe so auf die Leinwand zu bändigen, dass dabei eine Symbiose von Gegenständlichkeit und Abstraktion entsteht. Seine spezielle Malweise mit einem starken, pastosen Farbauftrag der Ölfarben besitzt eine magisch anziehende Ausstrahlung. Der Betrachter erlebt aus der Nähe ein abstrakt wirkendes Konglomerat sich aufbäumender Farbaufträge und erst beim Einnehmen eines größeren Abstandes von der Leinwand erschließt sich ihm die Gegenständlichkeit des zu Grunde liegenden Motivs.

Zu den wichtigsten Arbeiten der Ausstellung zählt eine 250 x 250 cm große Leinwand mit dem Titel "Stadtbild 27/VIII (Roma)" aus dem Jahr 2014, die auch 2015 im Museum Küppersmühle ausgestellt war. Zudem sind kleinere Formate diverser Städtebilder aus den letzten acht Jahren in der Ausstellung vertreten.
Einen besonderen Stellenwert nehmen einige Stillleben (Austern und Käsestücke) ein. Hier arbeitet Ralph Fleck die mit allen Sinnen wahrgenommene Materialität und Farbigkeit von ganz gewöhnlichen Dingen des Alltags heraus. Gerade die unregelmäßige, haptisch reizvolle Oberfläche einer geschlossenen Austernschale oder eines stehengelassenen Käsestücks in der Vielfarbigkeit des Themas steigert Fleck in seiner unverwechselbaren und singulären Maltechnik und führt das Motiv so dem Betrachter in einem neuen Gewand vor Augen – der mit unverdünnter Ölfarbe gemalten Leinwand.

Die Exponate können während der Ausstellung unter www.boisseree.com angesehen werden.

Ausstellung vom 15. März – 29. April 2017
Eröffnung am Mittwoch, den 15. März 2017 um 18:30 Uhr in Anwesenheit des Künstlers.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (Hardcover, 64 Seiten, 52 farbige Abbildungen).
Er wird zu Euro 10 im Inland versandfrei zugeschickt.
2017/01/10
Robert Motherwell
Arbeiten aus dem graphischen Œuvre und Arbeiten auf Papier

Zum Jahresanfang widmet die Galerie Boisserée dem großen amerikanischen Maler und Graphiker Robert Motherwell eine umfangreiche Einzelausstellung. Über 70 graphische Arbeiten aus den letzten 20 Jahren seines Schaffens, ergänzt um einige Arbeiten auf Papier, bieten einen beeindruckenden Einblick in sein Werk.

Robert Motherwell, 1915 in Aberdeen, im Staat Washington, geboren und 1991 in Princeton in Massachusetts verstorben, gehört zu den wichtigsten Künstlern des Abstrakten Expressionismus, jenem Kapitel der internationalen Kunstgeschichte, das von Amerika entworfen und bestimmt wurde. Neben Robert Motherwell gehören Willem de Kooning, Philip Guston, Franz Kline, Joan Mitchell, Jackson Pollock, Ad Reinhardt und Mark Rothko zu den wichtigsten Vertretern.

Motherwells internationale Ausstellungsliste ist beeindruckend. In Deutschland wurde sein Werk jedoch nur selten gezeigt. Sein erster Deutschlandauftritt findet 1954 im Rahmen einer Gruppenausstellung im Museum Morsbroich, Leverkusen statt. 1959 und 1964 werden seine Arbeiten auf der documenta II und III gezeigt. 1965 führt die vom Museum of Modern Art, New York, organisierte Retrospektive zum Folkwang Museum, Essen. 1976, zur Zweihundertjahrfeier der USA, stellt die Kunsthalle Düsseldorf Werke von Motherwell aus über dreißig Jahren aus. 1982 zeigt das Haus der Kunst, München seine Arbeiten im Rahmen der Ausstellung „Amerikanische Malerei1930-1980, die Bayerische Staatsgalerie für moderne Kunst weiht einen Dauerausstellungsraum ein. 2004, nach exakt 50 Jahren, widmet ihm das Museum Morsbroich eine große Übersichtsausstellung.

Mit der großen Auswahl graphischer Arbeiten wie Arbeiten auf Papier, ist es der Galerie Boisserée gelungen, Einfluss und Bedeutung des Künstlers Robert Motherwell erneut (in Deutschland) zu dokumentieren. In faszinierender Weise nutzt Motherwell die Möglichkeiten der Collage und druckgraphischen Techniken und hat ein bildnerisches Werk von großer Sensibilität und Einzigartigkeit geschaffen - „das Vervielfältigte ins Einzigartige verwandelt“ (Frank Schablewski).

Schon als Kind will Motherwell Künstler werden, folgt aber dem Wunsch seines Vaters, eines Bankiers, und studiert zunächst Philosophie und Französische Literatur u.a. in Stanford und Harvard. Nach einem zweijährigen Aufenthalt von 1938 bis 1939 in Paris, wo er sich mit den späteren europäischen Exilkünstlern anfreundet, studiert er in New York an der Columbia Universität bei Meyer Schapiro und Kurt Seligmann Kunstgeschichte. Das Wissen wird ihm immer wichtig sein. „Auch als Künstler hat Robert Motherwell nicht das Denken, Schreiben, Lehren und Edieren aufgegeben und hat damit sowohl seinen Freunden und Kollegen als auch der amerikanischen Kunstgeschichte unermessliche Dienste geleistet.“ (Petra Kipphoff, Zum Tod des amerikanischen Malers Robert Motherwell, Kopf und Künstler, DIE ZEIT 26.07.1991) Mit der von 1944 bis 1960 herausgegebenen Reihe „Documents of Modern Art“ schafft er ein Quellenwerk der modernen Kunst.

Das Streben amerikanischer Künstler, sich von europäischen Einflüssen zu befreien und eine eigene international anerkannte Kunstrichtung zu schaffen, begann sich bei den Abstrakten Expressionisten seit Ende der Vierzigerjahre in der zunehmenden Tendenz einer von jeder gegenständlichen Darstellung befreiten Bildlichkeit abzuzeichnen. Bahnbrechend für die internationale Anerkennung der amerikanischen Malerei als eigenständiges, bedeutendes künstlerisches Phänomen war die Ausstellung „The New American Painting“. Sie wurde 1958/59 in Basel, Mailand, Madrid, Berlin, Amsterdam, Brüssel, Paris, London und als Höhepunkt im Museum of Modern Art in New York gezeigt.

Motherwell fand seine ganz eigenen, abstrakt-expressionistischen Bildlösungen in größtmöglicher Farbintensität und Zeichenhaftigkeit und vereint in ihnen das Wissen der Kunst. „Jeder intelligente Maler hat in seinem Kopf die ganze Kultur der Malerei präsent“, bemerkte er einmal. Seine künstlerischen Arbeiten entziehen sich augenblicklich erst einmal der Verbalisierung. Die Zeichen und Bereiche verkörpern auf den ersten Blick nichts Gegenständliches, stellen vordergründig keinen ersichtlichen Gegenstand dar. Und dennoch sind es die „vertrauten Dinge, die zu meinem Leben gehören“, die zu sehen sind: das Ocker der Erde, das Grün des Grases, das Blau des Himmels und des Meeres, die Etiketten von „Gauloises“, von „Players“, von „Ernte 23“, „manchmal rauche ich die...“.

„Das Einmalige, Unverwechselbare ist die Auszeichnung eines Künstlers und seiner Kunst, die Widerspiegelung seiner Individualität.“ (Frank Schablewski) Robert Motherwells Werke haben die Kunstgeschichte der Gegenwart geprägt.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit meist ganzseitigen farbigen Abbildungen aller Exponate und einem Text von Frank Schablewski. Er wird zu Euro 10 im Inland versandfrei zugeschickt.

Ausstellung vom 25. Januar – 4. März 2017

Eröffnung am Mittwoch, den 25. Januar 2015 um 18:30 Uhr
2016/11/16
Georges Braque und Pablo Picasso
Zwei Bildwelten
Arbeiten aus dem graphischen Œuvre

26.11.2016- 14.01.2017

„Wie Mond und Sonne waren sie gewesen. Mild der eine – strahlend der andere“
(Daniel-Henry Kahnweiler)


Braque und Picasso – mit ihren unterschiedlichen Temperamenten – verbindet der Kubismus, als deren Begründer sie gelten und in dessen Zeit sie nicht nur stilistisch sehr ähnlich gearbeitet haben, sondern auch befreundet waren: der stille, reflektierende, 1882 in Argenteuil-sur-Seine geborene Franzose Georges Braque und der impulsive, spontane, 1881 in Málaga geborene Spanier Pablo Picasso. Doch bereits im ersten Weltkrieg nimmt ihre Malerei eine recht unterschiedliche Entwicklung. Das, was die Künstler weiterhin gemeinsam haben, ist ihre große Liebe zur Graphik und – aus dieser resultierend – ihr viel beachtetes graphisches Œuvre, welches sie in ganz unterschiedlichen Bildwelten geschaffen haben. Die Ausstellung versucht, diese Bildwelten mit ausgesuchten graphischen Arbeiten nachzuzeichnen.
2016/07/30
Jan Voss
Arbeiten auf Leinwand und Papier

Ausstellung vom 2. September – 22. Oktober 2016
Eröffnung am Freitag, 2. September um 18.30 Uhr in Anwesenheit des Künstlers

Jan Voss ist gebürtiger Hamburger und lebt seit 1960 in Paris, was dazu geführt hat, dass er in der zeitgenössischen französischen Kunstszene wesentlich präsenter ist als in der deutschen. Über Jahrzehnte hat er sich in ganz unterschiedlichen Werkgruppen als auch Medien mit Ordnung und Chaos, Aufbau und Zerfall eines in der Schwebe befindlichen Zustandes auseinandergesetzt, vergleichbar mit unserem alltäglichen Leben als vielschichtiger manchmal auch chaotisch wirkender Zeitverlauf. Dieser Zustand ist in unserer heutigen medialen Zeit überhäuft von einer Summe von Zeichen, die wir tagtäglich aufzunehmen und zu verarbeiten haben – und die in seiner Kunst ebenfalls eine große Rolle spielen.

Sein künstlerisches Werk wird in der im letzten Jahr von Anne Tronche verfassten Monographie gewürdigt und auf über 300 Seiten mit meist farbigen Abbildungen chronologisch vorgestellt. Das Buch begleitet die Ausstellung und vermittelt einen Überblick über die künstlerische Entwicklung des Gesamtwerks von Jan Voss, beginnend bei den ersten Zeichnungen und Leinwänden aus den frühen 60er Jahren bis hin zu den aktuellen Arbeiten der letzten fünf Jahre, denen sich die Kölner Ausstellung widmet. Das Buch beinhaltet ebenso zahlreiche Fotos mit den Jan Voss in den 60er Jahren umgebenden Künstlern (darunter z.B. Christo, Niki de Sainte Phalle oder Tinguely).

Die in den letzten Jahren entstandenen Leinwände und Papierarbeiten von Jan Voss wirken jung, spontan und sind von einer intensiven und kraftvollen Farbigkeit gekennzeichnet. Zitat Jan Voss: "Die Farbe ist das Physische des Bildes, zugleich aber auch sein Geist und seine Seele... " Geist und Seele eines erfahrenen und kein bisschen müde gewordenen Malers manifestieren sich in bis zu drei Meter großen Leinwänden und scheinen einen neuen Höhepunkt in seiner Malerei anzukündigen.

Neben den Leinwänden widmet sich die Ausstellung auch seinen oft dreidimensional anmutenden
Collagen oder Objekten aus bemaltem Papier oder Karton. Die Arbeiten aus der Werkgruppe "Figurant" haben eine eher konstruktive Anmutung und setzen sich mit dem immer wiederkehrenden Thema von Gleichgewicht und Balance auseinander; ebenso die wesentlich sensibler wirkenden Papierarbeiten aus der Werkgruppe "Site", die aus Resten verworfener Aquarelle durch Zusammenschnüren mit einem kaum sichtbaren Faden entstanden sind.


Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit farbigen Abbildungen aller Exponate.
Er wird zu Euro 10 im Inland versandfrei zugeschickt.

Besondere Öffnungszeiten zu den "DÜSSELDORF COLOGNE OPEN GALLERIES 2016":
Freitag 2.9. 10–22 Uhr, Samstag 3.9. 10–20 Uhr und Sonntag 4.9. 12–18 Uhr
2016/05/27
Made in Britain
Ausstellung 08.06.2016 - 30.07.2016
Gemeinsam ist den ausgestellten Arbeiten die unmittelbare Präsenz. Alles ist einfach und lesbar geordnet und steckt voller komplexer Wechselwirkung zwischen Realität und Illusion. Die Bilder begreifen das Wesen der Dinge und Figuren in ihrer einfachsten Form und eignen sich dennoch nicht, einfache Aussagen über unsere Gegenwart zu machen. Und immer wieder bleibt es dem Betrachter vorbehalten, das im Werk Angelegte zu ergänzen und zu vollenden. Es ist ein Wechselspiel von Wahrgenommenem und eigener Erfahrung und auch Aufforderung, das Vorgefundene um das Dazu-Gedachte zu erweitern.

Michael Craig-Martin, 1941 in Dublin geboren, ist einer der wichtigsten Künstler der englischen und irischen Kunstszene. Er entschied sich, reale Objekte zum Gegenstand seiner Kunst zu machen. Es handelt sich um schlichte Anordnungen alltäglicher Gegenstände, die in der Absicht ausgesucht wurden, über eindimensionale Interpretationen hinauszugehen. In seinem Werk finden sich immer wieder auch Bezüge zu Designobjekten und kunsthistorischen Vorlagen. Die in der Ausstellung gezeigte Computeranimation "Deconstructing Seurat" zeigt Georges Seurats "Badende bei Asnières" (1884). Durch seine bildnerische Methode verdichtet Craig-Martin Seurats Dualität von Linie und Farbe und reduziert das Abbild auf die Umrisslinie und eine monochrome Farbgebung. In den graphischen Folgen "Art & Design" und "Objects of our time" sind in einfacher Linienführung (seinem Markenzeichen) und Popart-Farben Designklassiker, Kunstwerke und Alltagsgegenstände zu sehen.

David Hockney zählt zu den einflussreichsten europäischen Künstlern der Gegenwart. Berühmt wurde er vor allem durch seine "Swimming Pool"-Gemälde der 1960er Jahre, seine einfühlsamen Porträts von Freunden und seiner Eltern, seine Stillleben oder Landschaftsbilder, seine Fotocollagen und Bühnenbilder. Die Landschaftsmalerei, eher ein Stiefkind der Gegenwartskunst, ist in den zurückliegenden Jahren geradezu ins Zentrum seines Schaffens gerückt, wie eine bemerkenswerte Ausstellung im Museum Ludwig Köln zeigte. Was auf den Besucher einstürmte, war ein wahres Farbenfestival. Hockney war stets für neue Techniken aufgeschlossen. Früh verwendete er für seine Arbeit Polaroid-Bilder oder nutzte Farbkopierer und Faxgeräte. Neben der traditionellen Malerei experimentiert er seit Jahren mit Bildschirm-Zeichnungen. Mit iPhone und iPad schafft er Bilder, die eine starke, farbige Lebendigkeit ausstrahlen. Die großformatigen tintenstrahlgedruckten Computerzeichnungen der Ausstellung belegen dies. Die "Lillies" (Farblithographie von 1971) und die anderen druckgraphischen Arbeiten zeigen wie meisterhaft er die druckgraphischen Techniken beherrscht.


Wahrnehmung von Illusion und Wirklichkeit ist ein Hauptthema der Kunst von Patrick Hughes. Als Maler des Paradoxen hat sich der englische Künstler, 1939 in Birmingham geboren, einen internationalen Ruf geschaffen.

Seine gemalten Reliefs sind "sich bewegende" Bilder, die die umgekehrte Perspektive ("Reverspective") als Mittel einsetzen. In illusionistischen Kompositionen konfrontiert er den Betrachter mit dem Spiel sich ständig verändernder Perspektiven. Die Umkehrung der herkömmlichen soll dem Betrachter zeigen, wie festgefahren unsere Sehgewohnheiten sind - die perspektivische Prägung des Menschen ist so stark, dass sie alle anderen Raumerfahrungen negiert.

Patrick Hughes' Methoden erscheinen paradox und sind dabei dennoch von bestechender Konsequenz. Seine Werke sollen überraschen, irritieren und anregen, nachzudenken; das Bewusstsein für Raum und Bewegung sensibilisieren.

Die bevorzugten Motive seiner Gemälde und Multiples sind Architekturansichten, wobei eine Vorliebe für Gemäldegalerien und Kombinationen von Türen und Landschaftsansichten zu erkennen ist. Neben den auf Holz gemalten Unikaten gibt es in der Galerie zahlreiche Multiples zu sehen.

Julian Opie, 1958 in London geboren, gehört seit fast drei Jahrzehnten zu den bedeutendsten Vertretern der englischen Gegenwartskunst. Opies unverkennbare Bildsprache besteht in der Reduktion individueller Merkmale der menschlichen Figur auf wenige Linien. Das Subjekt wird auf charakteristische Eigenarten der Physiognomie reduziert. "Für jede Person, die ich zeichne, versuche ich ein universelles Symbol zu schaffen", prägnanter hätte Julian Opie das eigene Schaffen nicht charakterisieren können. In seinen Arbeiten lotet er ganz bewusst die Grenzen der Stilisierung aus, was vor allem in den "bewegten" Lentikularobjekten deutlich wird. Hier werden hoch aufgelöste Bilder im Rechner in einem komplexen Prozess miteinander kombiniert. Die so erzeugte Bildstruktur wird nun mit extrem hoher Passgenauigkeit spiegelverkehrt von hinten auf das Lentikularmaterial gedruckt. In seinen neuen Arbeiten bringt Opie in diese reduzierten Personendarstellungen als neues Moment die Bewegung ein. Hierfür arbeitet er mit Flachbildschirmen oder Displays, auf denen die computergesteuerten Animationen eine permanente fließende Bewegung zeigen. Ein surrealistischer Effekt ergibt sich aus der Raumlosigkeit der Darstellung, die als einzigen räumlichen Bezug die Einfassung der Displays hat. In der Ausstellungen sind Farbsiebdrucke, Lentikularobjekte, Tintenstrahldrucke, ein C-print auf Kunststofffolie sowie Computeranimationen zu sehen.

In all den in der Ausstellung gezeigten Arbeiten vereinen sich meisterhafte Perfektion und technisches Können sowie der Genuss des Sehens, des Wissens und des Denkens.
2016/03/15
Joan Miró (Barcelona 1893 – 1983 Palma de Mallorca) Bronzeplastiken und Arbeiten auf Papier: 14.04.2016 - 14.05.2016 (im Studio)
2016/03/15
Max Neumann
Arbeiten auf Leinwand und Papier

Max Neumann, 1949 in Saarbrücken geboren, studiert bildende Künste in Saarbrücken, Karlsruhe und in Berlin. Seinen Durchbruch gelang ihm in der Berliner Kunstszene Ende der 1970er Jahre. Auch außerhalb Deutschlands stößt sein Werk auf Interesse – davon zeugen zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in diversen Ländern, wie etwa in Frankreich, Spanien, Italien, in den USA oder in Japan.

Max Neumanns Bilder zeichnet eine mystische und zugleich kontemplative Grundstimmung aus. Sehr bewusst gibt Neumann seinen Bildern selten einen Titel: Nichts soll dem Betrachter als Vorlage für eine mögliche Interpretation dienen. Die auf den ersten Blick figurativen Bilder – deren Motiv-Repertoire aus bestimmten Formen, Figuren und Dingen, sich in seinem Gesamtwerk stets wiederholt – entziehen sich jedoch bei einer näheren Betrachtung einer „narrativen Bedeutung“(1). Charakteristisch für seine Arbeiten sind dabei vor allem seine anonymisierten, wie Schattenspiele wirkenden Menschen und Köpfe – oft ohne Nase, Augen oder Mund – wie sie in unserer Ausstellung in verschiedenen Versionen zu sehen sind. Dieses 'Dunkle', das Neumanns Bilder ausmacht, wird jedoch weniger durch den Inhalt oder deren Sinn(gehalt) evoziert, sondern vielmehr durch das „WIE“(2), das heißt durch die Technik, die Form und die Komposition der Bilder.

Eine wesentliche Rolle spielt dabei auch die Wahl der meist gedeckten Farben: Schwarz, Beige, Ocker, Braun, Grau, oft ein dunkles, aggressives Rot und manchmal ein stumpfes Grün. Insbesondere das Schwarz ist in fast allen seinen Werken präsent. Ein „tiefes und üppiges Schwarz, unverständlich und beruhigend zugleich. […] Versteht man die Schwärze richtig, so erfasst man sehr viel leichter die Ambiguität eines Universums, in dem in der Zärtlichkeit Kraft steckt, in der Angst ein Lachen, in der Düsternis Poesie.“(3) In seinen neueren Arbeiten mischt sich unter dieser Schwerfälligkeit eine ausgleichende Leichtigkeit, die sich insbesondere durch die Wahl der Farben und des Farbauftrages kenntlich macht. Hier finden wir z.B. ein helles Blau, leichtes Rosa, helle Grüntöne, Flieder oder ein blasses Gelb – alle samt nahezu transparent aufgetragen. Sie stehen im Kontrast zu den noch immer präsenten und dominierenden dunklen Tönen, die eine melancholische Stimmung auslösen.

Bestimmend für die Wirkung seiner Bilder ist zudem der gewählte Bildaufbau, in dem die Zuordnung der Farbflächen, Figuren und Formen zueinander ein Gleichgewicht erzeugen. Max Neumann tastet sich im Schaffensprozess zunächst völlig unbedarft an die Leinwand ran; er lässt sich von der wässrig aufgetragenen Farbe leiten und die Hand ihren Weg finden. Erst wenn eine erste klare Linie zu erkennen ist, setzt der intellektuelle und bewusste Prozess ein, der zu jenem Gleichgewicht führt.(4) Diese Ausgewogenheit in der Komposition steht im Kontrast zu der Unruhe in der Oberfläche, die zuweilen partiell schraffiert oder gerastert ist.

Durch diese Gegensätze in Form, Farbe, Bildaufbau und Oberflächengestaltung wirken die Bilder oft ambivalent, zugleich ruhig und unruhig, zart und kräftig. In dieser Schwierigkeit sie zu ‚fassen’, sie zu interpretieren, liegt eben auch ihr Reiz und ihre Stärke, denn wie Joachim Sartorius konstatiert, werden sie zu „inneren Orten“(5), in denen jeder Betrachter durch seine eigene Deutung sein eigenes Ich wiedererkennt. In diesem 'WIE' steckt aber eben auch die Tiefe, das Intellektuelle, die Dichtung und die Musik, die Max Neumann in sich aufgezogen hat und in seinen Bildern verarbeitet, und die seinen Werken dieses spürbare Kontemplative geben.

Die Ausstellung zeigt insgesamt ca. 25 Arbeiten auf Leinwand und Papier, überwiegend aus den letzten Jahren. Einige frühere Arbeiten aus den Jahren 2004-2005 machen die oben beschriebene Entwicklung der Farbgestaltung deutlich. Und auch Neumanns Intention, seinen Bildern jegliche Interpretationsgrundlage zu entziehen, wird in dieser Ausstellung eingelöst: Keine der hier gezeigten Werke haben Titel. Sie laden dazu ein, in sie einzutauchen und mit ihnen in einen Dialog zu treten.

(1), (2), (3) (4) Heinz Peter Schwerfel: „Max und die Seelenwanderer“, in: Carnets de Voyage, "Max Neumann, Peintures et gravures", Maeght Editeur, Paris 1995; zu (2) Vgl. auch Joachim Sartorius, "Engführung, Intensität - Zu neuen Werken von Max Neumann", in: catalogue "Max Neumann - Peintures et Dessins", Musée d´Ixelles, Brussels 2004
(5) Sartorius, Joachim: „Die inneren Orte des Max Neumann“, in: Ausstellungskatalog „Max Neuman“ der Fundación Antonio Pérez/ Diputación de Cuenca, Cuenca 2010

Ausstellung vom 14.04.–25.05.16. Eröffnung am Donnerstag, den 14.04.16 i.A.d.K.

2016/01/16
Georg Baselitz (geb. 1938 in Deutschbaselitz)
Arbeiten aus dem graphischen Œuvre und Arbeiten auf Papier

Eröffnung am Samstag, den 30. Januar 2015 um 11 Uhr.

Es spricht: Dr. Fritz Emslander, stellv. Direktor und Leiter Grafische Sammlung Museum Morsbroich Leverkusen


Georg Baselitz gehört zu den großen „peintres-graveurs“ der zeitgenössischen Kunst. Zum Jahresanfang widmet ihm die Galerie Boisserée eine umfangreiche Ausstellung mit über 50 graphischen Arbeiten aus den letzten 25 Jahren, ergänzt durch einige Arbeiten auf Papier.

Georg Baselitz, am 23.1.1938 in Deutschbaselitz geboren (eigentlich Hans-Georg Kern, seit 1961 Georg Baselitz), lebt heute am Ammersee und in Salzburg. Sein Studium in der DDR muss wegen „gesellschaftlicher Unreife“ bereits nach zwei Semestern abgebrochen werden. 1957 setzt er es in Westberlin, wohin er 1958 auch endgültig umzieht, bei Hann Trier fort.
Schon früh sucht Baselitz nach einem eigenen Auftritt. Er gilt als eigenwilliger und radikaler Künstler, als unbequemer Zeitgenosse von großer Singularität, der Disharmonie liebt und mit Konventionen bricht – ein Rebell, der provozieren will. Bereits im Jahr 1972 kennzeichnet ihn Herbert Peé als „eigensinnigen, zu Zeiten schwerflüssigen Mann, der mit ungeheurer Intensität seine Aussagen hervorbringt und aus einer extremen Außenseiterposition auf den ihm zukommenden Platz in der neueren deutschen Kunst vorrückt“(1).

Bereits im Jahr 1962/63 führt sein Bild „Die große Nacht im Eimer“, welches einen masturbierenden Jungen darstellt, im Museum Ludwig in Köln zu einem Eklat. 1969 entsteht sein erstes Bild in der Motivumkehr „Der Wald auf dem Kopf“. Ab den 1970er Jahren wird er mit seinen „umgekehrten Bildern“ weltweit bekannt. Seine Arbeiten befinden sich heute in zahlreichen internationalen Sammlungen.

Durch die Inversion seiner Motive befreit er den Gegenstand von seiner ursprünglichen Wertigkeit und nimmt dem Bild den konventionell gedachten Inhalt. Zudem befreit er sich von der Abhängigkeit des Motivs, um sich auf das Erarbeiten autonomer bildnerischer Systeme einer gegenstandslosen Malerei konzentrieren zu können. Baselitz erklärt mit seiner Kunst seine „Haltung gegenüber seiner Zeit, der Gesellschaft und der übrigen ihn umgebenden zeitgenössischen Kunst“(2). Seine Kunst entspringt einer intellektuellen Analyse, sie ist energiegeladen, aber weder expressiv noch illustrativ. Seine Motive haben meist biographische Bezüge.

Baselitz gilt als leidenschaftlicher Graphiker, dem es fern liegt, bereits formulierte Bildideen graphisch zu reproduzieren. Vielmehr will er in seinem graphischen Œuvre mit den verschiedenen Techniken des Hoch- und Tiefdrucks schöpferisch experimentieren. Mit seinen Radierungen, Kaltnadelarbeiten sowie den Holz- und Linolschnitten auf Papier erreicht er eine ganz eigene Materialität und Oberflächenpräsenz, die sein graphisches Œuvre auszeichnen.
Museale Einzelausstellungen widmen sich nur selten ausschließlich dem druckgraphischen Werk eines zeitgenössischen Künstlers. Bereits 1979 zeigte Siegfried Gohr in der Kölner Kunsthalle die zwischen 1977 und 1979 entstandenen großformatigen Linolschnitte. Im Jahr 2008 zeigte die Pinakothek der Moderne, München, die Druckgraphiken von Baselitz aus den Jahren 1964 bis 1983.
Gerade die Radierungen von Georg Baselitz sind vergleichbar mit Selbstbeschreibungen oder Selbstreflexion – wie Tagebuchblätter, aber nicht geschrieben, sondern direkt in die Kupferplatte oder in den Wachsgrund gezeichnet. Bei der Graphik wird die Bildfindung durch den graphischen Prozess, das Einbringen der Zeichnung in die Druckplatte, bedingt durch den Widerstand des Druckträgers (Holz, Kupfer oder Linoleum) verlangsamt. Das führt dazu, dass der Prozess des Malens als Erfahrung lesbar wird. Das Ergebnis der Arbeit kann erst nach dem Druck begutachtet werden.

(1) (2): Siegfried Gohr: „Georg Baselitz, Druckgraphik, Prints, Estampes 1963 – 1983“, erschienen 1984 im Prestel-Verlag München

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit meist ganzseitigen farbigen Abbildungen aller Exponate und einem Text von Heinrich Heil. Er wird zu Euro 10 im Inland versandfrei zugeschickt.

Ausstellung vom 30. Januar – 19. März 2016


2015/11/27
IAN DAVENPORT

GREY LAVENDER | YELLOW ORANGE | BLUE PINK | PURPLE GREEN
Studioausstellung vom 12. Dezember 2015 bis 23. Januar 2016

1966 in Kent geboren, studierte Ian Davenport u.a. am Goldsmith College of Art in London, wurde 1991 für den Turner Prize nominiert und nahm an der gleichnamigen Ausstellung in der Tate Gallery London teil. Sein Werk wird seitdem in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert und ist im In- und Ausland in öffentlichen Sammlungen wie dem Arts Council of Great Britain, London; dem Dallas Museums of Art, Texas; der Tate Gallery London; der Werkkunst Collection Zürich; dem Von der Heydt Museum, Wuppertal etc. vertreten.

Sein Markenzeichen sind seine „Poured Lines“ und „Puddle Paintings“ (Pfützenbilder), mit denen er international erfolgreich wurde und seine künstlerische Eigenständigkeit entwickelte. Internationale Aufmerksamkeit fand seine 50 Meter lange Farbwand „Poured Lines“ unter einer Eisenbahnbrücke im Süden Londons.

Auf der Suche nach einer neuen künstlerischen Richtung beobachtete Davenport eines Tages fasziniert das Fließen eines Farbtropfens. Die Schwerkraft, die ihn abwärts fließen lässt, und die Zufälligkeit des Weges, den er sich bahnt, inspirierten Davenport, damit zu experimentieren.

Davenport trägt die Farben mit einer Spritze am oberen Bildrand auf und lässt sie auf dünnen Stahlblechen abwärts fließen. Anfangs lässt er die Tropfen sich ihren Weg selbst suchen. Es entstehen unregelmäßige Linien, der Tropfen bewegt sich leicht kurvig nach unten, der Zufall bestimmt das Bild. Dann beginnt Davenport die Bahnen des Tropfens zu lenken. Sie werden gerader, linear. Die frühe Zufälligkeit verschwindet mehr und mehr.

Für die „Puddle Paintings“ unterbricht er den Fluss der Farbe, indem er den unteren Teil der Blechplatte zu einer waagerechten Ebene biegt, auf der die Farbenlinien zu „Pfützen“ auslaufen.

Die 4 ausgestellten großformatigen druckgraphischen Arbeiten gehören zu den aufwendigen Farbradierungen. Um den Fluss der Farben auf die Kupferplatten zu bringen, malt er Studien, die er fotografiert. Auf Grundlage der digitalisierten Fotos entstehen die Druckvorlagen. Eine für die Farbbahnen 1, 4, 7; eine mit den Farblinien 2, 5, 8 und die dritte mit den Farbreihen 3, 6, 9 usw. Die Druckplatten werden nacheinander abgezogen. Arbeiten mit exakten, überschneidungsfreien Druckbildern kontrastieren mit solchen mit weichen, malerischen Übergängen.

Im Studio der Galerie ist die oben abgebildete komplette Folge der 4 großformatigen Duplex Farbradierungen GREY LAVENDER | YELLOW ORANGE | BLUE PINK | PURPLE GREEN, jeweils 116 x 112,5 cm, aus dem Jahr 2014 bis zum 23. Januar 2016 ausgestellt.
2015/10/14
"Hommage à Gerhard F. Reinz"
(12. November 1930 Berlin – 24. Mai 2013 Warendorf)
Ausstellung zum 85. Geburtstag


Selten widmet eine Galerie einem verstorbenen Kollegen eine Ausstellung. Die Kölner Galeristen Johannes Schilling und Thomas Weber machen hier eine Ausnahme, indem sie mit einer Ausstellung an ihren verstorbenen Kölner Kollegen Gerhard F. Reinz erinnern, der am 12. November dieses Jahres 85 Jahre alt geworden wäre.
4 Jahre nachdem die Galerie Boisserée ihre jetzigen Räume in der Kölner Drususgasse bezogen hatte, eröffnete Gerhard F. Reinz 1959 seine Galerie in Köln, die er unter dem Namen Galerie Orangerie-Reinz 54 Jahre mit großem Erfolg führte. Der 1930 geborene Berliner glänzte in dieser Zeit mit seinen viel beachtetem Ausstellungen und Katalogen sowie seinen Messeständen auf den internationalen Kunstmessen im In- und Ausland. Seine Liebe und sein großes Engagement für die Druckgraphik, seine profunde kunsthändlerische Arbeit im Bereich der Kunst nach 1945, sein Einsatz für zeitgenössische Künstler wie Alain Clément, Dietrich Klinge oder Walter Stöhrer sowie sein einzigartiges berufspolitisches Engagement haben ihn als kompetente und liebenswerte Persönlichkeit des deutschen Kunsthandels für viele unvergesslich werden lassen.

Für die Galerie Boisserée und ihre Galeristen Johannes Schilling und Thomas Weber als nachfolgende Generationen, war Gerhard F. Reinz in vielen Dingen Vorbild und Ansporn zugleich. Es gab nicht nur viele Überschneidungen in der Kunst nach 1945, sondern beide Galerien entwickelten sich zu den wichtigsten Ansprechpartnern für Originalgraphik in Deutschland. Dieses Miteinander, welches trotz der unterschiedlichen Generationen im Fachlichen, Menschlichen und Berufspolitischen einen positiven bleibenden Eindruck hinterlassen hat, hat den Anstoß gegeben, eine Ausstellung als „Hommage à Gerhard F. Reinz“ mit den Künstlern zu konzipieren, für die er sich jahrzehntelang eingesetzt hat. Die Liste der Exponate beginnt bei Max Ackermann (1887 – 1975) und endet bei Fred Thieler (1916 – 1999). Viele Werke stammen unmittelbar aus dem Nachlass des verstorbenen Kölner Galeristen, die Ausstellung wurde von ausgesuchten Exponaten aus den Beständen der Galerie Boisserée ergänzt.

Highlights dieser ausgefallenen Ausstellung sind Leinwände von Ernst Wilhelm Nay ("Chorisch Grau", 1960 und ohne Titel, 1934/35), Emil Schumacher ("Ankh", 1987) und Antoni Tàpies ("Mocador negre", 2008), des Weiteren ein kleines Ölbild von Willi Baumeister („Formen auf Grün“, 1949) sowie eine Tuschezeichnung von Pablo Picasso ("Les masques", 1954). Der Besucher stößt zudem auf zahlreiche ausgesuchte Arbeiten auf Papier u.a. von Max Ackermann, Fernando Botero, Eduardo Chillida, Salvador Dalí, Max Ernst, Hans Hartung, Marino Marini, Joan Miró, Ernst Wilhelm Nay, Emil Schumacher und Fred Thieler. Zu den zeitgenössischen Künstlern, die Gerhard F. Reinz in Köln vertreten hat, gehören Walter Stöhrer, vertreten mit einer großformatigen Leinwand aus den 1970er Jahren ("Janusköpfig"). Der in Südfrankreich lebende Maler Alain Clément ist mit Papierarbeiten, Skulpturen und Leinwänden vertreten, der 1954 in Heiligenstadt geborene süddeutsche Bildhauer Dietrich Klinge zeigt Bronzeskulpturen aus den letzten 6 Jahren. Beide Künstler wollen zur Eröffnung der Ausstellung kommen.
Ausgesuchte graphische Arbeiten u.a. von Braque, Chagall, Dalí, Miró, Poliakoff, Tàpies und Picasso runden die Ausstellung ab, die mit ihren (allen) verkäuflichen Exponaten einen breit gefächerten Eindruck von der Arbeit einer der großen Persönlichkeiten des deutschen Kunsthandels vermittelt.

Alle Exponate sind in einem farbigen, 156 Seiten umfassenden Ausstellungskatalog, der zum Preis von Euro 15 (inklusive Versand) bestellt werden kann, meist ganzseitig abgebildet. Ebenfalls können sie zeitgleich zur Ausstellung auf der Homepage der Galerie Boisserée angesehen werden.


Ausstellung vom 28. Oktober bis 23. Dezember 2015
Die Eröffnung der Ausstellung findet am Mittwoch, den 28. Oktober 2015 um 18.30 Uhr statt.
2015/07/28
Zwei Ausstellungen anlässlich der Düsseldorf Cologne Open Galleries 2015
vom 4. September bis 17.Oktober 2015


Franziskus Wendels – "ZEITNAH" – Neue Arbeiten

"Ahnung zu haben, scheint mir ein sehr wichtiger Aspekt unseres Lebens zu sein. Darin steckt die Offenheit für Neues, eine Neugier für das, was unsere bisherige Erfahrung übersteigt. Das Nähren von Ahnungen ist vielleicht die vornehmste Aufgabe der Kunst."
Franziskus Wendels

Zeitnah zu einer Präsentation in der Neuen Galerie des Osthaus Museums Hagen vom 12.11.15–10.01.16, zu der auch ein neuer Katalog erscheint, zeigt die Galerie Boisserée neue Arbeiten auf Leinwand aus den letzten Jahren. Deren Unschärfe evoziert Geheimnisvolles, das Gegenständliche des Bildes wird nur angedeutet und vieles der dargestellten Thematik bleibt offen. Eine Bildaussage kann zwischen Klarheit und Eindeutigkeit des gegenständlichen Inhaltes und deren vollkommenen Auflösung in der Abstraktion angesiedelt werden. Wendels große Aufmerksamkeit gilt dem Licht im (meist) urbanen Umfeld. Zwangsläufig werden die Nacht und der dunkle Raum, in denen das Licht erst Gegenständliches erfahrbar macht, zum zentralen Thema seiner Bilder. Die Arbeiten in der aktuellen Ausstellung beschreiben sowohl den Außenraum, die nächtliche Landschaft oder Stadtlandschaft, als auch den Innenraum, zum Teil mit Blick nach draußen oder von draußen nach innen. Die Kombination von Unschärfe und nächtlicher Lichtsituation kommt der Erinnerung an einen flüchtigen Moment nahe, gleich einem Bruchteil einer Geschichte, deren weiterer Verlauf offen bleibt. Es bleibt dem Betrachter überlassen, die Geschichte zu deuten, welche das Bild und dessen Titel ihm vorgibt.

Zur Ausstellung liegt ein neuer Katalog mit ca. 96 Seiten und meist farbigen Abbildungen sowie einem Text von Tayfun Belgin, Direktor am Osthaus Museums Hagen, vor, zu Euro 15. Er vermittelt einen repräsentativen Überblick über das derzeitige künstlerische Schaffen von Franziskus Wendels und enthält neben einer kurzen Biographie eine Übersicht über wichtige Einzelausstellungen oder Ausstellungsbeteiligungen des Künstlers.


Jannis Kounellis – Multiples (Ausstellung im Studio)
"Ich bin ein Maler, der nicht malt."
Jannis Kounellis

Ein alter schwarzer Mantel, ein Fleischermesser, Jutesäcke, eine schwarze Nähmaschine, alte Zeitungen, Kohlebrocken, Stahl, schwarze Schuhe, ein Kreuz, eine Mandoline und schwarz gedruckte Lithographien ... sind Materialien, mit denen Jannis Kounellis seine namenlosen Objektkästen bestückt, die die Galerie Boisserée in einer kleinen Studioausstellung zeigt.

Kounellis ist eine Schlüsselfigur der zeitgenössischen Modernen. 1936 in Piraeus, dem Hafenviertel von Athen, geboren, ging er 20-jährig nach Rom, um Künstler zu werden und blieb. Er studierte an der Accademia di Belle Arti in Rom. Seit 1960 stellt er international aus, nahm 1972, 1977 und 1982 an der documenta in Kassel sowie mehrfach an der Biennale in Venedig teil. Von 1993 bis 2001 war er Professor an der Kunsthochschule Düsseldorf. Weltweit ist er in renommierten Museen und Sammlungen vertreten.

Als Mitbegründer der italienischen Arte Povera, einer Bewegung, die auf die wachsende Technisierung der 1960er Jahre reagierte, benutzt er für seine Kunst gewöhnliche Dinge des Alltags und der Natur: Eisen, Blei- und Stahlplatten, Öllampen, Holz, Kohlebrocken, Steine, Stoffe, Seile, Erde, ausgediente, achtlos liegengelassene Alltagsgegenstände, abgewetzte Jutesäcke - „Es sind immer benutzte Säcke, schmutzig, staubig, löchrig und mit Öl verschmiert tragen sie die Spuren einer weiten Reise mit sich.“ (Andreas Hoffer, Essl Museum - Kunst der Gegenwart Jannis Kounellis) - und manchmal auch Tiere, wie in der Ausstellung „12 Lebende Pferde“ der Galleria L’Attico, Rom 1969. Immer sind es erst einmal kunstferne Materialien, Fundstücke, mit denen er außergewöhnliche Installationen und Assemblagen schafft. „Doch nicht alleine die Wirkung des Materials und der durch Kunst verfremdeten Zwecksetzung wird reflektiert, sondern das den Dingen und Materialien innewohnende Potential.“ (Ferdinand Ullrich, Jannis Kounellis – Kohle und Stahl, Feuer und Rauch). Kounellis gilt als geschichtsbewusster, intellektueller Künstler. Gegen die Konsumgesellschaft setzt er die Zeugnisse der Arbeit, und immer wieder wird bei ihm etwas vor dem Vergessen bewahrt. „Er sei ein Maler, der nicht malt, sagt Kounellis und unterstreicht damit seine Stellung zwischen den Gattungen und jenseits gattungsspezifischen Denkens.“ (ebd.)


Eröffnung am Freitag, den 4. September 2015 um 19 Uhr (in Anwesenheit von Franziskus Wendels)

Galerie Boisserée, Drususgasse 7-11, D - 50667 Köln
(Nähe Dom, WDR, Wallrafplatz und Museum für Angewandte Kunst)
Telefon: (+49) - (0)221 - 2578519, Telefax: (+49) - (0)221 - 2578550
galerie@boisseree.com, www.boisseree.com
DI-FR 10–18 Uhr, SA 11–15 Uhr, SO und MO geschlossen

Besondere Öffnungszeiten zu den DC-Open 2015:
Freitag, den 04.09. von 18–22 Uhr; Samstag, den 05.09. von 12–19 Uhr; Sonntag, den 06.09. von 12–18 Uhr
2015/04/28
BOISSERÉE GOES POP
Vom 06.05. – 13.06. 2015 zeigt die Galerie Boisserée in ihrer Ausstellung BOISSERÉE GOES POP vor allem Arbeiten der amerikanischen Pop Art Künstler Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Robert Indiana und Tom Wesselmann, des Weiteren einige Arbeiten der englischen Pop Art Künstler Richard Hamilton, Patrick Caulfied und David Hockney sowie in deren Nachfolge Arbeiten von Patrick Hughes und Julian Opie.
Coca Cola, Pepsi Cola, Marlboro, Brillo, Kellogg’s Cornflakes, Heinz Tomato Ketchup, Ford – die Warenwelt von damals ist uns immer noch vertraut. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung stieg auch die Kaufkraft in den westlichen Industrienationen, und die Werbebranche entwickelte sich zu einer finanzstarken Industrie. Dabei wurden nicht nur Produkte beworben, sondern auch der damit verbundene Lifestyle. Man vermarktete Emotionen und Wunschbilder. Wer dazu gehören wollte, musste konsumieren. Da viele der späteren Pop Art-Künstler vor ihrem Durchbruch bezeichnenderweise als Werbegrafiker, Reklamemaler oder Schaufenstergestalter arbeiteten, wussten sie um die Qualitäten populärer Sujets und die Möglichkeiten ihrer visuellen Darstellung. Konsequent verbanden sie Alltag und Kunst, durchschauten die Sehnsüchte und der Konsumtrieb der Menschen und die Macht der Medien.
Pop Art spiegelte das Lebensgefühl einer Epoche. Sie verbreitete sich über den gesamten Globus und stellte das konservative Kunstverständnis erneut auf den Kopf. Dem zunehmenden Hype um Produkte und Design, dem zunehmenden Warenfetischischmus setzten die Künstler ihre Auseinandersetzung mit den Chiffren und Symbolen ihrer Zeit entgegen. Einerseits griffen Sie triviale Motive auf, banale Alltagsformen, Bildformen der Konsumgesellschaft, kommerzielle Typographie, andererseits spiegeln die Arbeiten die kritische und ironische Auseinandersetzung mit der Konsumkultur, der Verwundbarkeit dieser scheinbar, perfekten, kalkulierten Wohlstandsgesellschaft, verweisen auf Probleme wie Kriege, Rassentrennung, Vereinsamung in den Großstädten, steigenden Drogenkonsum, mangelnde Individualität in der Massengesellschaft, den Starkult des Hollywoodkinos.
Schwerpunkt der Ausstellung bilden die Arbeiten Andy Warhols. Zu sehen sind u.a. die kompletten Folgen der 4 "Beethoven"-Farbvarianten sowie des Kölner Doms. Des Weiteren der "African Elephant" und der "Orangutan", aus dem Portfolio "Endangered Species" von 1983, der Farbsiebdruck "Vesuvius" von 1985 sowie ein blauer "Truck" aus der gleichnamigen Serie und ein gelber "Electric Chair". Schon zu Lebzeiten war Andy Warhol eine Legende. Er verkörperte den Star neuen Typs und war ein Virtuose der Selbstinszenierung. 1962 entstanden die ersten Serien mit "Campbells Suppendosen" und "Coca Cola Flaschen" sowie Siebdrucke mit dem Motiv der Dollarnoten, des Weiteren u.a. Porträts berühmter Persönlichkeiten und Selbstporträts. Aber kaum eines dieser Porträts entspricht den klassischen Vorbildern und Ansprüchen an das Thema. Sie sind vielmehr Werke der Inszenierung.
Roy Lichtenstein entwickelte bei seinen Kunstwerken eine Schwäche für den Archetyp schöne Frauen. Die in der Ausstellung gezeigte großformatige Arbeit "Reflections on Conversation"von 1990 lässt sich seinen sentimentalen Frauenbildern zuordnen. Die beiden Arbeiten aus dem Mappenwerk "La Nouvelle Chute de l’Amerique (The New Fall of America)" mit Gedichten Von Allen Ginsberg stammen aus dem Jahr 1992.
Robert Indianas "LOVE" zählt zu den bekanntesten Motiven der amerikanischen Pop-Art. Ursprünglich als Weihnachtskarte vom Museum of Modern Art in New York in Auftrag gegeben, avancierte die Darstellung zur Ikone 1960er Jahre. Inhaltlich reicht "LOVE" zurück in Indianas Kindheit, die geprägt war von der im 19. Jahrhundert von Mary Baker Eddy gegründeten "Christian-Science-Lehre". "God is Love" steht in jeder Kirche geschrieben. Diese besonders spezifische Form der amerikanischen Spiritualität, die Teil des besonders amerikanischen Milieus ist und letztlich die Quelle von "LOVE" wurde, hatte der Künstler in seiner Bedeutung immer unterstrichen. In der Ausstellung sind u.a. sowohl das komplette Mappenwerk "The Book of Love" mit 12 Gedichten und 12 farbigen Siebdrucken von 1996 zu sehen, als auch die vierteilige Arbeit "Four Panel Love", einer Folge von 4 Farbsiebdrucken von 1972.
Tom Wesselmanns Leitmotiv wurden Stillleben und weibliche Akte in sexueller Provokation. Die Serie der "American Nudes" datiert seit 1961. Akte oder auch nur Gesichter sind in Schlafzimmer oder Badezimmerinterieurs zu sehen. Kennzeichnend für seine Akte ist die verheißende Pose der Frauen, die sich genauso ungeniert anzubieten scheinen wie Dosenbier und Cornflakes. Sie bestehen in der Regel nur aus fleischfarben angelegten Körpersilhouetten, dem knallroten Kussmund, Brustwarzen, weißen Zähnen, plakativ eingesetzten Geschlechtsmerkmalen. Bei der in der Ausstellung zu sehende Arbeit "Embossed Nude # 1" handelt es sich um ein frühes (1965) serielles Unikat in einer Auflage von 27 Exemplaren.
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